Analyse

Das sind die HR-Influencer 2026


Influencer

Künstliche Intelligenz verändert die sozialen Medien – und damit auch den Aktionsrahmen von Influencern. Zwischen KI-Schrott, Selbstinszenierung und echter Expertise wird Orientierung schwieriger. Doch Plattformen wie Linkedin sind einer der wichtigsten Kommunikationskanäle von Unternehmen geworden. Wie HR damit umgehen kann.

Auf Truth Social veröffentlichte US-Präsident Trump Anfang des Jahres ein KI-Video, in dem er Kanadas Eishockey-Team im Alleingang überwältigt und durch die gegnerischen Reihen wirbelt. Die Regeln kümmern ihn nicht. Einem Spieler boxt er ungehemmt ins Gesicht. Reale Bilder oder Fake? Das ist zweitrangig, denn kaum jemand wird das Video für echt halten. Entscheidend sind die Gefühle, die es weckt: Trump-Fans und Anhänger der MAGA-Bewegung feiern den rücksichtslosen Siegeswillen, während andere darin einmal mehr den Beweis für die fehlende Moral des Präsidenten sehen. Menschen schenken vor allem den Informationen Aufmerksamkeit, die ihre Meinung bestätigt oder sie stark abstößt. Das bringt Reichweite in sozialen Netzwerken.

Die Social-Media-Logik

KI-geschönte Fotos oder nachdenkliche Selbstporträts als Beiwerk im eigenen Linkedin-Kanal funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Um gefühlsmäßig beim Publikum anzudocken, braucht es nur noch einen griffigen Einstieg. "Du bist zu nett, so wirst du nie Karriere machen", schrieb Laura Bornmann kürzlich auf Linkedin. Lange habe sie geglaubt, Führung müsse härter, distanzierter und unnahbarer sein. Viele erkannten sich darin offenbar wieder – ganz gleich, wie hilfreich diese persönliche Erfahrung für den Führungsalltag ist. 

Doch aus Sicht der Forschung lässt sich gegenhalten: Führung braucht Wirkung, Machtbewusstsein und Strukturen. Sie ist auch fordernd, ergebnisorientiert, oft ruppig. Für Reichweite zählen dagegen andere Dinge: Wiedererkennbarkeit, Spannung, Verletzlichkeit. Ein Problem, verdichtet auf einen Satz, der vielen aus der Seele spricht. Es geht nicht um Evidenz, Fakten oder die Komplexität eines Themas. Was zählt sind Likes, Klicks und Kommentare. Sie sind die Währungen des Social-Media-Zeitalters.

Die Plattformen folgen anderen Regeln als klassischer Journalismus. Dieser prüft, ordnet ein, gewichtet nach Relevanz und will Orientierung bieten. Soziale Medien senken die Hürden des Publizierens. Jeder kann Autorin oder Autor werden. Zugleich fördern sie Ungeduld, Emotionalisierung und den schnellen Umlauf von Gerüchten oder manipulierten Inhalten. Forscher des Max-Planck-Instituts haben anhand von US-Daten untersucht, wie Nutzerinnen und Nutzer Fehlinformationen im Netz bewerten. Passt eine Schlagzeile zur eigenen politischen Haltung, halten sie sie eher für wahr. Passt sie nicht in deren Weltbild, halten sie sie eher für falsch. Parteiliche Voreingenommenheit prägt also das Wahrheitsurteil. Selbst korrigierte Falschinformationen können Spuren hinterlassen und spätere Urteile beeinflussen.

Trotzdem haben sich soziale Medien längst in der deutschen Medienlandschaft etabliert. Viele Menschen informieren sich nicht mehr über klassische Medien, sondern über soziale Netzwerke. Für die junge Generation sind sie oft die wichtigste, manchmal die einzige Quelle für Nachrichten. Auch klassische Medien greifen Debatten aus sozialen Netzwerken auf. Etwa wenn der Unternehmer und Investor Carsten Maschmeyer fragt: "Ernsthaft, Friedrich Merz?" und damit dessen These angreift, die Deutschen arbeiteten zu wenig. In sozialen Medien wird Politik gemacht. Selbst Medienmarken wie "Die Zeit" nutzen Kanäle wie Tiktok – damit junge Menschen überhaupt erleben, was Qualitätsjournalismus ist. 

Tipp: Hier können Sie das gesamte HR-Influencer-Ranking 2026 des Personalmagazins als PDF herunterladen.

KI als neuer Player in den sozialen Medien

Inzwischen mischt noch ein weiterer Player in den sozialen Netzwerken mit: Künstliche Intelligenz. Generative KI kann nicht nur massenhaft Inhalte zu geringen Kosten produzieren, sondern sie gleich noch auf Menschen oder Gruppen zuschneiden: nach Standort, sozialer Zugehörigkeit, früheren Reaktionen, psychologischen Profilen oder den Zeiten, in denen sie online sind. Menschen werden nach ihren Merkmalen sortiert, ihre Reaktionen werden gemessen und für neues Targeting genutzt. 

