Studie

Digitaler Vorreiter mit Selbstzweifeln: HR unterschätzt die eigene Stärke

HR nutzt Künstliche Intelligenz, HR digitalisiert – und HR unterschätzt sich dabei systematisch. Die Haufe-Studie HR Service Experience 2026 zeichnet das Bild einer Funktion, die mehr kann, als sie sich selbst zutraut. Und die genau dort gefragt wäre, wo sie sich noch zurückhält.

Nachhaltigkeitsmanagerin_Frau in Büro

Seit 2021 misst die Studie den Digitalisierungsgrad von HR und des Gesamtunternehmens. Befragt werden sowohl HR-Profis, als auch die internen Zielgruppen von HR – Beschäftigte und Führungskräfte. 

Das Ergebnis 2026 bei insgesamt 1.914 Teilnehmenden: HR hat aufgeschlossen. Beschäftigte und Führungskräfte sehen ihr Unternehmen zwar im Schnitt noch etwas stärker digital aufgestellt als HR – der Abstand aber hat sich deutlich verringert. 

Digitalisierung: HR holt auf 

Fast jede dritte HR-Person (32,3 Prozent) sieht das Potenzial für eine weitestgehende oder vollständige Digitalisierung von HR-Prozessen. Die Mehrheit der Befragten verhält sich jedoch vorsichtig: Auf einer siebenstufigen Skala liegt der Wert bei 4,7 – nahe der Mitte, eher skeptisch als euphorisch. 

Dabei lässt sich ein klarer Zusammenhang erkennen: Je höher der Digitalisierungsgrad einer HR-Abteilung, desto zufriedener sind Beschäftigte und Führungskräfte mit den HR-Leistungen. Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt bei transformationalen Services – also dort, wo HR strategisch wirkt, nicht nur administrativ verwaltet. 

Führungsrolle von HR wird gewünscht, aber nicht ergriffen 

Dass HR die Digitalisierung im Unternehmen begleiten sollte, sagen 72,6 Prozent der Personalprofis. Die Führungsrolle hingegen beanspruchen nur 18,4 Prozent für sich. Das obere Management sieht das anders: 33,2 Prozent der obersten Führungsebene wünschen sich HR explizit als Treiber der digitalen Transformation – fast doppelt so viele wie HR selbst. 

HR versteht sich offensichtlich als "Stimme der Menschlichkeit" in der Digitalisierung: Man will begleiten, nicht vorantreiben. 57,1 Prozent der HR-Profis sind überzeugt, dass Digitalisierung nur gelingt, wenn Mitarbeitende der Veränderung vertrauen. Das ist keine falsche Haltung – aber sie erklärt auch, warum HR die eigene Gestaltungsmacht nicht vollständig ausschöpft. 

Download-Tipp:

Die vollständigen Ergebnisse der Haufe-Studie "HR Service Experience 2026" können Sie hier herunterladen.

HR geht bei KI voran 

Noch vor zwei Jahren war KI für viele HR-Verantwortliche Neuland. Heute ist das Bild ein anderes. 62,5 Prozent aller Befragten nutzen KI wöchentlich oder häufiger. Bei HR-Profis und Führungskräften liegt der Anteil der Nichtnutzer unter fünf Prozent. HR gehört dabei zu den Intensiv-Nutzenden: 35,4 Prozent setzen KI täglich oder mehrmals täglich ein – bei Führungskräften sind es sogar 44,0 Prozent. 

Die Motive sind pragmatisch: KI ermöglicht schnelleres Arbeiten (70,1 Prozent der HR-Profis), liefert spürbare Arbeitserleichterung (61,6 Prozent) und unterstützt kreativeres Arbeiten (49,3 Prozent). Besonders stark verbreitet ist der Einsatz im Recruiting: Stellenausschreibungen formulieren (46,5 Prozent) und Stellenprofile erstellen (33,0 Prozent) sind die am häufigsten genannten Anwendungsfälle. 

Für die Zukunft hat HR eine lange Wunschliste: Arbeitszeitverwaltung und Abwesenheitsmanagement (35,0 Prozent), Weiterbildungsvorschläge (33,0 Prozent) und Payroll-Automatisierung (31,9 Prozent) stehen ganz oben. 

Hindernisse werden überschätzt 

Wo HR allerdings noch zögert: bei der Einschätzung der Widerstände. HR nennt Compliance und Datenschutz (49,1 Prozent), Rechtsunsicherheit (45,4 Prozent) und fehlende Kompetenzen (45,1 Prozent) als größte Hürden. Das obere Management vermutet zudem Vorbehalte bei Betriebsrat und Belegschaft – die diese selbst gar nicht so sehen. 

Beschäftigte ohne Führungsfunktion sind grundsätzlich aufgeschlossen. Ihr häufigstes Argument gegen KI-Nutzung: Die passende Software fehlt schlicht. Eine Erkenntnis, die leichter zu beheben wäre als kulturelle Widerstände. 

Rund ein Drittel der Befragten ist bereit, KI weitgehende Zugriffsrechte zu gewähren – von der E-Mail-Analyse bis zur persönlichen Stärken-Schwächen-Auswertung. Führungskräfte gehen dabei voran, Beschäftigte ohne Führungsfunktion sind zurückhaltender. KI ist Vertrauenssache. Dieses Vertrauen aufzubauen – das könnte eine der zentralen Aufgaben von HR in den nächsten Jahren sein. Ob HR diese Rolle annimmt, ist noch offen. 

 

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