Jüngere Bewerber werden bevorzugt – trotz fehlender Qualifikation
Für die Best-Recruiters-Studie 2025/26 wurden 517 Arbeitgeber aus 29 Branchen analysiert. Zusätzlich verschickten die Studienautoren zwei Mystery-Bewerbungen auf eine Führungsposition. Der entscheidende Unterschied hierbei waren das Alter und die Berufserfahrung der Bewerbenden. Das Ergebnis ist eindeutig: Trotz Berufspraxis erhielt die erfahrene Person nicht häufiger eine Einladung als die jüngere Vergleichsperson ohne Berufserfahrung, die für die gewählte Führungsposition deutlich weniger qualifiziert war.
Berufserfahrung ist bei Bewerbungen kaum ausschlaggebend
Diese Studienergebnisse legen nahe, dass ältere und erfahrene Personen unter den Bewerbungen eher übersehen werden, selbst wenn sie optimale Qualifikationen mitbringen. Das Alter scheint als Ausschlussgrund also mehr zu zählen als die bessere Qualifikation. Auch ein Blick auf die Karriereseiten der Unternehmen legt diese Schlussfolgerung nahe: Nur 24 Prozent der untersuchten Arbeitgeber sprechen gezielt Menschen mit Berufserfahrung an. Konkrete Fördermaßnahmen für Personen 50+ finden sich nur bei zwei Prozent der Arbeitgeber auf der Webseite.
Stellenausschreibungen: Entgelttransparenz verschwindend gering
Ein weiteres Thema der diesjährigen Untersuchung waren Gehaltsinformationen bei Stellenausschreibungen. Während die EU-Entgelttransparenzrichtlinie stärkere Offenlegung vorsieht, nennen die meisten Stellenanzeigen in Deutschland immer noch keine Gehaltsinformationen. 95 Prozent der untersuchten Anzeigen enthalten weder Entgeltangabe noch Gehaltsspanne, zwei Prozent nennen eine Spanne, drei Prozent einen Betrag. Der wichtigste Attraktivitätsfaktor, die Entlohnung, bleibt damit meist unsichtbar.
Benefits stehen zwar in 86 Prozent der Anzeigen – ihr Anteil sinkt aber um vier Prozentpunkte. Und in nur jeder zweiten Stellenanzeige stehen maximal zehn Anforderungen.
Recruiting: Kaum ein Arbeitgeber spricht über KI
Auch der Einsatz von KI im Unternehmen wurde abgefragt: Ein fiktiver Stellensuchender erkundigte sich per E-Mail nach der Erwünschtheit des Einsatzes von KI-Tools im Arbeitsalltag und unternehmensinternen Schulungen in diese Richtung. Nur 27 Prozent der Angeschriebenen reagierten fristgerecht: 19 Prozent innerhalb von drei, acht Prozent innerhalb von vier bis zehn Werktagen. Weitere zwei Prozent antworteten verspätet, 71 Prozent gar nicht. Damit zeigt sich eine deutliche Lücke zwischen der Nutzung technologischer Innovationen und sichtbarer Arbeitgeberkommunikation dazu. Auf den untersuchten Karriereseiten erwähnen nur sieben von 517 Arbeitgebern KI-Qualifizierungsangebote.
Die untersuchten Unternehmen wurden auch nach dem Einsatz von KI im Recruitingprozess gefragt. Diejenigen Unternehmen, die eine KI-Nutzung nannten, gaben am häufigsten an, dass Künstliche Intelligenz zur Erstellung von Stellenanzeigen, Recruiting-Texten und Kommunikationsinhalten verwendet wird. Das ist in allen Ländern des DACH-Raums ähnlich. In Deutschland zeigt sich im DACH-Vergleich ein stärkerer Fokus auf Active Sourcing und die Identifikation potenzieller Kandidatinnen und Kandidaten per KI.
Die digitale Candidate Journey professionalisiert sich
Aber die diesjährige Untersuchung deckt auch einige Verbesserungen in der Recruitingpraxis auf. Der Einsatz von Social Media legte im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozentpunkte zu. Auch Talent Relationship mit Maßnahmen wie Talentpools, Alumni-Netzwerken oder der Kooperation mit Ausbildungsstätten kommt häufiger vor. In der Mobile Usability verbesserten sich die untersuchten Arbeitgeber ebenfalls. Schwächen deckte die Studie dagegen bei der Ladeleistung zahlreicher mobiler Karriere-Websites und Stellenmärkte auf.
Die zehn besten Recruiter in Deutschland
Für die Studie wurde zudem der gesamte Bewerbungsprozess anhand von 330 Kriterien in zehn Kategorien entlang der Candidate Journey untersucht. Im Fokus der Untersuchung standen unter anderem die Inhalte und Technik der Online-Recruiting-Präsenz, der Informationsgehalt und die Gestaltung der Stellenanzeigen, die Usability und die Resonanz auf Bewerbungen und Anfragen. Unter den 517 untersuchten Arbeitgebern in Deutschland erreichten diese Unternehmen die besten Werte:
- Klüh Service Management
- Deloitte
- General Logistics Systems Germany
- All for One Group
- Bundesagentur für Arbeit
- KPMG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
- Barmenia Gothaer
- Kaufland
- Deutsche Bahn
- Pro Sieben Sat.1 Media
Das könnte Sie auch zum Thema Recruiting interessieren:
Warum künstliche Schönheit in der Personalauswahl nach hinten losgeht
Kolumne: Brauchen wir mehr Intuition in der Personalauswahl?
Was eine unbesetzte Stelle wirklich kostet
-
Acht rettende Sätze für schwierige Gesprächssituationen
555
-
Workation und Homeoffice im Ausland: Was Arbeitgeber wissen müssen
222
-
Essenszuschuss als steuerfreier Benefit
186
-
BEM ist Pflicht des Arbeitgebers
181
-
Mitarbeiterfluktuation managen
1174
-
Probezeitgespräche als Feedbackquelle für den Onboarding-Prozess
114
-
Das sind die 25 größten Anbieter für HR-Software
102
-
Warum Offboarding an Bedeutung gewinnt
95
-
Der große NLP-Bluff Teil I: Wie alles begann
888
-
Studie offenbart zu wenige Strukturen beim Onboarding
68
-
Der Perspektiv-Shift
28.08.2026
-
Wenn Recruiting am Jobtitel scheitert
27.08.2026
-
Wie Führungskräfte Mitarbeitergespräche vereinfachen
26.08.2026
-
Work Culture Festival: Kultur, KI und die Zukunft des Büros
26.08.2026
-
Die großen Denkfehler bei der Raumgestaltung
25.08.2026
-
Wertschätzen statt abwimmeln – zehn Tipps für Absagen
25.08.20261
-
bKV: Gesundheit als Basis für Erfolg und Produktivität
24.08.2026
-
Die Stop-Doing-Liste: Warum die mutigste Führungsentscheidung das Weglassen ist
24.08.20261
-
Refurbishing im Unternehmen: Wie es funktioniert – und was HR davon hat
21.08.2026
-
Der stille Startimpuls
21.08.2026