KI-Agenten in der öffentlichen Verwaltung

Agentic Al Hub-Pilotprojekt des Bundes: Nun beginnt der „Rollout“ in die Fläche

Der Agentic Al Hub des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) soll als virtueller Maschinenraum für die Einführung autonomer KI-Agenten in der öffentlichen Verwaltung fungieren. In einer ersten Testphase 2026 wurden insgesamt 20 Pilotprojekte in 19 deutschen Kommunen mit agentischer Künstlicher Intelligenz erprobt. Ab Ende September sollen in einer zweiten Phase die KI-Lösungen auf weitere Kommunen übertragen werden. 

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Der Agentic Al Hub ist eine virtuelle Plattform der deutschen Bundesregierung, die Kommunen und KI-Start-ups vernetzt, um autonome KI-Systeme in der Verwaltung zu testen. Initiiert wurde das Projekt vom Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) gemeinsam mit dem Digital Service, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft des Bundes mit spezieller Zuständigkeit für die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltungen.

Ziele von Agentic Al Hub

Unter agentischer Künstliche Intelligenz (KI) versteht man KI, die eigenständig mehrstufige Aufgaben planen, Werkzeuge nutzen, Zwischenschritte bewerten und komplexe Abläufe ausführen kann. In der öffentlichen Verwaltung soll sie vor allem dabei helfen, Bürokratie abzubauen, indem sie Anträge prüft, Dokumente analysiert und Sachentscheidungen vorbereitet. Damit soll gleichzeitig das Problem des Fachkräftemangels verringert und einheitliche Lösungen für möglichst viele Städte und Gemeinden geschaffen werden. Schließlich wird durch die Entwicklung der Plattformen auch die heimische Tech-Branche gefördert, denn das Ministerium hat ausschließlich deutsche Start-up-Unternehmen wie summa.ai, lector.ai oder Myosotis im Rahmen der zwei Pilotierungsphasen für die technische Planung und Umsetzung beauftragt.

Erste Pilotierungsphase

In der ersten Pilotierungsphase, die von März bis Juni 2026 dauerte, wurden die KI-Lösungen im Rahmen von 20 Pilotprojekten in 19 Kommunen mit Produkten von 9 Start-ups umgesetzt (siehe Überblick unten). Zu den am Projekt beteiligten Pilotkommunen gehörten unter anderem München (Beschleunigung von Einbürgerungsverfahren), Nürnberg, (Optimierung der Stammdaten-Qualität im Forderungsmanagement) sowie Frankfurt am Main (automatisierten Prüfung für Wohnberechtigungsscheine). Die entwickelten agentischen KI-Lösungen sollten so konzipiert sein, dass sie nicht nur lokal funktionieren, sondern schnell, einfach und unkompliziert auf andere Kommunen übertragen werden können. Es zeigt sich bereits in dieser Pilotphase, dass die Durchlaufzeiten für komplexe Anträge um mehr als 90 Prozent sanken – in Einzelfällen um bis zu 28 Arbeitsstunden pro Vorgang. 95 Prozent der beteiligten Verwaltungen bewerteten den Einsatz positiv und stuften rund 50 Prozent der entwickelten Lösungen als direkt übertragbar auf den Einsatz in anderen Kommunen ein.

Zweite Implementierungsphase

Die zweite Implementierungsphase läuft vom 7. September bis zum 30. November 2026, nachdem die Bewerbungs- und Matching-Runden im August abgeschlossen wurden. Oberstes Ziel dabei ist es, den Hub vom Pilotstatus in den Regelbetrieb zu überführen. Die Erkenntnisse der ersten Pilotierungsphase fließen direkt ein, um die Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Start-ups möglichst noch reibungsloser zu gestalten. Erneuter Fokus bei den von der KI zu behandelnden Aufgaben liegt auf der Vereinfachung bislang aufwendiger Prozesse und administrativer Routinen, beispielsweise in der automatisierten Antragsprüfung oder Dokumentenanalyse. Die 19 Pilotkommunen der ersten Phase sollen währenddessen dabei unterstützt werden, die direkte Anschlussbeauftragung der für sie zuständig gewesenen Startups umsetzen zu können. Darüber hinaus soll ein algorithmischer Datenschutz-Prüfassistent konzipiert werden.

Alle Pilotprojekte im Überblick – Start-ups und Kommunen

forml (Frankfurt, Düsseldorf): Automatisiert die Vorprüfung von Wohnberechtigungsscheinen und validiert Dokumente medienbruchfrei zur Entlastung der Sachbearbeitung.

Celonis (Nürnberg, München): Nutzt Process Mining, um Abläufe im Forderungsmanagement (Nürnberg) datenbasiert zu optimieren und Einbürgerungsverfahren (München) durch Prozessintelligenz zu beschleunigen.

Summ.ai (Rostock, Waiblingen, Nettetal, Metzingen, Schwerin, Elbe-Elster, Flensburg): Modelliert Verwaltungsprozesse in Echtzeit nach BPMN 2.0-Standard via Sprachaufnahme, um Optimierungspotenziale ohne externe Beratung zu identifizieren.

Leistungslotse (Nettetal): Ermöglicht die Ende-zu-Ende-Digitalisierung von Wohngeldanträgen und schafft die Basis für agentische Vollständigkeitsprüfungen.

Myosotis GmbH/formfix (Köln, Heinsberg, Berlin Steglitz-Zehlendorf, Berlin Marzahn-Hellersdorf): Führt intuitiv durch den Antrag zur „Hilfe zur Pflege“, bereitet Daten verwaltungslogisch auf und verkürzt Bearbeitungszeiten. Partner: Diakonie Michaelshoven, Heinrichs Gruppe, Johanniter und Kursana.

deepset (Borken): Implementiert eine technologie-agnostische KI-Orchestrierungsschicht (Haystack), um die Skalierbarkeit und digitale Souveränität von KI-Anwendungen zu sichern.

lector.ai (Neckar-Odenwald): Automatisiert die Posteingangssortierung (E-Mail, beBPo) mittels Vision-LLMs und pilotiert einen DSGVO-Löschassistenten.

Tucan Systeme & Speechmind (Bielefeld): Erproben die automatisierte, datenschutzkonforme Protokollierung interner und externer Sitzungen zur Entlastung von Fachkräften.

Weitere Informationen finden Sie hier .


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