Legal AI

KI-Recherche für Juristen


tippende Hände auf der Tastatur

Welche KI-Recherche-Tools eignen sich gut für den Einsatz in Kanzleien? Welche Tools sind riskant? Ein Überblick über die Qualitätskriterien von Legal AI zur Rechtsrecherche.

KI-Recherche Tools für Juristen: Chancen, Risiken, Qualitätsmerkmale 

Einschlägige Normen, Beschlüsse, Urteile und Fachartikel finden, Kommentare auswerten – die  Recherche nach fallrelevanten rechtlichen Inhalten gehört zu den zentralen und zugleich zeitintensivsten Aufgaben in Kanzleien. KI verspricht hier deutliche Effizienzgewinne. KI-Assistenten durchsuchen im Dialog mit dem Anwalt umfangreiche Datenbanken, erkennen Zusammenhänge, analysieren Rechtsprechung und liefern in Sekundenschnelle Zusammenfassungen und Argumentationsvorschläge.  

Doch KI-Tool ist nicht gleich KI-Tool. Zwischen allgemein zugänglichen KI-Assistenten und spezialisierten Legal-AI-Lösungen liegen erhebliche Unterschiede, die nicht nur die Zuverlässigkeit der Recherche-Ergebnisse entscheidend beeinflussen, sondern auch unterschiedliche Risiken mit sich bringen.  

Welche KI-Recherche Tools gibt es? Ein Überblick  

Print-Nachschlagewerke sind heutzutage meist nur noch Dekoration in Kanzleien. Die Suche nach fallrelevanten Entscheidungen, Gesetzen, Kommentierungen und Fachartikeln findet längst schon digital statt. Nun zeichnet sich ein neuer Standard ab: die KI-basierte Recherche in digitalen Bibliotheken. KI-Tools zur Rechtsrecherche lassen sich grob in die folgenden drei Kategorien unterscheiden. 

Allgemeine KI-Assistenten 

Auf Large Language Models basierende, allgemein zugängliche so genannte generative KI, wie zum Beispiel ChatGPT, Claude oder Microsoft Copilot, ist in der Lage, Texte zu erstellen, zu analysieren und Fragen zu beantworten. Sie wird mit riesigen Datenmengen trainiert, darunter auch Daten, die Nutzer selbst eingeben. Eine redaktionelle Bearbeitung oder Kontrolle findet nicht statt. Das hat zur Folge, dass die zur Recherche von der KI herangezogenen Daten falsch oder veraltet sein können.  

Die allgemein zugänglichen Sprachmodelle eignen sich deswegen allenfalls für juristische Vorarbeiten, wie zum Beispiel für eine groben Annäherung an eine Rechtsfrage, ein Brainstorming oder einen ersten Überblick über ein Rechtsthema, nicht jedoch zur Bearbeitung konkreter Fälle.  

KI-gestützte juristische Datenbanken 

Speziell für den juristischen Bedarf entwickelte Rechercheplattformen und Datenbanken verfügen zunehmend über KI-Funktionen. So wird zum Beispiel in redaktionell gepflegte, in sich geschlossene Entscheidungs- und Gesetzesdatenbanken generative KI integriert, um den Anwendern eine effizientere und einfachere Suche nach relevanten rechtlichen Inhalten zu ermöglichen.    

Legal-AI-Research-Tools als virtuelle Assistenz 

Mittlerweile gibt es auch KI-Lösungen, die aufgrund ihres Funktionsumfangs als virtueller Mitarbeiter fungieren und immer mehr die Associate-Ebene in Großkanzleien ersetzen. Sie kombinieren die KI-gestützte Recherche in juristischen Datenbanken mit weiteren KI-basierten Tools wie der Vertrags- und Dokumentenanalyse und Schriftsatzerstellung und werden beispielsweise bei rechtlichen Due Diligence Prüfungen eingesetzt.  

Worauf sollten Juristen bei der Auswahl von KI-Recherche-Tools achten?  

Das Angebot an KI-unterstützten Recherchemöglichkeiten ist vielfältig. Die folgenden Aspekte helfen dabei, eine qualitativ hochwertige und sichere Lösung zu identifizieren.  

1. Datenbasis: Auf welche Daten greift das KI-basierte Recherche-Tool zu?  

Sorgfältig kuratierte und von Fachredaktionen gepflegte umfangreiche Datenbanken mit Gesetzen, Rechtsprechung und Fachliteratur sind eine solide Basis für fundierte Rechercheergebnisse.    

2. Quellenangaben: Auf welchen Fundstellen basiert das Rechercheergebnis der KI?  

Gut konzeptionierte KI-unterstützte Datenbanken liefern nicht nur rechtlich fundierte Antworten, sondern auch präzise Quellenangaben. Besonders zeitsparend ist es, wenn zitierte Entscheidungen und Normen direkt bei den Recherche-Ergebnissen verlinkt und im Volltext aufrufbar sind. Mittlerweile gibt es Datenbanksysteme, die zusätzlich auch noch die exakten Fundstellen in Kommentaren mitliefern.  