Originality.ai, ein Anbieter von KI-Erkennungstools, untersuchte Ende 2025 insgesamt 3.368 englischsprachige Linkedin-Posts mit mehr als 100 Wörtern. Sie stammten von 99 einflussreichen LinkedIn-Profilen aus elf Branchen. Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Beiträge, fast 54 Prozent, war wahrscheinlich KI-generiert. Bei Posts zu Politik lag der Anteil bei 24 Prozent. Bei Themen wie Wellness und persönlicher Entwicklung dagegen bei 92 Prozent.

Dazu muss man wissen: Die untersuchten Beiträge zeigten KI-typische Merkmale. Ob ein Post vollständig von KI stammt oder ob KI nur menschliche Gedanken sprachlich geglättet hat, lässt sich schwer messen. Fake Accounts und Bots sind in der Studie nicht mitgezählt. Und zu einer weiteren Frage, die sich in dem Zusammenhang auftut, gibt es bisher gar keine verlässlichen Analysen: Wie stark nutzen Menschen KI für ihre Social-Media-Strategie, also zum Beispiel für Themenauswahl, Fokussierung, sprachliche Zuspitzung und Interaktionsempfehlungen?

Social-Media-Reichweite lässt sich nicht automatisieren

Wer seine Beiträge von KI schreiben lässt, gewinnt damit nicht automatisch mehr Reichweite. Originality.ai weist darauf hin, dass menschlich geschriebene Posts in vielen Themenfeldern besser abschneiden. Auch die Influencerin Tijen Onaran betont im Interview mit dem Personalmagazin: KI hat keine Persönlichkeit. Sie verzichtet weitgehend auf deren Einsatz, weil das bei Nutzern nicht ankomme. Laut Originality.ai erzielen lediglich mutmaßliche KI- Beiträge zu Leadership und Inspiration im Schnitt 75 Prozent mehr Engagement, gemessen als Summe aus Likes und Kommentaren. Tech- und KI-Themen sowie Finanz- und Businessthemen kommen durch KI-Einsatz auf ein Plus von 7 Prozent.

Linkedin bietet Premium-Mitgliedern selbst eine KI-Funktion an, die Beiträge, Nachrichten und Profiltexte formuliert. Sie soll den Einstieg erleichtern und Profile schärfen. Wie oft Mitglieder KI für einzelne Beiträge nutzen, erfasst Linkedin nach eigenen Angaben nicht im Detail. Zugleich filtert die Plattform schwache, doppelte oder fast gleiche Inhalte frühzeitig heraus. "Wenn solche Inhalte auffallen, stellen wir sicher, dass sie nicht breit im Feed ausgespielt werden", sagt Barbara Wittmann, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Linkedin-Geschäfte leitet. Auch gegen automatisierte Kommentare und künstlich erzeugte Diskussionen gehe Linkedin vor. Neuerdings versucht man es mit "Freundlichkeitswarnungen", kleinen Hinweisen, dass der Ton nicht authentisch klingt, erzählt Linkedin-Chef Ryan Roslansky im Handelsblatt-Gespräch. Letztlich soll die Community das entscheiden. Der Überzeugung folgend: KI-Schrott bekommt keine Likes.

Social Media ist in Unternehmen angekommen

Klar ist: Zu viele erkennbare KI-Beiträge schaden den Plattformen. Sie nerven die Nutzer. Schon vor Jahren hieß es: Der Höhepunkt sei überschritten, soziale Medien stünden vor dem Kollaps, KI werde die Social-Media-Blase zum Platzen bringen. Wer bleibt noch auf Plattformen, die sich mit künstlichen Inhalten selbst am Leben halten?

Bislang kam es anders. KI nützt dem Geschäft. Mehr KI-Beiträge bedeuten mehr Traffic. Die Erwartungen an authentische, selbstverfasste Kommunikation scheinen abzunehmen. Je mehr Menschen posten, kommentieren und reagieren, desto länger bleiben sie auf der Plattform. Das macht Linkedin für Werbekunden und Abonnenten attraktiver.

Das festigt die Stellung von Linkedin, auch in Unternehmen. Corporate Influencer gehören heute für viele zum Marketing-Mix, etwa für die Arbeitgebermarke. In Kommunikationsstrategien stehen soziale Medien oft ganz oben. Selbst der HR-Markt nutzt Linkedin inzwischen als Anzeigenplattform. So werben etwa Influencerinnen wie Nora Dietrich, Karin Lausch oder Laura Lewandowski für Anbieter, was ihrer Reichweite keinen Abbruch tut.  

