Frührente

Jeder zweite Babyboomer geht vorzeitig in den Ruhestand

Immer mehr Babyboomer nutzen die Möglichkeit, vorzeitig in Rente zu gehen – häufig mit hohen Zusatzeinkommen. Das Institut der deutschen Wirtschaft sieht die aktuellen Regelungen kritisch und fordert eine Reform, um die Lebensarbeitszeit zu verlängern. 

Geschäftsfrau arbeitet am Computer

Immer mehr Babyboomer verlassen das Berufsleben vor Erreichen der Regelaltersgrenze: 2024 bezogen 1,1 Millionen Angehörige der geburtenstarken Jahrgänge ihre Rente vor der Regelaltersgrenze – Tendenz steigend. Das geht aus einer Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) auf Basis von Zahlen der Rentenversicherung hervor.

Von allen Babyboomern, die ihre Regelaltersgrenze bereits erreicht haben, ist damit mehr als jeder zweite vorzeitig in Rente gegangen – von Beschäftigten des Jahrgangs 1957 waren es 51,2 Prozent, des Jahrgangs 1958 sogar 51,7 Prozent. Die Zahl der Babyboomer in Altersrente ist so laut IW auf zuletzt rund 6 Millionen gestiegen, insgesamt gab es 2024 rund 19,3 Millionen Babyboomer in Deutschland.

Frührente: Babyboomer fehlen dem Arbeitsmarkt   

Einen Grund für den frühen Renteneintritt sehen die Forscher des arbeitgebernahen Instituts in der hohen Attraktivität der Frührente, insbesondere in der Möglichkeit, nach 45 Versicherungsjahren bis zu zwei Jahre früher ohne Abschläge in den Ruhestand zu gehen sowie im Wegfall der Hinzuverdienstgrenze seit 2023.

Der Anteil der besonders langjährig Versicherten mit hohem Hinzuverdienst – also Einkommen oberhalb der Minijob-Grenze – ist nach dem Wegfall der Hinzuverdienstgrenze im Jahr 2023 um sieben Prozentpunkte gestiegen, von 18 Prozent auf 25 Prozent. Auch immer mehr Frührentner nutzen nach den Erhebungen des IW die Möglichkeit, unbegrenzt hinzuverdienen zu können: Bei langjährig Versicherten, die ab 63 Jahren mit Abschlägen in Rente gehen, erhöhte sich der Anteil mit hohem Hinzuverdienst um sechs Prozentpunkte, von acht auf 14 Prozent.

Fehlanreize durch vorzeitigen Renteneintritt 

Das IW kritisiert, dass die Möglichkeiten des vorzeitigen Renteneintritts das ursprüngliche Ziel der Politik untergraben, mit der Anhebung der Regelaltersgrenze die Lebensarbeitszeit zu verlängern. Während die Regelaltersgrenze bis 2031 auf 67 Jahre steigt, erhöhte sich das durchschnittliche Zugangsalter in die Rente zwischen 2012 und 2024 lediglich um acht Monate – trotz einer Anhebung der Regelgrenze um zwölf Monate, erklärte das IW gegenüber der dpa. "Die Politik hat ihre eigenen Reformen im vergangenen Jahrzehnt konsequent untergraben", sagt IW-Rentenexpertin Ruth Schüler. Nun drohten die Kosten aus dem Ruder zu geraten.

Das IW begrüßt deshalb die Reformvorschläge der Alterssicherungskommission ausdrücklich. Die Pläne, die abschlagsfreie Frührente abzuschaffen und den frühesten Renteneintritt mit Abschlägen auf drei Jahre vor der Regelaltersgrenze zu begrenzen, bewertet das IW als zentral, um das durchschnittliche Rentenzugangsalter zu erhöhen und die Wirkung der Regelaltersgrenze nicht durch Ausnahmen zu schwächen. IW-Rentenexpertin Ruth Schüler mahnt: "Bis 2029 erreichen weitere 6,4 Millionen Babyboomer ihre Regelaltersgrenze – es gilt also, so zeitnah wie möglich zu handeln und großzügige Übergangsregeln zu vermeiden."

Rentenreform: Höheres Renteneintrittsalter gefordert 

Bereits in einer früheren Untersuchung hatte das IW gewarnt, dass die Anreize zum Hinzuverdienst insbesondere für Babyboomer zu Fehlentwicklungen führen: Statt länger im Arbeitsleben zu bleiben, nutzen viele die Möglichkeit, vorzeitig in Rente zu gehen und gleichzeitig sozialversicherungspflichtig hinzuverdienen – ein Verhalten, das nach Einschätzung des IW die Wirkung der Reform konterkariert. Der Wegfall der Hinzuverdienstgrenze sollte Beschäftigte möglichst lange im Erwerbsleben halten, tatsächlich aber verfehle die Maßnahme das Ziel und mache vorzeitige Renteneintritte für die Gemeinschaft teuer.

 

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dpa

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