Was die KI-Transformation ausbremst
Obwohl viele Unternehmen Künstliche Intelligenz als strategischen Wendepunkt sehen, kommt die Transformation nur schleppend voran. Das zeigt eine globale Studie der Strategieberatung Roland Berger. Demnach sind fehlende KI-Kompetenzen, ungeeignete Organisationsstrukturen und unzureichend vorbereitete Führungskräfte die größten Hindernisse auf dem Weg zur "AI-first Company". Eine aktuelle Studie von ADP ergänzt das Bild aus Sicht der Beschäftigten: Wer KI regelmäßig nutzt, arbeitet motivierter und erlebt weniger Stress – in Deutschland wird KI bislang jedoch vergleichsweise selten eingesetzt.
Laut der Roland-Berger-Studie erwarten 62 Prozent der weltweit befragten Führungskräfte, dass KI ihr Geschäftsmodell grundlegend verändern wird. Dennoch haben erst 38 Prozent der Unternehmen die entsprechende Transformation tatsächlich angestoßen. Die Studienautoren sehen darin eine deutliche Lücke zwischen strategischem Anspruch und operativer Umsetzung.
Menschen und Führung sind die größten Bremsklötze
Als wichtigste Hürde nennen die Befragten nicht die Technologie selbst. Fast jedes zweite Unternehmen (49 Prozent) sieht fehlende KI-Kompetenzen als größtes Problem. Weitere 37 Prozent halten ihre Organisationsstrukturen und Prozesse für ungeeignet, um KI wirksam einzusetzen. Erst an dritter Stelle folgen technologische Herausforderungen (34 Prozent).
Hinzu kommt, dass vielerorts die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Skalierung fehlen: 59 Prozent der Führungskräfte halten das eigene Management für nicht ausreichend auf die Veränderungen vorbereitet, 42 Prozent bezweifeln, dass ihre Governance-Strukturen den Anforderungen einer KI-getriebenen Organisation genügen.
"Viele Unternehmen kommen bei KI in einzelnen Anwendungen schnell voran – doch die Organisation hält mit diesem Tempo oft nicht Schritt", sagt Cyrus Asgarian, Senior Partner bei Roland Berger. Entscheidend seien nun der Umbau von Governance, Prozessen und Führung sowie ein konsequent auf KI ausgerichtetes Betriebsmodell.
KI-Vorreiter investieren in Kompetenzen und Zusammenarbeit
Die Studie zeigt zugleich, wodurch sich erfolgreiche Unternehmen von Nachzüglern unterscheiden. KI-Vorreiter setzen deutlich häufiger auf gemeinsame Technologieplattformen (65 gegenüber 18 Prozent), bauen KI-Kompetenzen unternehmensweit auf (58 gegenüber 14 Prozent) und treffen Entscheidungen konsequent datenbasiert (88 Prozent). Auch agile, bereichsübergreifende Teams sind dort wesentlich stärker verbreitet.
Beschäftigte erleben KI positiv – nutzen sie aber noch zurückhaltend
Dass der Faktor Mensch für die KI-Transformation entscheidend ist, unterstreicht auch die aktuelle Studie "People at Work 2026" von ADP Research. Weltweit nutzt inzwischen die Hälfte der Beschäftigten KI mehrmals pro Woche, jeder Fünfte sogar nahezu täglich. In Deutschland fällt die Nutzung jedoch deutlich geringer aus: 43 Prozent verwenden KI regelmäßig, lediglich 14 Prozent nahezu täglich.
Dabei berichten regelmäßige KI-Nutzer von positiven Effekten. Sie fühlen sich stärker engagiert und leiden seltener unter negativem Stress als Beschäftigte, die keine KI einsetzen. Gleichzeitig zeigt die Studie einen interessanten Nebeneffekt: Tägliche KI-Anwender zweifeln häufiger an ihrer eigenen Produktivität. Möglicherweise, so die Autoren, verschiebt sich durch die Automatisierung einfacher Aufgaben der Fokus auf komplexere Tätigkeiten, deren Fortschritt sich schwieriger messen lässt.
Schulung und Führung gewinnen an Bedeutung
Für HR und Führungskräfte ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag. Während die Roland-Berger-Studie zeigt, dass fehlende Kompetenzen und Führungsstrukturen die KI-Transformation ausbremsen, macht die ADP-Untersuchung deutlich, dass Beschäftigte von einem durchdachten KI-Einsatz durchaus profitieren können. Voraussetzung ist allerdings, dass Unternehmen gezielt in Qualifizierung investieren und Führungskräfte den Wandel aktiv begleiten.
Thomas Zimmermann, Geschäftsführer von ADP Deutschland, betont, dass die Einführung von KI allein noch keine höhere Produktivität garantiere. Entscheidend sei ein durchdachter Ansatz, der Mitarbeitende befähige, KI sinnvoll in ihre Arbeitsabläufe zu integrieren und menschliche Stärken wie Kreativität, Urteilsvermögen und Kommunikation gezielt mit den Möglichkeiten der Technologie zu verbinden.
Das könnte Sie zum Thema Künstliche Intelligenz auch interessieren:
Triggert KI das Imposter-Phänomen?
Trendradar sieht KI-Strategie und Cybersecurity im Zentrum der Transformation
KI-Tools zum Coachen der Mitarbeitenden nutzen
KI-Transformation: In vier Stufen zur AI-First Company (personalmagazin digital)
-
Acht rettende Sätze für schwierige Gesprächssituationen
305
-
Workation und Homeoffice im Ausland: Was Arbeitgeber wissen müssen
303
-
Essenszuschuss als steuerfreier Benefit
255
-
BEM ist Pflicht des Arbeitgebers
200
-
Probezeitgespräche als Feedbackquelle für den Onboarding-Prozess
145
-
Mitarbeiterfluktuation managen
1264
-
Das sind die 25 größten Anbieter für HR-Software
117
-
Der große NLP-Bluff Teil I: Wie alles begann
1178
-
Warum Offboarding an Bedeutung gewinnt
106
-
Studie offenbart zu wenige Strukturen beim Onboarding
89
-
Was die KI-Transformation ausbremst
20.07.2026
-
Wie HR-Verantwortliche Daten richtig lesen
17.07.2026
-
Das Dienstrad: wenn Gesundheit zum täglichen Benefit wird
16.07.2026
-
Jeder zweite Babyboomer geht vorzeitig in den Ruhestand
16.07.2026
-
Entgelttransparenz beginnt bei der Arbeitszeit
16.07.2026
-
Wer keinen eigenen Schreibtisch hat, geht ins Homeoffice
15.07.2026
-
Was nach dem Sieg wirklich ankommt
14.07.2026
-
Elektronische Entgeltunterlagen ab 2027: So setzen Sie die neue BVV-Pflicht rechtzeitig um
13.07.2026
-
Zwei Formen der Resilienz
09.07.2026
-
Berufsorientierung auf Augenhöhe
08.07.2026