Digitalisierung

Studie zu Niedersachsens Kommunen: Technik nicht das vorrangige Problem bei Digitalisierung

Ein dreijähriges Projekt hat 250 niedersächsische Kommunen bei der Digitalisierung begleitet. Der Abschlussbericht der Studie „Digitale Kommune Niedersachsen“ wurde Ende August 2026 vorgestellt. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die größten Herausforderungen liegen nicht in erster Linie in der technischen Umsetzung, sondern vielmehr in der Organisation sowie zu knappen finanziellen und personellen Ressourcen.

Niedersachsen Flagge

Wie Kommunen ihre Verwaltung trotz wachsender Aufgaben, demografischem Wandel und knapper Ressourcen zukunftsfähig aufstellen können, untersuchte das Forschungsprojekt „Digitale Kommune Niedersachsen“, das vom Land Niedersachsen und dem IT-Dienstleister Dataport durchgeführt wurde. Der Abschlussbericht des Projekts wurde Ende August 2026 vorgestellt. Die für die Studie erhobenen Daten stammten dabei aus zwei Quellen: einer strukturierten „Reifegraderhebung“ in den teilnehmenden 250 Kommunen sowie einer abschließenden Feedbackumfrage. Bei der Befragung wurden zwischen 2023 und 2026 über 1.000 kommunale Verantwortliche und Beschäftigte interviewt, die im Rahmen von Selbstauskünften den aktuellen Stand der digitalen Transformation in ihren Städten und Gemeinden bewerteten. In jeder Kommune wurden vier bis fünf Personen befragt. 

Ziele der Studie zur digitalen Transformation der kommunalen Verwaltungen

Hauptziel war es, aus der Analyse der Antworten der Befragten konkrete und praktisch umsetzbare Handlungsempfehlungen für das Land und die Kommunen abzuleiten, um die digitale Transformation der kommunalen Verwaltungen gezielter als bislang voranzutreiben. Dazu mussten die Studienmacher erst einmal den aktuellen Ist-Zustand kennen (Reifegraderhebungen). Besondere Aufmerksamkeit wurde dabei den strukturellen Hürden und Barrieren geschenkt, die eine schnelle Digitalisierung erschweren könnten. Aus den ermittelten Daten sollten dann Handlungsempfehlungen abgleitet werden, beispielsweise wie Ressourcen künftig effizienter gebündelt werden können und wie das Land die Kommunen beispielsweise durch zentrale Dienste oder einheitliche Standards besser unterstützen kann. Insgesamt wurden sechs Handlungsfelder betrachtet, von „Strategie und Führung“ bis zu „IT-Sicherheit und Datenschutz“. 

Ergebnisse der Studie

Die 1.000 Befragten bewerten den digitalen Fortschritt ihrer Kommune auf einer Skala von 0 (kein Ansatz vorhanden) bis 4 (vollständig implementiert). Dabei wurde die technische Ausstattung insgesamt recht gut bewertet, die Hardware sogar mit 2,90 Punkten und die Software mit immerhin noch 2,75 Punkten. Sehr viel anders sah es bei der Bewertung der „organisatorischen Kernbereiche“ aus. Das Prozessmanagement schnitt mit lediglich 1,14 Punkten besonders schlecht ab. Die organisatorischen Strukturen (1,78 Punkte) sowie die eigenen Digitalstrategien (1,70 Punkte) zeigten ebenfalls deutliche Defizite. Insgesamt kamen die Studienmacher zu dem Schluss: Die Technik selbst wird kaum noch als Problem wahrgenommen, nur 3,45 Prozent sahen hier den primären Engpass. Stattdessen bremsen andere Faktoren die Kommunen aus: Personalmangel wurde von 56,9 Prozent der Befragten angegeben, die Beschränktheit von finanziellen Mitteln von 50 Prozent.

Vier zentrale Handlungsempfehlungen zur Digitalisierung

Die Autoren der Studie leiten aus den Daten die Forderung nach einem engeren „Schulterschluss zwischen Land und Kommunen“ ab. Die Landesregierung müsste dabei die Städte, Kreise und Gemeinden vor allem in Schlüsselbereichen noch effektiver unterstützen. Hierfür identifizierten sie vier Handlungsfelder, um die kommunalen Verwaltungen trotz des Ressourcenmangels handlungsfähig zu halten und die Digitalisierung anzutreiben:

Standards setzen: Es müssen verbindliche und landesweite Architektur- und Standardisierungsvorgaben eingeführt werden. 

Zentrale Dienste ausbauen: Das Land sollte zentrale Serviceangebote („Shared Services“) bereitstellen, um die Kommunen zu entlasten. 

Ende-zu-Ende-Digitalisierung: Online-Dienste müssen medienbruchfrei direkt an die kommunalen Fachverfahren angebunden werden, damit Anträge ohne manuelles Ausdrucken oder Übertragen digital bearbeitet werden können. 

Qualifizierungsoffensive: Es sollten landesweite Schulungen für Projekt- und Prozessmanagement sowie zum Aufbau von KI-Kompetenzen umgesetzt werden.

 

Die gesamte Studie kann hier heruntergeladen werden.

 


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