Veranstaltungsbericht

Kienbaum Convention 2026: Blick nach vorn – und zu den externen Kunden


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Nach 25 Jahren zurück zu den Anfängen: Die Kienbaum Convention feierte am 1. Juli 2026 Jubiläum in den Räumen der Malteser Kommende in Ehreshoven bei Köln. Der persönliche Austausch und das Netzwerken mit hochkarätigen Speakern sollten bewusst im Vordergrund stehen. Dafür flog sogar HR-Ikone Dave Ulrich aus den USA ein.

Unter dem Motto "Lead the Shift - People. Future. Value" hatten die Veranstalter ein Programm zusammengestellt, das konsequent in die Zukunft führen sollte – mit den Menschen an erster Stelle. Dass Kienbaum bewusst an den ursprünglichen Veranstaltungsort zurückgekehrt sei, begründete Fabian Kienbaum bei der Eröffnung damit, dass gerade dieser Rahmen den persönlichen Austausch unter Teilnehmenden begünstige. Es sei wichtig, Praxisfälle zu teilen, daraus zu lernen und miteinander zu wachsen, so der Kienbaum-Enkel: "Durch die Vertrautheit können wir eine Ehrlichkeit walten lassen und uns darüber austauschen, was wirklich funktioniert und was nicht."

Handlungsfähige HR-Arbeit unter Druck

Den inhaltlichen Rahmen spannte die Moderatorin Christiane Stein zu Beginn mit der Leitfrage "Wie bleiben Unternehmen handlungsfähig bei permanenter Veränderung?" – gestellt in einen vollen Raum inklusive Übertragung in die Nebenräume für die rund 280 Teilnehmenden. Die Antwort darauf zeigte vor allem eines: HR sollte sich an diesem Tag nicht allein um HR drehen. Es geht um das gesamte Unternehmen – und HR soll dabei nicht nur auf das Business reagieren, sondern es aktiv mitgestalten. Entsprechend klar fiel auch Fabian Kienbaums Appell aus, angesichts der zunehmenden Häufigkeit exogener Schocks und der extremen Veränderungsgeschwindigkeit: "Übernehmt die Verantwortung, diesen Wandel und die Zukunft zu gestalten!".

Kienbaum Convention: Von Equal Pay bis Cultural Fit

Das Programm war erwartungsgemäß gespickt mit hochrangigen Personalverantwortlichen aus bekannten Konzernen und Familienunternehmen, von SAP über Mediamarkt und Rewe, Procter & Gamble und Vonovia sowie Merck bis hin zu Klosterfrau. Thematisch reichte die Bandbreite von pragmatischen Umsetzungsfragen – etwa zur Einführung von Equal Pay bei Rewe – bis hin zu kulturellen Themen wie dem Cultural Fit beim Recruiting, den Empion und Procter & Gamble gemeinsam in den Fokus stellten.

Besondere Aufmerksamkeit zog der Auftritt von Khadija Ben Hammada, CPO bei Merck, auf sich. Mit beeindruckender Offenheit und großer Klarheit zeigte sie in einem Bühneninterview, wie zentral psychologische Sicherheit in Unternehmen ist – und dass diese im täglichen Verhalten sichtbar werden muss, vor allem auf Vorstandsebene. Die Überzeugungsarbeit bei ihren Vorstandskollegen habe sie dabei nicht mit Marketingkampagnen, sondern mit harten Zahlen geleistet.

KI als Treiber der HR-Arbeit

Kaum zu umgehen war auch bei dieser Veranstaltung das Thema Künstliche Intelligenz. Daniel Müller, People Director bei SAP, veranschaulichte eindrücklich, dass selbst für einen Tech-Konzern das Upskilling hin zu KI ein enormer Kraftakt ist. "Der massive Technologie-Shift erfordert zunächst massives Investment. Das führt zu verzögerter Produktivität", erklärte Müller – mit Verweis auf den immensen Schulungsbedarf, der bei SAP 70 Prozent der Belegschaft betreffe. "Hier wäre es absolut kontraproduktiv, das Investment zurückzufahren. Wir stehen erst am Anfang oder in der Mitte des Shifts." Das zeige einmal mehr: "KI ist in erster Linie kein Technologie-, sondern ein HR-Thema."

Im anschließenden Panel diskutierten Stefanie Peters, Geschäftsführende Gesellschafterin bei Neumann & Esser, Iris Prüfer, CPO bei Mediamarkt Saturn, sowie Dagmar Reinhold, CHRO der Klosterfrau Gruppe, über KI und die Frage, wie Führung mit und durch KI gelingen kann. Professor Martin Manhembué richtete den Blick auf die Auswirkungen von KI auf Entscheidungsprozesse, und die Vizepräsidentin des Bundeskriminalamts zeigte praxisnah auf, wie KI die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine verändert.

Mehr Mut in HR

Die bei der Eröffnung eingeforderte Ehrlichkeit kam am Nachmittag in der wohlbekannten "Rede zur Lage der HR-Nation" von Kienbaum-Partner Walter Jochmann voll zum Tragen. Seine Diagnose war klar: Ein allenfalls moderates Wirtschaftswachstum treffe auf eine nach innen gerichtete Optimierungsagenda der Unternehmen – und HR reagiere darauf nur, und das zu langsam. Dabei sei es gerade jetzt an HR, in allen relevanten Themen als gestaltende Manager aufzutreten, nicht nur als HR Business Partner.

Sein Fazit fiel pointiert aus: "Es ist wieder Crunchtime. Einige Bereiche in HR können durch KI abgewickelt werden." Der Mut zur Disruption mit Blick auf 2030 fehle in HR noch weitgehend. Seinen Schlusssatz formulierte Jochmann mit ebenso wohlmeinender wie leicht resignierter Note: "Ich wünsche Ihnen Mut für die nächsten Jahre!".

Dave Ulrich fordert Kundenfokus

Damit war die Grundlage gelegt für den eigentlichen Höhepunkt der Veranstaltung. Der US-Berater Dave Ulrich war persönlich vor Ort und hielt den anwesenden Personalverantwortlichen nicht nur den Spiegel hin, er forderte sie vielmehr auf, "durchs Fenster zu sehen". Konsequent deklinierte er durch, was er seit seiner Veröffentlichung "HR from the Outside In" propagiert: HR darf sich nicht länger nur an Führungskräften und dem internen Business orientieren. Es braucht den Blick nach außen – auf die Wünsche, Trends und Entwicklungen von Kunden, Investoren und der Gesellschaft –, um die HR-Arbeit daran auszurichten.

Die höchste Entwicklungsstufe von HR bezeichnet Ulrich derzeit als "Stakeholder HR": HR-Instrumente, Prozesse und Unternehmenskultur werden konsequent an externen Stakeholdern ausgerichtet. Konkret könne das heißen: Mit dem eigenen Führungskompetenzmodell direkt zu den Kunden gehen und fragen "Wenn unsere Führungskräfte nach diesen Werten und mit diesen Kompetenzen handeln, würden Sie dann mehr von uns kaufen?". Entscheidend sei, bei jeder HR-Initiative die Konsequenzen für externe Stakeholder mitzudenken.

In der anschließenden Masterclass mit Walter Jochmann und Dave Ulrich war die Stimmung dennoch verhalten. Ulrichs Zielbild scheint noch in weiter Ferne – während die aktuelle HR-Arbeit sich zunächst an der KI-Transformation abarbeitet.

 

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