Nachbericht: "Future of Work"-Kongress

Grüne Hügel und HR


Future of Work Kongress_1

Welche Effekte ein abgeschiedener Tagungsort hat, wurde beim Kongress "Future of Work" im österreichischen Bad Loipersdorf erlebbar. Beim intensiven Austausch zeigte sich: Trotz vergleichbarer Wirtschaftslage vermittelt das HR-Management in Österreich mehr Zuversicht.

Der "Future of Work"-Kongress am 20. und 21. Mai im österreichischen Bad Loipersdorf war für Besucher aus Deutschland eine logistische Herausforderung. Denn die Anbindung der 1.800-Einwohner-Gemeinde in der Südsteiermark an den öffentlichen Nahverkehr ist eher spärlich. Und selbst mit Flügen nach Wien oder Graz bleibt noch eine ordentliche Autostrecke bis zum Kongresszentrum zurückzulegen. Doch Ort der Tagung ist vom Veranstalter LSZ mit Bedacht gewählt. Die Abgeschiedenheit schafft eine besondere Atmosphäre, eine HR-Bubble im positiven Sinne. So wolle man verhindern, dass die Teilnehmer nur kurz vorbeischauten, sagt Projektleiter Benedikt Weiß. Wer anreist, nimmt sich bewusst die Zeit und ist voll bei der Sache, so die Rechnung des Veranstalters. Und die scheint aufzugehen.

Future of Work Kongress: Hard Work statt New Work?

Das Event kam mit rund 300 Teilnehmenden in diesem Jahr nicht ganz an die Besucherzahlen aus den Vorjahren (ca. 400) heran, das Kongresszentrum wirkte aber gut gefüllt. Zur Begrüßung blieben nur wenige Plätze vor der Keynote-Stage frei. Im Publikum: CHROs, HR-Führungskräfte und HR-Fachkräfte unterschiedlicher Disziplinen von Junior- bis Senior-Level. Ungewöhnlich wirkte zunächst das Schwerpunktthema New Work. Denn die Bewegung stand wohl nie so sehr im Gegenwind wie in der aktuellen wirtschaftlichen Lage. Während in den Unternehmen die Produktivität steigen und die Kosten sinken sollen, geraten neue Arbeitsweisen zunehmend unter Rechtfertigungsdruck. Zu viel versprochen, zu wenig geliefert? Fortschritt oder Fassade? Hard Work statt New Work? Mit diesen Fragen beschäftigen sich gleich zwei Panels (eines davon eine Kooperation des BPM Österreichs und des Personalmagazins) auf der Hauptbühne.

Daneben thematischer Mix der aktuellen Herausforderungen im Personalmanagement: Performance-Management, Arbeiten mit und Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Leadership, Entgelttransparenz, Change-Management und Resilienz. Hier zeigte sich, dass die Personalerinnen und Personaler in Österreich vor ähnlichen Herausforderungen stehen, wie ihre Berufskolleginnen und -kollegen in Deutschland. Das verwundert insofern kaum, als dass auch in der Alpenrepublik die wirtschaftliche Lage angespannt bleibt. Die Schwäche der europäischen Exportmärkte (insbesondere der deutschen Industrie) drückt auf das Wachstum. Gerade deshalb ist es umso bemerkenswerter, dass die Stimmung weniger fatalistisch als hierzulande scheint. Nun könnte man vermuten, dass HR die Situation nicht ernst genug nehmen würde. Doch diesen Eindruck machten die Personalerinnen und Personaler nicht.

Klassentreffen der HR-Szene

Vielleicht lag das auch am Format des Events, das die Besucher zu Teilnehmern machte. Und wer sich handlungsfähig sieht, blickt bekanntlich optimistischer auf Herausforderungen. Insgesamt fünf Workshop-Blöcke mit jeweils verschiedenen Themenschwerpunkten holten die Personalerinnen und Personaler aus der Konsumentenhaltung. Mitarbeiten statt berieseln lassen. Gleichzeitig boten die Workshops Einblicke in die Breite der österreichischen Unternehmen. Keynotes, Fachvorträge und Panels waren auf maximal 30 Minuten begrenzt. Unterbrochen von großzügigen Pausen, um neue Kontakte zu knüpfen oder Gespräche fortzusetzen.

Dazu gab es auch bei der Future-of-Work-Party noch reichlich Gelegenheit. Hier zeigte sich erneut der Vorteil der "Bubble": Tages- und Abendprogramm gingen nahtlos ineinander über. Und wer schon mal da war, blieb nun auch dabei. Keine großstädtische Ablenkung, kein Heimfahren, nur grüne Hügel und HR. Die Veranstaltung, die von Kennern des Events als "Klassentreffen" der Szene angekündigt wurde – ein Anspruch, den so einige HR-Veranstaltungen für sich reklamieren und nicht immer halten – schaffte tatsächlich eine Atmosphäre des Austauschs und Ausgleichs.


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