Meeting-Hacks

Der Entscheidungskompass

Teil zwei unserer Serie "Meeting-Hacks" dreht sich um den Entscheidungskompass, ein Navigationssystem für Meetings, damit die Diskussion gar nicht erst ins Gelände abdriftet. Damit schaffen Sie sofort Orientierung, wenn alle gleichzeitig mitreden, aber niemand wirklich entscheidet.

Serienelemente
Kompass (1)

Alle reden, keiner entscheidet. Am Ende des Meetings steht keine Lösung – sondern ein neuer Termin. Woran das liegt? Meist sind schon davor drei Fragen ungeklärt: Wer entscheidet, wie entschieden wird – und nach welchen Kriterien. Der Entscheidungskompass unterbricht diesen Kreislauf. 

Die Kernfrage lautet also: Wer entscheidet hier was und nach welchen Kriterien?

So funktioniert der Entscheidungskompass

1. Klären Sie vor oder zu Beginn des Meetings drei Punkte

  • Wer entscheidet? (eine Person, ein Gremium, Empfehlung mit Freigabe)
  • Wie wird entschieden? (Mehrheit, Konsens, Veto, Einzelentscheidung)
  • Nach welchen Kriterien? (z. B. Zeit, Risiko, Kosten, Wirkung) 

2. Machen Sie diese Punkte transparent

  • Mündlich oder sichtbar festgehalten

3. Beziehen Sie Beiträge aktiv auf den Kompass

  • "Hilft dieses Argument bei unseren Entscheidungskriterien?" 

4. Nutzen Sie den Kompass gezielt zur Entscheidung

  • "Auf Basis der Kriterien entscheiden wir uns jetzt für …"

Praxisbeispiel für den Entscheidungskompass

In einem Strategiemeeting eines internationalen Maschinenbauunternehmens stand die Entscheidung über drei mögliche Investitionsstrategien an: eine Erweiterung der Produk­tion, ein Digitalisierungsprojekt oder eine Kooperation mit einem externen Partner. 

Schon nach wenigen Minuten war spürbar, warum frühere Meetings zu keiner Entscheidung geführt hatten: Das Managementteam argumentierte brillant – aber in völlig unterschied­lichen Bahnen. Die Technikabteilung sprach über Machbarkeit und Lieferzeiten, das Cont­rolling über Amortisation und Risiken, der Vertrieb über Marktchancen und Kundenzugang. Keiner wusste, wer am Ende entscheidet – oder nach welchen Maßstäben.

Intervention mit dem Entscheidungskompass

Als ich eingeladen wurde, das Team zu begleiten, bat ich darum, das Meeting kurz zu unterbrechen, und führte den Entscheidungskompass ein. In weniger als einer Minu­te wurde gemeinsam festgelegt:

  • Wer entscheidet: Geschäftsführung gemeinsam mit Bereichsleitern
  • Wie: auf Basis eines Mehrheitsentscheids nach einer kurzen Bewertungsrunde
  • Kriterien: Kundennutzen, Investitionshöhe, Umsetzbarkeit 

Ich schrieb diese drei Punkte groß auf das Whiteboard. Sofort änderte sich der Charak­ter des Gesprächs: Jede Argumentation bezog sich nun direkt auf eines der Kriterien. Widersprüche wurden schneller aufgelöst, Prioritäten klarer. Nach 35 Minuten lag eine einstimmig beschlossene Roadmap vor, die in früheren Sitzungen über Wochen ver­tagt worden war. Ein Teilnehmer sagte danach: "Der Kompass hat uns in fünf Minuten gegeben, was wir sonst in fünf Meetings gesucht hätten: Klarheit."

Typische Einwände – und wie Sie sie auflösen 

Einwand 1: "Der Kompass wirkt zu starr bei offenen Themen."

Klären Sie den Entscheidungsweg klar, lassen Sie aber den Kriterienraum offen: "Die Kriterien konkretisieren wir gemeinsam." 

Einwand 2: "Es besteht die Gefahr, zu viele Kriterien aufzunehmen."

Beschränken Sie sich auf maximal drei Hauptkriterien. Alles Weitere wird als Zu­satzinformation erfasst, ist aber nicht entscheidungsleitend. 

Reflexionsfrage: In welchem Meeting der letzten Woche hätte ein klarer Entscheidungsweg die Diskussion sofort verkürzt?

 

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Schlagworte zum Thema:  Virtuelle Zusammenarbeit , Teamarbeit
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