Den Fokus auf Maßnahmen legen, die den höchsten Beitrag zur Barrierefreiheit leisten: etwa Bäder mit bodengleicher Dusche Bild: Sabine Dobre

Barrierefreie Wohnungen werden in Deutschland dringend gebraucht. Aktuell mindestens 1,6 Millionen, Tendenz steigend, wie eine Studie des Projektentwicklers Terragon und des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB) zeigt. Barrierefreiheit macht demnach im Vergleich zu konventionellem Bauen nur etwa ein Prozent der Gesamtbaukosten aus.

Barrierefreie Wohnungen seien Grundvoraussetzung für eine stärkere ambulante Versorgung der Pflegebedürftigen und eine finanzielle Entlastung der Kommunen, sagt Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des DStGB.

Grundlage der Terragon-Studie war das Musterprojekt eines fünfgeschossigen Wohnungsneubaus in Berlin mit 20 Wohnungen und 1.500 Quadratmetern Gesamtwohnfläche. Bei einer auf vollständige Barrierefreiheit ausgelegten Variante ergaben sich Mehrkosten in Höhe von 21,50 Euro pro Quadratmeter. Dies würde laut Terragon 1,26 Prozent der reinen Baukosten pro Quadratmeter bedeuten. In einer kostengünstigeren Variante belaufen sich den Berechnungen zufolge die Mehrkosten auf 9,20 Euro (0,54 Prozent) pro Quadratmeter Wohnfläche.

Kosten für Barrierefreiheit im Neubau günstiger

Die Kosten für die Barrierefreiheit sind der Studie zufolge zudem im Neubau weitaus günstiger als in Bestandsimmobilien. Laut einer Analyse von Prognos beliefen sich die durchschnittlichen Kosten für den altersgerechten Umbau im Bestand im Rahmen des KfW-Programms "Altersgerechter Umbau" auf 19.100 Euro pro Wohnung.

"In Deutschland ist jetzt der Zeitpunkt für ein Umdenken gekommen", sagt Lothar Marx, Honorarprofessor an der TU München für "Bauen für alte und behinderte Menschen".

Aktuell würden jährlich etwa 100.000 Wohnungen im Geschosswohnungsbau errichtet. Diese Chance müssten mit Blick auf den demografischen Wandel dringend genutzt werden.

Zur Förderung des barrierefreien Bauens schlägt die Studie zudem vor, das KfW-Programm "Altersgerecht Umbauen" auf den Neubau auszuweiten. Demnach könnten 2.500 bis 5.000 Euro pro Wohnung als Zuschuss gewährt werden.

Analysiert wurden im Rahmen der Terragon-Studie "Barrierefreies Wohnen im Kostenvergleich" 140 Kriterien für barrierefreies Bauen nach der DIN 18040-2. Bei 130 Kriterien zeigte sich, dass Barrierefreiheit nicht mit Mehrkosten verbunden ist, sondern allein mithilfe einer intelligenten Planung erreicht werden kann.

Laut CBRE hat aber auch die Bedeutung von Pflegeheimen stark zugenommen: Die Summe der Investitionen habe im vergangenen Jahr mit rund drei Milliarden Euro ein neues Rekordniveau erreicht. Bis 2030 würden Investitionen von rund 55 Milliarden Euro für Neuinvestitionen nötig sein.


>> Außerdem hat die Pflegeheimberatung Terranus hat ein kostenfreies Online-Tool entwickelt: Per Mausklick auf einer interaktiven Deutschlandkarte lassen sich die jeweils geltenden baulichen Vorgaben für Pflegeheime in den 16 Bundesländern aufrufen.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungsmarkt, Barrierefreiheit, Bauen

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