"Grüne" Klauseln in Mietverträgen bald Branchenstandard

"Grüne Mietverträge" oder auch "Green Leases" gelten unter Investoren als zentral für das Nachhaltigkeitsmanagement von Immobilien. Solche Klauseln könnten sich schon vor 2030 in der Branche etabliert haben, meint Savills IM mit Blick auf eine aktuelle Umfrage.

Während für die meisten institutionellen Investoren (64 Prozent) ökologische, soziale und Governance-Faktoren (ESG) bereits heute bei der Auswahl von Immobilienanlagen und beim Immobilienmanagement eine wichtige Rolle spielen, kann die Ausgestaltung von Mietverträgen für umweltfreundliche Gebäude, sogenannte "Green Leases", nicht mithalten. Gerade beim ESG-Kriterium Governance geht es aber um die Frage, ob grüne Mietverträge abgeschlossen werden.

"Green Leases" auf dem Weg zum Standard

Savills Investment Management (IM) hat institutionelle Investoren zum Thema ESG und dem Status Quo von "Green Leases" befragt. Die große Mehrheit (73 Prozent) der Anleger erwartet, dass "grüne" Mietvertragsklauseln in der Immobilienbranche noch vor Ende 2030 als Branchenstandard etabliert sein werden – mehr als ein Drittel (35 Prozent) rechnet sogar bis 2024 damit, wie der Nachhaltigkeitsbericht von Savills IM zeigt.

Sie halten "Grüne Klauseln" in Mietverträgen für eine effektive Methode, um Immobilieninvestments und die Mietnutzung nachhaltig zu gestalten. In der Regel verpflichten sie die Eigentümer und Mieter eines Gebäudes dazu, bestimmte Umweltstandards während der Nutzung einzuhalten sowie Emissions- und Verbrauchsdaten auszutauschen. Diese Daten bilden die Basis, um konkrete Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs und des CO2-Ausstoßes eines Objekts entwickeln zu können.

"Der Zeitpunkt, wenn grüne Mietverträge zum allgemeinen Standard werden, wird ein Wendepunkt für die Immobilienbranche", meint Gerhard Lehner, Managing Director bei Savills IM. Als Maßnahme zur Bekämpfung der globalen Erwärmung, seien "Grüne Mietverträge" eine zentrale Stellschraube, die als Instrument obligatorisch werden dürfte – "nicht zuletzt, da Immobilien 70 Prozent der in den Industrieländern erzeugten elektrischen Energie verbrauchen und für 40 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich sind", so Lehner.

Nachhaltig investierte Immobilienportfolios: nicht länger nur ein "nice to have"

Zwei von drei institutionellen Investoren (67 Prozent) bewerten es in der Umfrage zudem als wichtig, dass automatische Zählerablesungen und Sensoren zur Bewertung der Nachhaltigkeit von Gebäuden eingesetzt werden, damit Asset Manager energieeffizientere und technologisch intelligentere Gebäude bereitstellen können – smarte Gebäude wiederum werden auch von Mietern zunehmend nachgefragt.

"Verantwortungsvoll und nachhaltig investierte Immobilienportfolios sind nicht länger nur ein "nice to have". Von Investment Managern werden zunehmend vollständige Transparenz hinsichtlich ihrer ESG-Ziele sowie konkrete Maßnahmen erwartet, wie positive soziale und ökologische Fortschritte erreicht werden können", erklärt Rena Knöpke, Managing Director und Head of Business Development Deutschland, Österreich und Schweiz bei Savills IM.

ESG kann demnach nicht mehr getrennt von Investments, Reputation und Geschäftsrisiken betrachtet werden. Savills IM zufolge wird es immer wichtiger, dass ESG als fester Bestandteil in die Risikomanagement-Richtlinien und -Prozesse integriert wird. Mittel- bis langfristig werden Immobilien sonst wegen überdurchschnittlich hoher Energieverbräuche hohe Nebenkosten produzieren – das wiederum führt zu Renditeabschlägen und niedrigeren Mieterträgen.


Nachhaltigkeitsreport "Annual Sustainability Report"


Das könnte Sie auch interessieren:  

Neue EU-Spielregeln: So wird ein Investment "grün"

ESG-Scoringmodell soll Nachhaltigkeit von Immobilien messen

Nachhaltigkeit wird zur Existenzfrage: "GretaTech" kommt

Green Bonds: Nachhaltige Fonds werden beliebter bei Anlegern