Studie: Bis 2030 fehlen drei Millionen Senioren-Wohnungen

Bis zum Jahr 2030 müssten drei Millionen altersgerechte Wohnungen neu oder umgebaut werden. Ab 2035 werde Deutschland "richtig alt" und im Alter zunehmend ärmer, heißt es in der Studie des Pestel-Instituts.

Vor allem bezahlbarer Wohnraum wird knapp, nicht nur für Senioren. Dabei geht es in den Städten eng zu: Jeder neunte Einwohner dort lebe in einer überbelegten Wohnung, teilte das Statistische Bundesamt mit. Das heißt, der Haushalt verfügte über zu wenige Zimmer im Verhältnis zur Personenzahl. Die Quote der überbelegten Wohnungen durch "armutsgefährdete Personen" lag demnach in Deutschland im untersuchten Jahr 2017 bei sieben Prozent. Besonders von Überbelegung betroffen waren Alleinerziehende (19 Prozent).

Im europäischen Vergleich ist der Wohnraummangel in Deutschland noch relativ gering. In Polen, Ungarn, Lettland, Bulgarien und Rumänien leben jeweils über 40 Prozent der Bevölkerung in einer überbelegten Wohnung. Der EU-Durchschnitt lag laut Statistischem Bundesamt bei 16 Prozent.

Dennoch kann die Überbelegung auch in Deutschland zum Problem werden:

"Wenn die geburtenstarken Jahrgänge in den kommenden Jahren in Rente gehen, steuert Deutschland auf eine 'graue Wohnungsnot' zu." Matthias Günther, Pestel-Institut

Jedem vierten Rentner droht die Altersarmut

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Anteil an Senioren, die für ihren Lebensunterhalt auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, in den kommenden zwanzig Jahren von derzeit drei auf 25 bis 35 Prozent steigen wird. Eine amtliche Statistik zum barrierefreien Bestand fehlt aktuell noch.

Kleinere Wohnungen seien heute oft teurer als die Wohnungen, in denen die Menschen mitunter schon seit Jahrzehnten lebten. Viele Senioren könnten gezwungen sein, nicht nur ihre Wohnung zu verlassen, sondern sogar aus ihrer Stadt wegzuziehen, so der Wirtschaftsforscher Matthias Günther.

Massenhaft altersgerechtes Umbauen nötig

"Nur fünf Prozent aller Älteren leben in altersgerechten Wohnungen", sagte Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbandes VdK, der Deutschen Presse-Agentur. Für viele Rentner sei es schwer, steigende Mieten zu zahlen. "Schon jetzt ist die Hälfte der 592.000 Wohngeldbezieher älter als 65".

Steigende Mieten bei sinkendem Rentenniveau könnten dem BDB zufolge dazu führen, dass viele Senioren sich ihre Wohnung nicht mehr leisten können. Es müssten stärker bezahlbare, barrierearme Wohnungen geschaffen werden. Außerdem seien "massenhaft" altersgerechte Umbauten nötig.

2035: 24 Millionen Deutsche älter als 65

Der Studie des Pestel Instituts im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) zufolge werden ab 2035 rund 24 Millionen Menschen in Deutschland zur Altersgruppe "65plus" gehören – rund sechs Millionen mehr als heute. Demzufolge müsse beim Neubau der Fokus stärker auf dem altersgerechten Bauen liegen.

"Ein Großteil der erforderlichen Senioren-Wohnungen wird allerdings durch den Umbau vorhandener Wohnungen entstehen müssen: Deutschland steht vor einem neuen Baujahrzehnt des altersgerechten Sanierens." Stefan Thurn, Präsident des BDB

Für den altersgerechten Umbau und die Modernisierung bis 2030 werden den Experten zufolge rund 50 Milliarden Euro an Investitionen erforderlich sein. Der Staat müsse den "grauen Wohnungsumbau" offensiv unterstützen. Hier sei nur mit direkten Zuschüssen effektiv etwas zu erreichen, meint Günther.

Senioren-Wohnungen: 500 Millionen Euro Förderung – pro Jahr

Das Pestel-Institut kommt in seiner Studie zu dem Schluss, dass mindestens 500 Millionen Euro jährlich an Fördermitteln für den barrierefreien Bau- und Umbau erforderlich sind. Die deutlich teurere und oft nicht gewollte stationäre Pflege im Heim lasse sich so häufig vermeiden, sagt Günther. Es koste im Schnitt rund 16.000 Euro, eine Wohnung barrierearm umzubauen. Die stationäre Pflege sei pro Jahr rund 8.500 Euro teurer als die ambulante Pflege.

Zuschüsse für altersgerechte Umbauen vergibt unter anderem die staatliche Förderbank KfW.

Senioren: Auch neue Wohnformen gefragt

Die Wissenschaftler des Pestel-Instituts plädieren in der Studie dafür, in Städten ein bezahlbares Seniorenwohnen anzubieten, bei dem die Älteren in ihrem Quartier und damit in ihrem sozialen Umfeld bleiben können. Für einkommensschwache Haushalte mit Wohneigentum müsse es – gerade im ländlichen Raum – Wohnberatungen geben.

Ältere Menschen sollten dabei auch zum Ausprobieren neuer Wohnformen – wie etwa zum gemeinschaftlichen Wohnen – motiviert werden. Hierfür müsse die Politik auf Bundes-, Länder- und Kommunalebene bereits jetzt die Weichen stellen, so die Schlussfolgerung.


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