Neuer Trendradar sieht KI-Strategie und Cybersecurity im Zentrum der Transformation
Künstliche Intelligenz, Cybersecurity, regulatorische Vorgaben und Lernfähigkeit: Der neue "Trendradar – Die Skills der Zukunft" des Zukunftsinstituts in Zusammenarbeit mit der Haufe Akademie zeichnet das Bild einer Arbeitswelt, in der Unternehmen mehrere Transformationsprozesse gleichzeitig bewältigen müssen. Anders als klassische Trendstudien versteht sich der Radar ausdrücklich nicht als Prognoseinstrument, sondern als strategische Orientierungshilfe für Management, Strategiearbeit und Kompetenzentwicklung.
15 Handlungsfelder identifiziert
Im Zentrum stehen 15 organisationale Handlungsfelder, die nach ihrer strategischen Dringlichkeit geordnet werden. Die Einteilung erfolgt in die vier Zonen "Act", "Create", "Develop" und "Discover". Bewertet wurden die Felder anhand von Veränderungstempo, strukturellem Impact, Stakeholder-Bedarf und dem Verhältnis von Nutzen zu Aufwand. Einen guten Überblick, wo die einzelnen Handlungsfelder stehen, liefert die im stark texthaltigen Radar vorgeschaltete Matrix.
Zu den Themen mit der höchsten Dringlichkeit zählt demnach die "AI Strategy". Die Autoren argumentieren, dass die Herausforderung für Unternehmen inzwischen nicht mehr im Einstieg in generative KI liegt, sondern in der Skalierung und Governance. KI müsse mit messbaren Geschäftsergebnissen verknüpft werden. Gleichzeitig entstünden neue Anforderungen an Verantwortlichkeiten zwischen Business, IT, Data, Risk und HR.
Besonders stark gewichtet der Radar zudem das Thema "Advanced Cybersecurity". Hintergrund sei eine veränderte Bedrohungslage durch KI-gestützte Angriffe, automatisierte Phishing-Kampagnen und vernetzte Systeme. Cybersecurity werde dadurch nicht mehr nur als technische Schutzmaßnahme verstanden, sondern als Voraussetzung organisationaler Handlungsfähigkeit.
Stabil hochrelevant bleibt "Learning and Development". Das Feld wird im Radar als Grundlage nahezu aller anderen Transformationsprozesse beschrieben. Unternehmen müssten Kompetenzentwicklung stärker als kontinuierlichen Prozess verstehen. Neben Fachwissen gewännen Lernagilität, selbstgesteuertes Lernen und Peer Learning an Bedeutung.
Organisationale Resilienz gefordert
Neu aufgenommen wurden die Felder "Regulatory Compliance", "Operating Model", "Ecosystem Management" und "Human-to-Human Experience". Dahinter steht die Beobachtung, dass technologische Transformation allein nicht mehr ausreicht. Unternehmen müssten sich zugleich mit regulatorischer Verdichtung, volatilen Lieferketten, neuen Wertschöpfungsnetzwerken und der bewussten Gestaltung menschlicher Interaktion auseinandersetzen.
Auffällig ist zudem die stärkere Betonung organisationaler Resilienz. Der Radar beschreibt eine Arbeitswelt, in der technologische Beschleunigung, geopolitische Unsicherheiten und wirtschaftliche Volatilität gleichzeitig wirken. Dadurch verschiebe sich strategische Arbeit weg von isolierten Einzelthemen hin zur Fähigkeit, mehrere Transformationsdynamiken parallel zu bewältigen.
Widersprüche zwischen technologischer Entwicklung und Kundenakzeptanz
Der Radar wirft dabei auch kritische Fragen auf. So verweist die Analyse auf Widersprüche zwischen technologischer Automatisierung und Kundenakzeptanz. Einerseits treiben Unternehmen agentische KI voran, die ganze Prozessketten automatisieren soll. Andererseits bevorzugen laut den ausgewerteten Studien viele Kundinnen und Kunden weiterhin menschliche Interaktion im Service.
Auch beim Thema Datenqualität zeigt sich eine Diskrepanz. Daten gelten im Radar als Grundlage der digitalen Wirtschaft. Gleichzeitig vertrauen laut den zitierten Untersuchungen 67 Prozent der Organisationen ihren eigenen Daten nicht vollständig.
Viele der für den Radar ausgewerteten Quellen stammen von Beratungen wie McKinsey, Deloitte oder Accenture. Damit liefert der Radar eine Zusammenfassung und Auswertung relevanter Studien. Gleichzeitig resultiert daraus eine starke Perspektive auf große Organisationen und internationale Konzerne. Spezifische Herausforderungen mittelständischer Unternehmen, etwa begrenzte Ressourcen für Cybersecurity, KI-Governance oder regulatorische Umsetzung, bleiben weitgehend offen. Auch Zielkonflikte zwischen KI-Skalierung und Nachhaltigkeit werden eher angerissen als systematisch untersucht.
Neuer Trendradar zeigt Entwicklung
Der aktuelle Radar ist bereits die zweite Ausgabe der Reihe, die die Haufe Akademie gemeinsam mit dem Zukunftsinstitut veröffentlicht. Während der erste Trendradar "Die Jobs der Zukunft" 2024 noch stärker auf Berufsbilder und Tätigkeitsprofile blickte, verschiebt sich der Fokus nun deutlich auf organisationale Fähigkeiten und strukturelle Handlungsfähigkeit.
Sichtbar wird das etwa am Aufstieg von KI-Strategie und Cybersecurity in die höchste Dringlichkeitsstufe "Act". Gleichzeitig verliert die "Agile Transformation" an Priorität und wandert von "Create" nach "Develop". Der neue Radar beschreibt damit weniger die Frage, welche Jobs künftig entstehen, sondern stärker, welche organisationalen Fähigkeiten Unternehmen benötigen, um unter dauerhaftem Veränderungsdruck handlungsfähig zu bleiben.
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