Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / II. Steuerfreiheit gemäß § 3 Nr 62 Satz 1 EStG
 

Rz. 15

Stand: EL 102 – ET: 04/2014

Nicht zum stpfl Arbeitslohn gehören Beiträge für die Zukunftssicherung, wenn sie der ArbG leistet,

soweit er dazu nach sozialversicherungsrechtlichen oder
anderen gesetzlichen Vorschriften oder
auf Grund einer auf gesetzlicher Ermächtigung beruhenden Bestimmung

verpflichtet ist.

Diese Verpflichtung beruht in den meisten Fällen auf ‚sozialversicherungsrechtlichen Vorschriften‘ (§ 3 Nr 62 Satz 1 Alt 1). Zu einer Übersicht über Pflichtversicherte in der inländischen GRV vgl BMF vom 24.07.2013 – Anlage 1 –, BStBl 2013 I, 1022 = > Anh 2 Altersvorsorge.

UE betrifft dies grundsätzlich nur das inländische Beitragsrecht; zu Beiträgen auf Grund einer Verpflichtung nach ausländischem Recht > Rz 35 ff.

 

Rz. 16

Stand: EL 102 – ET: 04/2014

Das gilt besonders für den Gesamtsozialversicherungsbeitrag (vgl § 28d SGB IV), und zwar nicht nur für den ArbG-Anteil, sondern uE auch für den ArbN-Anteil (vgl aber > R 3.62 Abs 1 Satz 1 LStR). Die Verpflichtung des ArbG zur Beitragsentrichtung bezieht sich nämlich nach den sozialversicherungsrechtlichen Vorschriften iSv § 3 Nr 62 Satz 1 EStG auf den Gesamtsozialversicherungsbeitrag in voller Höhe. Der ArbG ist im Außenverhältnis zur Einzugsstelle (vgl § 28h SGB IV) allein Schuldner des Gesamtsozialversicherungsbeitrags (vgl § 28e Abs 1 Satz 1 SGB IV). Im Innenverhältnis zum ArbN hat er in Höhe des ArbN-Anteils lediglich einen Aufwendungsersatzanspruch (vgl § 28g Satz 1 SGB IV), soweit der ArbN die Beiträge jeweils zu tragen hat; zur GRV vgl § 168 SGB VI, zur GKV vgl § 249 Abs 1 SGB V, zur GPflV vgl § 54 SGB XI iVm § 249 Abs 1 SGB V und zur GAV vgl § 348 SGB III; zu Besonderheiten beim Bergbau > Knappschaft. Da der ArbN – wenn auch im Innenverhältnis – ‚Beiträge zur Sozialversicherung trägt‘, bleibt deren Eigenschaft als Vorsorgeaufwendungen iSv § 10 Abs 1 Nr 2 Buchst a EStG unverändert (> Rz 51 ff). Ergänzend > Rz 23. Trägt nur der ArbN Vorsorgeaufwendungen (> Rz 21), kann dessen Arbeitslohn nicht aus > Billigkeit in Anlehnung an § 3 Nr 62 EStG teilweise als steuerfrei behandelt werden (BFH/NV 2008, 794).

 

Rz. 17

Stand: EL 102 – ET: 04/2014

Zu den Einzelheiten der Steuerfreiheit von Beiträgen zur GKV >  Krankenversicherung; wegen der Beiträge zur GPflV >  Pflegeversicherung und vgl das Beispiel in H 3.62 LStH. Zur Behandlung von Zuschüssen zur GKV und PKV sowie zur PflV, zu denen der ArbG nach § 257 SGB V bzw § 61 SGB XI gesetzlich verpflichtet ist, > R 3.62 Abs 2 Nr 2 und 3 LStR; vgl H 3.62 – Ausländische Krankenversicherung – LStH, BFH 222, 442 = BStBl 2008 II, 894 sowie > Rz 36. Ergänzend > Befreiende Pflegeversicherung. Steuerfrei für den ArbN sind auch die allein vom ArbG geschuldeten Beiträge zur GUV (> Rz 57). Zur Steuerfreiheit von Zuschüssen des ArbG zu den Personalkosten von >  Betriebskrankenkassen Rz 3.

 

Rz. 18

Stand: EL 102 – ET: 04/2014

Neben dem Gesamtsozialversicherungsbeitrag (vgl § 28d SGB IV) einschließlich der Fälle von Nachversicherung (vgl § 8 SGB VI) sind ua steuerfrei: Beiträge des ArbG nach § 172a SGB VI zu den >  Berufsständische Versorgungseinrichtungen (zB der Ärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater) für ArbN, die nach § 6 Abs 1 Satz 1 Nr 1 SGB VI von der Versicherungspflicht in der GRV befreit sind. Steuerfrei bleiben außerdem Beiträge des ArbG nach § 249b SGB V und § 168 Abs 1 Nr 1b, 1c SGB VI, § 172 Abs 3, 3a SGB VI für geringfügig Beschäftigte iSv § 8 Abs 1 Nr 1 SGB IV; die Beschäftigten selbst sind nicht beitragspflichtig. Zu Einzelheiten > Geringfügige Beschäftigung Rz 5 ff. Gleiches gilt beim sog Haushaltsscheckverfahren; zu Einzelheiten > Haushaltshilfe Rz 26 ff. Auch bei >  Kurzarbeitergeld beruht die Übernahme des ArbN-Anteils zur SozVers auf gesetzlicher Verpflichtung (§ 257 Abs 2 Satz 4 iVm § 249 Abs 2 SGB V; > R 3.62 Abs 2 Nr 2 Satz 3 LStR). Zur Versicherungspflicht der > KünstlerKünstlersozialversicherung.

 

Rz. 19

Stand: EL 102 – ET: 04/2014

Steuerfrei bleiben außerdem Ausgaben des ArbG für die Zukunftssicherung des ArbN, soweit ihn andere gesetzliche Vorschriften als sozialversicherungsrechtliche (> Rz 15) dazu verpflichten (§ 3 Nr 62 Satz 1 Alt 2 EStG). Hierzu gehören zB Nachversicherungsbeiträge, die bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses in den Fällen des § 18 Abs 1 Nr 4 – 6 BetrAVG gezahlt werden (§ 18 Abs 6 BetrAVG); dabei handelt es sich ebenfalls um Beiträge auf Grund einer gesetzlichen Verpflichtung iSd § 3 Nr 62 EStG (EStG-K § 3 EStG 6.6; DB 1976, 941 und 1194). § 18 Abs 6 BetrAVG aF ist ab 1999 weggefallen; zu einer Übergangsregelung vgl § 30d Abs 3 BetrAVG (> Anh 4). Für Beiträge zur Nachversicherung von >  Abgeordnete vgl § 22 Nr 4 Satz 4 Buchst a EStG. Ebenfalls auf gesetzlicher Verpflichtung (§ 10 BetrAVG) beruhen die ArbG-Beiträge an den Träger der Insolvenzsicherung, den >  Pensions-Sicherungs-Verein VVaG. Die vom Bund nach § 15 FELEG getragenen Beiträge zur SozVers ehemaliger landwirtschaftlicher ArbN führen nicht zu steuerpflichtigen Einkünften iSv § 19 EStG (BFH 209, 361 = BStBl 2005 II, 569 und B...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Hartz, ABC-Führer Lohnsteuer (Schäffer-Poeschel). Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Hartz, ABC-Führer Lohnsteuer (Schäffer-Poeschel) 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge