Wenn Chat GPT die Bewerbung schreibt
Chat GPT als Ghostwriter für das Anschreiben, Kickresume für den automatisch generierten Lebenslauf und Deepl für die englischsprachige Bewerbung – das ist heute Realität im Bewerbungsprozess. Das bestätigt eine Umfrage von Statista aus dem Januar 2026 unter 500 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die sich in den vergangenen 24 Monaten tatsächlich auf mindestens eine Stelle beworben haben.
Bei mehr als der Hälfte der Befragten aus Deutschland (58 Prozent) kam Künstliche Intelligenz (KI) bei der Bewerbung zum Einsatz – nahezu unabhängig davon, ob es sich um einen Bürojob oder eine körperlich-praktische Arbeit handelt. Vor allem die jüngeren Jobsuchenden setzen KI für die Bewerbung ein, bei den vor 1980 geborenen sind es immerhin noch 47 Prozent. Männer sind etwas KI-affiner (62 Prozent) als Frauen (54 Prozent).
Gründe für den KI-Einsatz bei Bewerbungen
Ein wichtiger Grund für den Einsatz von KI im Bewerbungsprozess ist laut der Befragung die Schnelligkeit: 39 Prozent der Befragten hoffen, so Zeit zu sparen. Ähnlich viele (38 Prozent) glauben, dass KI dabei hilft, ihre Bewerbung stärker auf die jeweilige Stelle zuzuschneiden. Ein Drittel ist der Ansicht, dass Chat GPT und Co. die eigenen Chancen im Bewerbungsprozess verbessert. 32 Prozent nutzen die KI, weil sie unsicher sind, wie man heute eine "moderne" Bewerbung schreibt. Und 31 Prozent setzen KI-Tools ein, um eigene Schwächen auszugleichen, zum Beispiel bei der Gestaltung der Bewerbungsunterlagen.
Wo die KI bei der Bewerbung unterstützt
Die Umfrage zeigt auch, wofür KI eingesetzt wird. An erster Stelle steht das Anschreiben, das mithilfe der KI automatisch erstellt oder optimiert wird (51 Prozent). Ein häufiger Einsatzzweck ist auch das automatische Schreiben beziehungsweise Gestalten des Lebenslaufs (39 Prozent). Beim Verfassen von E-Mails an potenzielle Arbeitgeber hilft die KI in 29 Prozent der Fälle und bei der Suche nach oder Filtern von Stellenanzeigen in 28 Prozent. Immerhin noch 20 Prozent der Befragten setzen eine KI ein, wenn sie sich auf Assessments, Online-Tests oder Jobinterviews vorbereiten.
Die KI-Nutzung bei Bewerbungen wird verschwiegen
Auch wenn der KI-Einsatz im Bewerbungsprozess mittlerweile weit verbreitet ist, sind viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland der Meinung, dass dieser möglichst unerkannt bleiben sollte. Denn sie sind sich unklar darüber, wie Arbeitgeber dazu stehen. Dass Unternehmen den KI-Einsatz durch Stellensuchende befürwortet, glauben nur wenige (32 Prozent). 60 Prozent der Befragten sagen deshalb: "Als Bewerberin oder Bewerber muss man KI im Bewerbungsprozess möglichst so einsetzen, dass sie nicht als solche erkennbar ist".
Gleichzeitig steht die Hälfte der Befragten dem KI-Einsatz und dem damit verbundenen Nutzen eher kritisch gegenüber. Sie sind der Meinung, dass KI dazu führt, dass Bewerbungen ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Fähigkeiten vermitteln. Andererseits sagen 41 Prozent, dass Bewerberinnen und Bewerber, die im Bewerbungsprozess keine KI nutzen, in Zukunft schlechtere Chancen gegenüber anderen Bewerbern hätten.
KI-Einsatz durch Arbeitgeber stößt auf Skepsis
Nicht nur bei Bewerberinnen und Bewerbern ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz weit verbreitet. Auch viele Unternehmen haben KI-Tools installiert, etwa um automatisierte Antworten auf eingehende E-Mails zu versenden oder um Anschreiben und Lebensläufe zu analysieren. Das erzeugt auf der Arbeitnehmerseite gemischte Gefühle, wie ein Blick in die Statista-Analysen zeigt. 24 Prozent der Beschäftigten in Deutschland fühlen sich damit eher oder sehr unwohl. Auf der anderen Seite sagen 44 Prozent, dass sie sich mit dem KI-Einsatz in Bewerbungsverfahren durch potenzielle Arbeitgeber eher oder sehr wohl fühlen. 32 Prozent haben dazu keine Meinung.
Ein häufig genannter Grund für die Skepsis auf Arbeitnehmerseite ist, dass der persönliche menschliche Kontakt zum Unternehmen verloren gehen und die Bewerbung nur automatisiert bearbeitet werden könnte – diese Befürchtung äußern 65 Prozent der Befragten. 55 Prozent befürchten, dass Fehlentscheidungen durch falsche Bewertung im KI-System eventuell nicht korrigiert werden. Und 46 Prozent haben Angst, dass die KI Bewerbungen vorsortieren könnte und die eigenen Unterlagen dadurch nie von einer Recruiterin oder einem Recruiter gelesen werden.
Stellensuchende in den USA sind KI-affiner
Die Untersuchung fand nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA statt – und hier gab es ein deutlich KI-freundlicheres Bild. 71 Prozent der US-Befragten fühlen sich eher oder sehr wohl, wenn Arbeitgeber KI-Tools in Bewerbungsverfahren nutzen. Insgesamt haben 70 Prozent der Stellensuchenden aus den USA Künstliche Intelligenz bei ihren Bewerbungen eingesetzt. Und über die Hälfte ist der Meinung, dass Unternehmen den KI-Einsatz durch Bewerberinnen und Bewerber befürworten. Dennoch sagen fast genauso viele Befragte aus den USA wie aus Deutschland (61 Prozent beziehungsweise 60 Prozent), dass KI im Bewerbungsprozess möglichst so eingesetzt werden sollte, dass sie nicht als solche erkennbar ist.
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