Der Social-Media-Berater Hans Neubert schreibt in seinem Buch "Der Social Media Faktor": "Social Media werden in Zukunft zum wichtigsten Marktforschungstool, zum Integrator für Innovationen und zur Basis für Kundenbindung, Produktentwicklung und Branding." Zugleich würden Plattformen kleinteiliger: Mit Nano-Communitys, Mikro-Influencern und lokalen Ökosystemen. KI und soziale Medien wachsen Neubert zufolge weiter zusammen. Organisationen müssten "die Schnittstelle zwischen menschlicher Intuition, Zeitgeist und maschineller Datenanalyse als zentrale Erfolgsressource begreifen und bespielen". 

Daraus ergeben sich für Personalverantwortliche zwei Fragen: Wie finden sie in der Flut von KI-Inhalten selbst Gehör? Und wie erkennen sie, hinter welchen Beiträgen echte Expertise steckt — und welche sie nur vorgaukelt?

Tipp: Hier können Sie das gesamte HR-Influencer-Ranking 2026 des Personalmagazins als PDF herunterladen.

HR und Linkedin

Beginnen wir mit der Frage nach der eigenen Social-Media-Platzierung. Zweifellos bleibt Linkedin mit mehr als 1,3 Milliarden Mitgliedern weltweit, davon 30 Millionen im DACH-Raum, die Plattform der Stunde für HR. Einem Transparenz-Report von Linkedin zufolge loggten sich in Deutschland im zweiten Halbjahr 2025 monatlich 7,7 Millionen Nutzerinnen und Nutzer ein – vier Prozent mehr als im ersten Halbjahr. Im Vergleich zu Instagram und Facebook sind die Zahlen gering. Doch Linkedin hat laut Buffer, einem Anbieter eines Social-Media-Management-Tools, von allen sozialen Netzwerken die höchste Engagement-Rate. 

Dass inzwischen fast alle Vorstände und CEOs von DAX-Konzernen auf Linkedin kommunizieren, ist bemerkenswert. Viele Akzente kommen aus den USA, dennoch liegt das auch an DACH-Chefin Wittmann. Sie hat Linkedin zu der Plattform für beruflichen Kontext im deutschsprachigen Raum gemacht. "Linkedin nutzt schon seit vielen Jahren KI gestützte Systeme, um Inhalte im Feed einzuordnen und an relevante Zielgruppen auszuspielen", erklärt sie. Neu sei, dass man nun mit generativer KI einzuordnen versuche, worum es in einem Beitrag wirklich geht, welche Themen angesprochen werden und für welche Mitglieder diese interessant sein könnten. HR-Influencern empfiehlt sie fachliche Tiefe, Einordnung und eine klare Positionierung. "Wer eigene Erfahrungen teilt, aktuelle Entwicklungen kontextualisiert und Diskussionen anstößt, zahlt langfristig auf die eigene Sichtbarkeit ein", so Wittmann.

Wie der Algorithmus von Linkedin funktioniert, ist ein gut gehütetes Geheimnis. CEO Roslansky gibt im Handelsblatt-Interview ein paar Hinweise: Zunächst prüfe der Algorithmus Datensignale daraufhin, ob die Person, die einen Beitrag verfasst, zu dem Thema Expertise aufweist. Dann checke er Interaktionen, um schließlich denen ein Posting auszuspielen, die darin Mehrwert sehen könnten. Das heißt, thematische Fokussierung und Interaktion legen die Grundlage für hohe Reichweite. Auch in HR gilt: Emotionale Themen laufen besser. Noch heute – selbst, nachdem die große Diversity-Welle vorbei ist – gelingt dies Postings zum Thema Chancengleichheit oder Diskriminierungen meist sehr gut. KI hingegen ist kein Aufhänger, mit dem man das Herz der HR-Community gewinnt.

Neben der Zahl der Followerschaft und Qualität der Beiträge kommt es zudem auf das Geschlecht an. Professorin Fabiola Gerpott von der WHU zeigt in einem Gastbeitrag mit Kolleginnen: Führungskräfte gewinnen Vertrauen, wenn sie Erwartungen brechen. Entscheidend ist, was man ihnen wegen ihres Geschlechts und der damit verbundenen Klischees weniger zutraut. Weibliche Thought Leader überzeugen besonders, wenn sie fachlich auftreten. Männliche Führungskräfte gewinnen eher, wenn sie Persönliches zeigen.

