"Natürlich beschäftigt KI gerade alle im Recruiting"
Haufe Online-Redaktion: Herr Metz, Sie waren bei der ersten Talentpro mit an Bord und sind nun wieder als Projektleiter zurückgekehrt. Wie kam es dazu?
Christoph Metz: Für mich war und ist die Talentpro mein Baby, auch wenn ich in der Coronazeit zu einem Dienstleister gewechselt bin, um andere Erfahrungen zu sammeln. Im Juli 2025 bin ich zum HRM Institute zurückgekommen. Als wir 2018 mit der ersten Veranstaltung begonnen haben, habe ich mich gleich in die Idee verliebt. Und ich finde es super, mich jetzt wieder mit den Recruiting-Themen zu beschäftigen. Auch wenn es schwierige Zeiten sind. Der Markt hat sich gedreht. Die Zahl der Bewerber ist angestiegen und die Nachfrage der Unternehmen nach Recruiting-Lösungen hat nachgelassen. Unsere Kunden, die Aussteller auf der Talentpro, haben gerade Schwierigkeiten, Umsätze zu generieren, und sind zurückhaltend bei Messebudgets. Gleichzeitig ist der Bedarf nach Austausch zu den Themen Recruiting und Talent Management enorm.
Spezialkongress Recruiting Tech Summit
Haufe Online-Redaktion: Dieser Bedarf nach Austausch wird wahrscheinlich durch neue technologische Entwicklungen und insbesondere durch KI getrieben?
Metz: Natürlich beschäftigt KI gerade alle: Was kann ich in meinem Unternehmen umsetzen? Was brauche ich dazu? Welche Erfahrungen gibt es? Weil das Thema so wichtig ist, veranstalten wir einen Spezialkongress – den Recruiting Tech Summit – zusätzlich zum Spezialkongress für den öffentlichen Dienst. Beim Recruiting Tech Summit am 18. Juni geht es um die neuesten Entwicklungen in Sachen Technologie, Automatisierung und KI. Es gibt Unternehmensbeispiele, Tools-Übersichten und Hinweise zu rechtlichen Risiken bei KI-Implementierung und -Einsatz. Es wird auch ein Blick auf die Bewerberseite geworfen: Wie geht man damit um, wenn die Stellensuchenden immer mehr KI nutzen?
Haufe Online-Redaktion: In den vergangenen Jahren wurde vor allem gezeigt, was beim KI-Einsatz im Recruiting möglich wäre. Sind die Tools inzwischen in der Praxis angekommen?
Metz: Genau auf solche Erfahrungen aus der Praxis gehen zahlreiche Programmpunkte ein. Dabei zeigt sich, dass viele Unternehmen KI-Tools nutzen, die in ihre bestehende Software integriert sind. Einige größere Unternehmen haben eigene Abteilungen für den KI-Einsatz. Es wird fleißig getestet, aber so richtig im Einsatz ist das alles nicht. Einzelne Prozessschritte sind automatisiert, aber bislang eher im kleinen Rahmen. Ein Beispiel ist das Kommentieren der Kununu-Bewertungen, für die Agenten entwickelt wurden. Doch die meisten Unternehmen, vor allem kleinere Firmen, haben gerade mal einen ChatGPT-Account und probieren aus, wie die KI ihnen dabei hilft, Mails besser zu formulieren. Es gibt meines Wissens keinen komplett digitalisierten, mit KI durchgeführten Prozess. Wir reden viel über einzelne Themen.
Recruiting für Weltraum-Einsätze
Haufe Online-Redaktion: Abgesehen von Technologie und KI: Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte auf den Content Stages?
Metz: Wir decken wie immer eine große Bandbreite an Themen ab. Dabei legen wir Wert darauf, Entscheider der großen Unternehmen einzubinden, weil sie die Vorreiter im Recruiting sind. Unter anderem haben wir die European Space Agency für einen Vortrag gewonnen. Die ESA gibt Einblicke, wie das Recruiting in einer solchen Organisation mit hoch spezialisierten Rollen und staatlichem Einfluss funktioniert. Ein weiterer Programmpunkt kommt von der Bundeswehr, die berichtet, mit welchen Maßnahmen sie bei der Personalgewinnung vorgeht – abseits von der jetzt eingeführten Musterung. Der Queb-Bundesverband wird ein Podium zu Skill-based Hiring veranstalten. Das Thema wird unter anderem von Bayer, Metro, Coca-Cola und Infineon diskutiert. Auch Miriam Ferrari von Deutsche Post DHL wird vor Ort sein und berichten, wie ihr Unternehmen das Recruiting strategisch neu ausrichtet. Und Stefanie Wild von Evonik beschäftigt sich mit der Frage, wie man global rekrutiert.
