Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / 2. Begriffe "Wege" und "Arbeitstag"

a) Grundsätzliches

 

Rz. 30

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Mit Einführung der Entfernungspauschale ist der früher verwandte Begriff ‚Fahrten‘ durch das hinsichtlich des benutzten Verkehrsmittels neutrale Tatbestandsmerkmal ‚Wege‘ ersetzt worden (zur Rechtsentwicklung > Rz 11). Damit wird verdeutlicht, dass es nicht mehr um den Abzug von Aufwendungen für den Weg zur Arbeit mit einem Fortbewegungsmittel (Fahrzeug, Verkehrsmittel) geht. ‚Wege‘ erfordern nach dem Wortsinn nur, dass der ArbN seine Tätigkeitsstätte aufsucht. Auf die Art und Weise, wie er dorthin gelangt, kommt es nicht an. Zu den für die Ermittlung der Wegstrecke (Entfernung) geltenden Einzelheiten > Rz 60 ff.

 

Rz. 30/1

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Eine Ausnahme gilt für die Benutzung eines Flugzeugs: Die Flugstrecke wird zwar ebenfalls der beruflichen Sphäre zugeordnet (> Rz 4); sie wird aber von § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 Satz 3 EStG ausdrücklich für die Entfernungspauschale ausgeklammert; stattdessen werden die tatsächlichen Aufwendungen abgezogen. Dies ist verfassungsgemäß (BFH 224, 448 = BStBl 2009 II, 724). Für die An- und Abfahrten zu und von Flughäfen, also die Wege zwischen der Wohnung und dem Flughafen sowie zwischen Flughafen und erster Tätigkeitsstätte, gilt hingegen die Entfernungspauschale. Ergänzend > Rz 70/1 Beispiel 10.

Die Absicht des Gesetzgebers, eine wegen der langen Flugstrecke unverhältnismäßig hohe Entfernungspauschale zu vermeiden, ist bei Benutzung eines eigenen Flugzeugs wegen der hohen tatsächlichen Aufwendungen, für die nur die Grenze des Unangemessenen gilt (vgl § 4 Abs 5 Satz 1 Nr 7 iVm § 9 Abs 5 EStG; > Rz 4), nicht zu erreichen.

 

Rz. 30/2

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Auch die Wegstrecken, die der ArbN nach § 3 Nr 32 EStG unentgeltlich steuerfrei "sammelbefördert" wird (>  Sammelbeförderung ), bleiben für die Berechnung der Entfernungs-km außer Ansatz (vgl § 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 Satz 3 EStG), nicht aber die Entfernungs-km für die An- und Abfahrt zum Sammelpunkt. Ergänzend > Rz 70/2 Beispiel 11 und 12. Ist die Sammelbeförderung nur verbilligt, trägt der ArbN also einen Kostenanteil, so bleibt es bei einer "steuerfreien" Sammelbeförderung. Der ArbN kann seine Zuzahlung nach § 9 Abs 1 Satz 1 EStG als WK abziehen (> Rz 73 Beispiel 4). Ist die Sammelbeförderung für den ArbN weder unentgeltlich noch verbilligt, kann er seine Aufwendungen in Höhe der Entfernungspauschale als WK abziehen (> Rz 73 Beispiel 4).

b) Begrenzung auf eine Wegstrecke arbeitstäglich

 

Rz. 31

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Die Entfernungspauschale wird für den Weg zu derselben Tätigkeitsstätte für jeden Arbeitstag nur einmal angesetzt (§ 9 Abs 1 Satz 3 Nr 4 Satz 2 EStG). Sie gilt Aufwendungen unabhängig davon ab, wie oft der ArbN an ein- und demselben Arbeitstag den Weg von der Wohnung zur ersten Tätigkeitsstätte zurücklegt. Diese Beschränkung ist verfassungsgemäß (EFG 2006, 333). Die Regelung bezieht sich auf die erste Tätigkeitsstätte im Rahmen eines bestimmten Dienstverhältnisses. Hat der ArbN mehrere Dienstverhältnisse und daraus mehrere erste Tätigkeitsstätten, kommt eine Entfernungspauschale für denselben Arbeitstag für jede dieser Tätigkeitsstätten in Betracht (> Rz 55 ff).

 

Rz. 31/1

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Arbeitstag‘ ist jeder Kalendertag, an dem der ArbN in seiner ersten Tätigkeitsstätte tatsächlich anwesend ist. Dazu gehören ggf auch Sonn- und Feiertage, wenn der Stpfl an einem solchen Tag seine Tätigkeitsstätte aufsucht. Bei einer Arbeitszeit, die sich auf zwei Kalendertage erstreckt wie bei Nachtschicht, kann der ArbN für jeden Tag nur den Abzug der halben Entfernungspauschale verlangen (EFG 2013, 114). Ebenso ist es bei einer Blockarbeitszeit, die sich über mehrere Tage erstreckt (> Rz 94/2 Beispiel 10); bei einer doppelten Haushaltsführung ist die einmal wöchentliche Heimfahrt maßgebend (> Rz 103/1). Auf eine bestimmte Mindestarbeitsleistung an der Tätigkeitsstätte kommt es nicht an; auch nicht auf eine Mindestdauer der Anwesenheit. Die Tätigkeitsstätte muss aber aus beruflichen Gründen von der Wohnung aus erreicht werden. Deshalb zählt auch ein Arbeitstag, an dem der ArbN anlässlich einer Dienstreise bei der ersten Tätigkeitsstätte (Dienststelle) seinen Pkw gegen ein Dienstfahrzeug austauscht (BFH 163, 363 = BStBl 1991 II, 408).

Keine Arbeitstage idS sind arbeitsfreie Tage. Dazu gehören besonders Sonn- und Feiertage, Urlaubs- oder Freizeittage (zB bei Kurzarbeit), Krankheitstage, aber auch Tage, an denen der Stpfl von der Wohnung aus zu einer Dienstreise aufbricht und sie dort beendet, ohne die erste Tätigkeitsstätte zu berühren. Bereitschaftsdienst zählt nur dann als Arbeitstag, wenn der Stpfl an der ersten Tätigkeitsstätte gewesen ist.

c) Zusätzliche Wegstrecken/Abholfahrten

 

Rz. 32

Stand: EL 105 – ET: 02/2015

Bei dem einmaligen Ansatz der Entfernungspauschale je Arbeitstag bleibt es auch bei mehreren Fahrten am selben Arbeitstag, selbst wenn sie beruflich unabweisbar sind. Das betrifft ArbN, die wie zB Bühnenkünstler mit geteilter Arbeitszeit die ihre Tätigkeitsstätte zweimal täglich zur morgendlichen Probe und abendlichen Aufführung aufsuchen, oder Ärzte, Feuerwehr...

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