Kognitive Sicherheit stärken

Schwieriger ist für Personalverantwortliche die Frage, wie sie echte Expertise erkennen und nicht in die Gefühlsfalle tappen. Dabei könnte ein noch junges Forschungsfeld rund um den Begriff "kognitive Sicherheit" helfen. Die Idee dahinter: Nicht nur Computer, Netzwerke oder Daten gilt es zu schützen, sondern auch Wahrnehmung, Orientierung, Urteilsfähigkeit und Entscheidungsfreiheit von Menschen und Gesellschaften. Es geht um den Schutz vor manipulativer Einflussnahme im Netz: durch Desinformation, Propaganda, Deepfakes, gezielte Empörung, Bots oder koordinierte Kampagnen. 

Das Konzept umfasst drei Fähigkeiten. Erstens Resilienz: indem man kritisch bleibt und verlässliche Informationsquellen identifiziert. Zweitens situative Aufmerksamkeit: einschätzen lernen und durchschauen, welche Narrative, Akteure, Netzwerke oder Bots am Werk sind und ob es dabei wirklich um Information oder nur um gute Unterhaltung geht. Und drittens Engagement: angemessen auf Versuche der Einflussnahme reagieren, etwa, indem man falschen Behauptungen öffentlich widerspricht und so demokratische Debattenräume pflegt. 

Das heißt für HR-Verantwortliche: Medien finden, denen man vertraut – und sie auch lesen. Natürlich eignet sich auch ein gutes Buch. Entscheidend ist, sich auf komplexe Sachverhalte einzulassen, Kontext, Ursache und Wirkung herzustellen und die Welt nicht nur in unzusammenhängenden Häppchen wahrzunehmen. Aber auch: sich mit anderen analog austauschen, Expertise prüfen und sich über Hintergründe in der Branche informieren. Und nicht zuletzt: Fakten checken. Dabei kann auch KI selbst Teil der Lösung sein. KI-Chatbots ziehen anders als soziale Medien Menschen eher in die politische Mitte. Auch wenn vor allem unbezahlte KI-Lösungen noch zu Halluzinationen neigen: KI kann Hinweise geben, was die Forschung sagt und theoretische Konzepte erklären – solange man die Quellen prüft. 

Das sind die Top HR-Influencer 2026

Das Personalmagazin liefert weitere Hilfestellung, nicht nur über journalistische Inhalte, sondern auch im eigenen Linkedin-Kanal. Alle zwei Jahre stellt die Redaktion eine Auswahl der wichtigsten HR-Influencer zusammen. In diesem Jahr sind es 35 Personen in drei Kategorien: (1) Corporate Influencer, (2) Editor‘s Choice und (3) Topstars. Grundlage war eine Liste mit mehr als 200 Personen aus dem deutschsprachigen Raum, die auf Linkedin aktiv sind. Plattformen wie Instragram und Tiktok blieben unberücksichtigt. Sie sind zwar für die Arbeitgebermarke wichtig, HR-Fachdiskurse finden dort jedoch seltener statt als auf Linkedin.

Die Kriterien für die Auswahl: thematischer Bezug zu HR, Posting-Frequenz und Reichweite. Die Rankings richten sich nach der Zahl der Follower (Stichtag 8. Mai 2026). Der Redaktion ist bewusst, dass dies nicht gleichzusetzen ist mit Reichweite. Likes, Anzahl der Kommentare und deren Qualität zählten ebenso, auch wenn sie sich nicht direkt im Ranking abbilden. Das Personalmagazin hat zudem geprüft, ob jemand regelmäßig Beiträge teilt. Wenn nicht, kam die Person nicht zum Zug. 

Ein Sonderfall ist die Liste Editor‘s Choice. Für diese Kategorie war die Zahl der Follower nicht ausschlaggebend. Hier empfiehlt die Redaktion Personen, die aus ihrer Sicht besondere Aufmerksamkeit verdienen. Die Liste ist deshalb nicht als Ranking zu verstehen. Kriterien waren unter anderem inhaltliche Originalität, fachliche Tiefe und Bedeutung für die HR-Community.

Am Ende beruht die Auswahl auf einer redaktionellen Bewertung – erwogen in ausführlichen Diskussionen. Was alle ausgewählten HR-Influencer eint: Auf ihre Art und Weise beherrschen sie das Spiel mit den sozialen Medien. Ihr Stil kann einem gefallen oder nicht. Es lohnt sich jedoch, ihnen zu folgen, um sich selbst ein Bild zu machen, wie sie vorgehen – und ob sie für einen selbst als Role Model taugen.

Tipp: Hier können Sie das gesamte HR-Influencer-Ranking 2026 des Personalmagazins als PDF herunterladen.


Dieser Beitrag ist erschienen in Personalmagazin 7/2026. Als Abonnent haben Sie Zugang zu diesem Beitrag und allen Artikeln dieser Ausgabe in unserem Digitalmagazin als Desktop-Applikation oder in der Personalmagazin-App.

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