Haufe Online-Redaktion: Welche Themen erwarten die Besucherinnen und Besucher an den Messeständen?
Metz: Wie ich schon sagte, sind die Dienstleister zurückhaltend, weil sie ihre Budgets zusammenhalten müssen. Mit an Bord sind auf jeden Fall die großen Software-Anbieter, die auch integrierte KI-Tools haben, Bewerbermanagement-Tools und Matching-Plattformen, sowie Agenturen. Die Jobportale dagegen sind zurückhaltender, weil die meisten ihre Marketingstrategie anpassen. Der Markt ist komplett im Wandel. Wir erwarten für dieses Jahr rund 60 Aussteller. Im vergangenen Jahr waren es 80.
Stärken und Schwächen der Arbeitgebermarke ermitteln
Haufe Online-Redaktion: Als die Talentpro 2018 startete, war sie das erste Expofestival, das im Vergleich zu einer "normalen" Messe auch Musik- und Showeinlagen bot. Welche Extra-Programmpunkte wird es in diesem Jahr geben? Was ist neu?
Metz: Wir werden erstmals den Talentpro-Award verleihen, mit dem wir inspirierende Projekte in Recruiting, Employer Branding und Recruiting Tech auszeichnen. Außerdem besteht auf der Veranstaltung die Möglichkeit, den Talent Attractiveness Score ermitteln zu lassen. Wir arbeiten dafür mit dem Startup Aimance zusammen. Das hat ein KI-basiertes Tool entwickelt, mit dem Unternehmen ihre Stärken und Schwächen bei der Außenwirkung als Arbeitgeber ermitteln können. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, an Energy Breaks teilzunehmen – das sind virtuelle Kaffeepausen, für die ein Zufallsgenerator Menschen aus der Talentpro Community matcht. Auch die musikalische Untermalung und die Aftershow Party wird es wieder geben – mit Biergartenflair und einem Live-Auftritt der HR-Band "Monsters of Rec".
Haufe Online-Redaktion: Können Sie mehr zum Talentpro-Award erzählen?
Metz: Ausgezeichnet werden Leuchtturmprojekte in den Bereichen Recruiting, Employer Branding und Recruiting Tech. Wer ein solches Projekt aufweisen kann, konnte sich bis Anfang Apil bewerben. 15 Unternehmen sind unserem Aufruf gefolgt und haben ihre Bewerbung eingereicht. Das ist ein guter Start. Nun gilt es, die eingereichten Projekte anhand der grundlegenden Kriterien Originalität, Ressourceneinsatz, Außenwirkung und Innenwirkung zu bewerten. Die Jury, die sich aus Dienstleistern, Influencern und Recruiting-Experten zusammensetzt, erstellt bis Anfang Mai eine Shortlist und legt bis zur Talentpro die Gewinnerinnen und Gewinner fest. Diese werden am 17. Juni ab 16.50 Uhr auf der Innovation Stage jeweils kurz vorgestellt und prämiert.
Die Rollen im Recruiting werden sich ändern
Haufe Online-Redaktion: Was sind Ihre Eindrücke mit Blick auf die diesjährigen Themenschwerpunkte der Veranstaltung: Wohin geht die Reise im Recruiting?
Metz: Spannend ist die Frage, welche neue Rollen entstehen und welche Tätigkeiten verschwinden werden. Es ist fraglich, ob es den Recruiter, der Stellenanzeigen textet und irgendwo hinschickt oder einzelne Leute anschreibt, in Zukunft noch geben wird. Interessant sind auch die Entwicklungen auf dem Anbietermarkt. Viele junge oder kleinere Softwareunternehmen werden aufgekauft, Lösungen und Tools werden zusammengeführt. Es wird interessant sein, wohin sich die Software und vernetzte Lösungen hin entwickeln. Gleichzeitig entstehen jeden Tag neue Anbieter. Wir wissen heute noch nicht, welche Tools morgen am Markt sein werden. Der Markt ist sehr dynamisch. Unser Anliegen ist, die Lösungen zu zeigen und die Produkte zugänglich zu machen – Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. Auf Recruiterseite gibt es Austauschbedarf ohne Ende, gleichzeitig sind die Dienstleister zurückhaltender bei den Möglichkeiten, wo sie sich präsentieren können.
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