3. Aktualität: Entsprechen die KI-Ergebnisse der aktuellen Rechtslage?  

Normen sind Änderungen unterworfen. Auch die Rechtsprechung wandelt sich. Dementsprechend wichtig ist, dass die Datenbanken von einer Fachredaktion permanent überwacht, bei Bedarf rechtzeitig aktualisiert bzw. um neue Regelungen und synoptische Darstellungen der alten und neuen Rechtslage ergänzt werden.  

4. Fachspezifische Konfiguration des KI-Assistenten  

Speziell auf juristische Fragestellungen trainierte und vorkonfigurierte KI-Assistenten liefern qualitativ höherwertigere Antworten als die allgemein über das Internet zugänglichen Chatbots. Das Training reduziert das Risiko von Halluzinationen und anderen KI-Fehlleistungen erheblich.  

5. Datenschutz: Was passiert mit eingegebenen Daten? 

Allgemein zugängliche generative KI verwendet und speichert die von Nutzern eingegebenen Daten zu Analyse- und Trainingszwecken. Ausschließen lässt sich dies seitens des Anwenders nicht, auch nicht mit entsprechenden Befehlen an die KI. Kritisch wird es, wenn sensible Mandantendaten oder geheimhaltungspflichtige Informationen in den Datenpool der KI gelangen.  

Sicherer im Hinblick auf Datenschutz und Verschwiegenheitspflicht sind Datenbanksysteme, deren Hersteller die Verwendung und Verarbeitung von Daten zur Weiterentwicklung, Optimierung und Analyse der KI eindeutig ausschließen. Werden die Datenbanksysteme in der Cloud gehostet, sollte das DSGVO-konforme Hosting vom Hersteller garantiert sein, und zwar sowohl für das KI-Tool als auch für die eingegebenen Daten wie auch für die IT-Infrastruktur – Anforderungen, die insbesondere Datenbanklösungen aus EU-externen Ländern oft nicht erfüllen.  

6. Suchlogik: Nur Keyword-Suche oder wirklich intelligente Suche?  

Gute KI-basierte Recherche erschöpft sich nicht in der Eingabe von Suchbegriffen. Im Dialog mit dem Anwender erkennt sie semantische Feinheiten und Bedeutungszusammenhänge.  

Nicht nur das KI-Recherche-Tool ist entscheidend, sondern auch der Umgang damit  

Die meisten KI-gestützten Recherche-Systeme sind selbsterklärend. Ihre Anwendung scheint kinderleicht zu sein: Der Nutzer stellt Fragen, die KI liefert Antworten. Der Schein trügt jedoch. Ob sich eine KI-basierte Datenbank als Effizienzgewinn oder als Zeitfresser oder gar Risiko erweist, ist nämlich stets auch vom richtigen Umgang damit abhängig.  

KI-Tools immer nur als Assistenten, nie als Ersatz für menschliche Expertise sehen  

KI kann riesige Datenbanken in Sekundenschnelle auf relevante Fundstellen scannen, die Ergebnisse daraus zusammenfassen und strukturieren. Insbesondere eigens für Juristen aufgesetzte Recherche-Systeme arbeiten heute schon sehr korrekt und zuverlässig. Zu 100 Prozent sollten sich Anwender trotzdem nicht auf die KI-Resultate verlassen. Solche KI-Tools sind mächtige Werkzeuge für Juristen, niemals aber ein Ersatz für menschliche juristische Intelligenz und Erfahrung. Die Resultate der Recherche sollten daher immer vom Juristen gegengecheckt werden. Gute Recherche-Systeme machen den Anwendern die Prüfung mit Links auf verwendete Quellen im Volltext sehr einfach.  

Die Qualität der Prompts entscheidet über die Qualität der Ergebnisse  

Wer KI effizient zur Rechtsrecherche einsetzen möchte, sollte das Prompting beherrschen. Prompts sind die Anweisungen an die KI. Sie entscheiden zu einem hohen Maß über die Qualität des KI-Outputs. Je besser der Prompt, desto besser das Recherche-Ergebnis. Mittlerweile gibt es Schulungen speziell für das Legal Prompting. Juristen lernen dort, ihre Befehle an die KI mittels Rollenzuweisungen und der richtigen Struktur so präzise zu formulieren, dass das Tool möglichst exakte Resultate liefert.  

KI-Nutzung braucht klare Richtlinien  

Art. 4 der KI-Verordnung (EU AI Act) gilt auch für Kanzleien, die ihren Mitarbeitern Zugang zu KI-Systemen verschaffen: Sie sind dazu verpflichtet, diese im Umgang mit KI zu schulen und organisatorische Vorgaben zu machen, wann und wie entsprechende Tools eingesetzt werden dürfen. Klare Richtlinien zur Nutzung von KI sind zudem zur Vermeidung von Verstößen gegen die anwaltliche Geheimhaltungspflicht und die DSGVO unerlässlich. Sie sollten unter anderem Regelungen zu folgenden Aspekten enthalten: 

  • Welche KI-Tools dürfen im Kanzleialltag eingesetzt werden?  
  • Welche Mitarbeiter dürfen welches Tool nutzen? 
  • Welche Daten dürfen eingegeben werden – und viel wichtiger: welche auf keinen Fall? Welche Daten sind zu anonymisieren?  
  • Wer übernimmt die Prüfung, wer übernimmt die Freigabe KI-generierter Recherche-Ergebnisse? 
  • Wie wird die Prüfung, wie werden Quellen dokumentiert? 

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