Studie: Betreutes Wohnen bietet Potenzial für Investoren

94 Prozent der deutschen Kommunen sind unterversorgt mit betreuten Wohnungen für Senioren. Für Anleger bieten sich hier große Chancen. Das Investitionspotenzial liegt bei 64 Milliarden Euro (350.000 Wohnungen), wie eine Studie der Terragon AG zeigt.

Laut der aktuellen Studie "Versorgungssituation der 30 größten deutschen Städte mit Betreuten Wohnungen" des Projektentwicklers Terragon besteht in diesem Segment zurzeit ein Bedarf an 550.000 zusätzlichen Wohneinheiten.

"Die Mehrheit der Menschen will in der eigenen Wohnung bis ins Alter gepflegt werden. Und Millionen von Senioren können sich Servicewohnen auch leisten." Dr. Michael Held, Vorstandschef der Terragon AG

Mieten von 2.500 Euro für 20 Prozent der Seniorenhaushalte machbar

Zusätzlich hat Terragon mithilfe des Forschungsinstituts Empirica die Höhe der Mieten untersucht, die für Seniorenhaushalte in Frage kommen.

Demnach können rund 20 Prozent der befragten Seniorenhaushalte ein monatliches Gesamtentgelt (Miete, Nebenkosten und Servicepauschale) von 2.500 Euro finanzieren. Dabei wurde vorausgesetzt, dass die Haushalte bereit sind, 50 Prozent ihres monatlichen Budgets für die Miete auszugeben.

"Unsere Untersuchung zeigt, dass Haushalte der Altersklasse 70 Jahre und älter in erheblichen Teilen durchaus finanzkräftig sind, insbesondere, da häufig neben dem laufenden Einkommen auch Geld- und Immobilienvermögen zur Verfügung stehen." Dr. Walter Zorn, Head of Research der Terragon

Betrachtet man eine Miet- und Servicebelastung von 1.000 Euro pro Monat, dann weisen vor allem Seniorenhaushalte in den Landkreisen Starnberg (83 Prozent) und München (80 Prozent) eine entsprechende Zahlungsfähigkeit auf. "Wer aber hat in diesem Zusammenhang beispielsweise Aachen (85 Prozent) als einen der Spitzenreiter auf dem Schirm?", fragt Zorn.

Servicewohnen: populärste alternative Wohnform für Senioren

Rund 90 Prozent der befragten 61- bis 70-Jährigen gaben an, alleine oder mit dem Partner in den eigenen vier Wänden alt werden zu wollen. Rund 60 Prozent sagten, sie wünschten sich Wohnungen mit einem zusätzlichen Serviceangebot. Auch bei den 71- bis 75-Jährigen ist Servicewohnen die populärste alternative Wohnform. Dabei handelt es sich um barrierefreies Wohnen mit Grund- und Wahlservice. 

65 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass eine neue, altersgerechte Wohnung kleiner ausfallen wird.

Wo in Deutschland besonders hohes Investitionspotenzial besteht

Die Marktanalyse von Terragon zeigt außerdem, wo auf Grundlage der tatsächlich vorhandenen betreuten Wohnanlagen im Bundesgebiet besonders hohes Investitionspotenzial besteht. Untersucht haben die Studienautoren die 30 größten Städte in Deutschland.

Frankfurt am Main und Leipzig sind laut Studie im Segment Servicewohnen am besten versorgt. In Mönchengladbach hingegen kristallisiert sich mit 0,5 Prozent das niedrigste Angebot heraus: Nur eine einzige Wohnung steht für 200 Senioren zur Verfügung.

Die Top-5-Städte bei betreutem Wohnen je 100 Einwohner (über 65 Jahre)

  1. Frankfurt am Main (7,7 Prozent)
  2. Leipzig (7,6 Prozent)
  3. Stuttgart (5,1 Prozent)
  4. Hamburg (4,8 Prozent)
  5. Hannover (4,6 Prozent)

Berlin liegt mit 3,6 Prozent auf dem zwölften Platz. Duisburg (0,9 Prozent), Gelsenkirchen (0,7 Prozent) und Mönchengladbach (0,5 Prozent) rangieren auf den letzten Plätzen. Die durchschnittliche Versorgung mit betreutem Wohnen in den Top-30-Städten liegt bei 3,3 Prozent.

Geringer Versorgungsgrad in kleinen Gemeinden

In Gemeinden mit mehr als 500.000 Einwohnern ist die Versorgungslage mit einem Anteil von rund vier betreuten Wohneinrichtungen pro 100 Senioren im Alter von über 65 Jahren mit Abstand am besten.

In Gemeinden mit weniger als 20.000 Einwohnern sinkt der Versorgungsgrad auf knapp 1,3 Prozent. Es gibt jedoch auch Ausnahmen, denn zu der Gemeindeklasse mit unter 20.000 Einwohnern gehören sowohl die best- als auch die schlechtversorgtesten Gemeinden und Städte in Deutschland.

Angebot: kleinteilig und differenziert

Der Studie zufolge dominieren kleine Einrichtungen mit weniger als 30 Wohnungen. Sie können nur einen eingeschränkten Service bieten: Rund 50 Prozent der insgesamt erfassten 7.000 Einrichtungen fallen in diese Größenordnung. Weitere 36 Prozent der Einrichtungen bleiben unter der Grenze von 80 Wohneinheiten.

"Wohnortnah finden nur sehr wenige der Senioren überhaupt ein Angebot. Vor allem kein differenziertes Angebot, das den eigenen Vorstellungen und finanziellen Möglichkeiten entspricht." Dr. Walter Zorn, Head of Research der Terragon

Vier-Sterne-Segment: Investitionspotenzial von rund 33 Milliarden Euro

Zum anderen bestimmt die bedürfnisgerechte Inanspruchnahme (Konversionsrate) das Investmentpotenzial. Im Standardfall geht Terragon von etwa fünf Prozent der finanzierungsfähigen Haushalte über 70 Jahre aus.

Für Vier-Sterne-Angebote in der Preisklasse von 1.800 Euro pro Monat (Kaltmiete, Nebenkosten und Servicepauschale) ergebe sich bei einem Finanzierungspotenzial von rund zwei Millionen Haushalten und der Konversionsrate von fünf Prozent (1:20) ein Realisierungspotenzial von 100.000 Servicewohnungen beziehungsweise ein Investitionspotenzial von rund 33 Milliarden Euro, heißt es in der Studie.

Laut Terragon kommt noch ein Potenzial von 18 Milliarden Euro für Servicewohnungen in der Preisklasse von etwa 900 Euro pro Monat hinzu, das von rund 100.000 Haushalten selbst finanziert werden kann, sowie 150.000 betreute Wohnungen (13,5 Milliarden Euro) in Basis-Qualität (Preisklasse 600 Euro pro Monat). Insgesamt deute sich so ein von den Haushalten über 70 Jahre vollständig eigenfinanzierbares Investitionspotenzial von 350.000 Wohnungen (64 Milliarden Euro) an.


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Schlagworte zum Thema:  Betreutes Wohnen, Investment