Mietspiegel 2019: Hamburger Wohnungsmieten steigen langsamer

Um durchschnittlich 2,6 Prozent sind die Nettokaltmieten für Hamburger Wohnungen in den vergangenen zwei Jahren gestiegen, wie der aktuelle Mietspiegel zeigt. Damit hat sich die Teuerungsrate gegenüber der letzten Erhebung 2017 halbiert. Was wie eine gute Nachricht klingt, hat aber auch Haken.

Wie aus dem am 26.11.2019 von Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) vorgelegten neuen Mietspiegel – Hamburger Mietenspiegel 2019 (inklusive interaktiver Karte) – hervorgeht, hat sich die durchschnittliche Nettokaltmiete zwischen dem Stichtag 1.4.2017 und dem 1.4.2019 um 22 Cent auf 8,66 Euro pro Quadratmeter verteuert, also um 2,6 Prozent. Der Mietenspiegel 2017 wies im Vergleich zu 2015 noch ein Plus von 5,2 Prozent aus.

"Der Preistrend setzt sich abgeschwächt fort und liegt unterhalb der Entwicklung des Verbraucherpreisindex", sagte Stapelfeldt bei Vorstellung des Zahlenwerks, das sich auf Daten des Forschungs- und Beratungsunternehmens F+B stützt. Der SPD-Politikerin zufolge liegt der Preisanstieg bei den Hamburger Mieten damit unter dem Anstieg der allgemeinen Preisentwicklung von 3,3 Prozent.

Erfasst wurden die sogenannten "ortsüblichen Vergleichsmieten" von knapp 550.000 der zirka 956.000 Mietwohnungen in Hamburg, die innerhalb der vergangenen vier Jahre erhöht oder neu vereinbart worden sind. Mit der Mietspiegel-Reform soll dieser Betrachtungszeitraum auf sechs Jahre erhöht werden. Nicht erfasst wurden Sozialwohnungen, Ein- und Zweifamilienhäuser und selbstgenutztes Wohneigentum.

Stapelfeldt: "Ambitioniertes Neubauprogramm" Grund für Halbierung des Mietpreisanstiegs

Verglichen mit der Preisentwicklung in anderen Großstädten wie Berlin, München und Stuttgart stehe Hamburg gut da, betonte die Stadtentwicklungssenatorin. Im Vergleich mit anderen deutschen Großstädten lägen die Hamburger Mietpreise im Mittelfeld.

So sind etwa die Münchner Mieten mit 11,69 Euro im Schnitt rund drei Euro pro Quadratmeter teurer als in der Hansestadt; das bedeutet einen Anstieg von 4,1 Prozent im Zweijahresvergleich. Berlin liegt zwar noch 1,90 Euro unter den Hamburger Mieten, dafür geht der Trend aufwärts, wie auch der Berliner Mietspiegel 2019 zeigt. 2017 und 2018 stiegen die Mieten in der Hauptstadt um jeweils 2,5 Prozent auf aktuell 6,72 Euro pro Quadratmeter im Schnitt. Auch Frankfurt (9,36 Euro; plus 61 Prozent) und Stuttgart (9,60 Euro; plus 7,3 Prozent) sind mittlerweile teurer als Hamburg.

Gründe für die Halbierung des Preisanstiegs in Hamburg sieht Senatorin Stapelfeldt im "ambitionierten Neubauprogramm" des rot-rot-grünen Senats; hinzu komme der konsequente Schutz des Wohnungsbestandes. FDP-Stadtentwicklungsexperte Jens Meyer betonte, der Senat müsse seine Anstrengungen beim Neubau aufrechterhalten. "Die Botschaft des Mietspiegels kann deshalb nur lauten: Weiter so!", kommentierte der Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen, Andreas Breitner, die Entwicklung: Es zeige sich, dass der Wohnungsbau Früchte trage.

Eine Studie des Berliner Stadtforschers Andrej Holm wiederum kommt zu dem Ergebnis, dass Mietpreisbremse und Neubau "kaum einen Beitrag zur sozialen Wohnraumversorgung" leisten können. Um den Anstieg von Mieten in bestehenden Mietverhältnissen zu bremsen, wurde 2013 in Hamburg bereits die Kappungsgrenze für Mieterhöhungen gesenkt. Diese Möglichkeit wurde mit der Mietrechtsänderung 2013 eingeführt.

Und tatsächlich: Mehr günstige Wohnungen gibt es in Hamburg nicht. Die Zahl der Mietwohnungen, die weniger als 6,60 Euro kalt pro Quadratmeter kosten, haben wie schon 2017 einen Anteil von weniger als 25 Prozent. Insgesamt liegen nach Behördenangaben rund 56 Prozent aller Mieten unterhalb einer Schwelle von 7,50 Euro pro Quadratmeter. Knapp 70 Prozent des mietenspiegelrelevanten Hamburger Wohnungsbestands wiesen Mieten unter 8,50 Euro pro Quadratmeter auf.

Mietpreisentwicklung: Signifikante Differenz zwischen den Wohnlagen

Eine überdurchschnittliche Preisentwicklung hat es in den vergangenen zwei Jahren den Hamburger Behörden zufolge vor allem für Altbaubestände (Baualtersklasse bis 1948) in guten Wohnlagen gegeben. In jüngeren Wohnungen (Baualtersklasse ab 1978) in normalen Wohnlagen sei die durchschnittliche Nettokaltmiete teilweise sogar gesunken.

Hier setzt die Kritik des stadtentwicklungspolitischen Sprechers der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Jörg Hamann, an: "Der vermeintlich moderatere Anstieg der Hamburger Mieten täuscht erheblich", sagte er nach Veröffentlichung des Mietenspiegels 2019. Es handle sich um eine Fortschreibung des alten Mietenspiegels. Diese falle zu positiv aus. Leidtragende der rot-grünen Wohnungspolitik seien insbesondere Normalverdiener, die keinen Anspruch auf Sozialwohnungen hätten.

Aufgrund der sowieso schon hohen Mieten in Hamburg sei auch eine vergleichsweise moderate Steigerung "für Menschen mit mittlerem oder geringem Einkommen absolut nicht beruhigend", sagte die Expertin der Linksfraktion, Heike Sudmann. Von 2011 bis 2019 seien die Mieten in Hamburg um 21,1 Prozent gestiegen, während die Inflation in diesem Zeitraum nur 13,1 Prozent betrug. Die Linke fordert deshalb einen Mietendeckel nach Berliner Vorbild auch für Hamburg.


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Schlagworte zum Thema:  Mieterhöhung, Vergleichsmiete, Mietrecht