Öffentlich geförderter Wohnungsbau: Hamburg ist Spitzenreiter

Hamburg hat im vergangenen Jahr 192 öffentlich geförderte Mietwohnungen pro 100.000 Einwohner gebilligt. Nach Pro-Kopf-Zahlen steht die Hansestadt damit an der Spitze in Deutschland. Vergleicht man die Bundesländer, sind die Unterschiede bei den Zahlen markant. Kritik gab es aber auch.

Hamburg zeige, "wie moderne Wohnungspolitik für alle Schichten der Gesellschaft funktioniert", lobte Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), die Wohnungspolitik der Hansestadt und die Arbeit der in seinem Verband organisierten Unternehmen. Diese verwalteten mit rund 71.000 Wohnungen "den weitaus größten Teil" des öffentlich geförderten Wohnraums und hätten zwischen 2015 und 2019 rund vier Milliarden Euro in Neubau, Instandhaltung und Modernisierung von Mietwohnungen investiert.

"Wenn ausreichend öffentlich geförderte Wohnungen errichtet werden, dann bleibt die Stadt auch für Menschen mit mittlerem und geringem Einkommen bezahlbar", sagte VNW-Direktor Breitner. Auch in Hamburger Bestlagen wie der Hafencity werden 30 Prozent geförderte Wohnungen gebaut.

Berlin: Bewilligungszahlen für öffentlich geförderte Mietwohnungen halbiert

Laut Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) steht Hamburg mit 192 gebilligten öffentlich geförderten Wohnungen pro 100.000 Einwohner auch bei den Zahlen 2019 an der Spitze, wie bereits im Jahr zuvor mit 163 Wohnungen. Damit wurde die Quote um 18 Prozent gesteigert. Auf Platz zwei folgt in diesem Jahr der Stadtstaat Bremen mit 72 Wohnungen – nach 21 im Jahr 2018 hat sich die Zahl damit mehr als verdreifacht.

Berlin, 2018 auf Platz zwei mit 83 Wohnungen, hat 2019 nur noch 49 Wohnungen in diesem Segment genehmigt und rutscht auf Platz drei. Die Zahl hat sich somit nahezu halbiert. Bayern, 2018 noch auf Platz drei (50 Wohnungen pro 100.000 Einwohner), hat im Berichtszeitraum 2019 noch 45 Wohnungen in der Liste und liegt damit hinter Bremen und Berlin. Alle Zahlen stammen aus der Behörde für Stadtentwicklung aus Hamburg.

Schleswig-Holstein: Unter den Flächenländern eines der aktivsten beim geförderten Wohnungsbau

Schleswig-Holstein kommt mit 34 bewilligten öffentlich geförderten Mietwohnungen pro 100.000 Einwohner im vergangenen Jahr auf den vierten Platz hinter Hamburg, Bremen und Berlin – 2018 waren es 41 Wohnungen pro 100.000 Einwohner. VNW-Direktor Breitner sieht es als Erfolg, dass das Flächenland hinter drei Stadtstaaten und Bayern noch unter den Top 5 rangiert. Er lobte, dass die Landesregierung in Kiel den sozialen Wohnungsbau in diesem Jahr mit mehr als 200 Millionen Euro wieder verstärkt fördern will.

"Weniger gut ist die Tatsache, dass die Zahl der öffentlich geförderten Wohnungen, die pro 100.000 Einwohner bewilligt wurden, gesunken ist", so Breitner. Nur der Bau öffentlich geförderter Wohnungen helfe auf Dauer gegen dramatische Mietenanstiege. Ein Blick nach Hamburg zeige, wie es geht: In den Wirtschaftszentren seien nicht nur klassische Sozialwohnungen, sondern vor allem Wohnungen für Haushalte mit mittlerem Einkommen gefragt, die im sogenannten zweiten Förderweg entstehen. So stiegen etwa in Hamburg die Mieten zwischen 2014 und 2018 nur um 3,3 Prozent, während sich die Löhne um 8,7 Prozent erhöhten. Das Institut der Deutschen Wirtschaft führt den moderaten Anstieg der Mieten in erster Linie auf die Wohnungsbauoffensive zurück.

Bewilligte geförderte Wohnungen pro 100.000 Einwohner in den Bundesländern

Rang 2019BundeslandWohneinheiten (WE)WE, Stand 2018
1Hamburg192163
2Bremen7221
3Berlin4993
4Bayern4550
5Schleswig-Holstein3441
6Nordrhein-Westfalen3034
7Brandenburg2714
8Sachsen2322
9Baden-Württemberg1912
10Thüringen189
11Mecklenburg-Vorpommern184
12Hessen1731
13Niedersachsen1617
14Rheinland-Pfalz1310
15Saarland90
16Sachsen-Anhalt-1

Quelle: Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen, Hamburg

Unklar bleibt: Wie viele der geförderten Wohnungen in Hamburg sind "echte" Sozialwohnungen?

Deutschlandweit seien im vergangenen Jahr 25.565 öffentlich geförderte Mietwohnungen bewilligt worden, davon jede siebte Wohnung – 3.551 an der Zahl – in Hamburg, sagte Stapelfeldt: "Das ist ein beachtlicher Anteil". Die Senatorin kündigte an, dass der Senat für 2020 knapp 300 Millionen Euro für neue Wohnungen für Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen zur Verfügung stellen wolle. Gefördert werden sollen mit dem Geld mindestens 3.000 neue Mietwohnungen. Die Miete liege in der Regel bei 6,50 Euro pro Quadratmeter.

Die wohnungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Heike Sudmann, wiederum warf Stapelfeldt vor, sich den sozialen Wohnungsbau schön zu rechnen. Sie verwies darauf, dass die genannten 3.551 Wohnungen "gerade mal 28 Prozent aller Baugenehmigungen ausmachen". Unklar bleibe zudem, wie viele der geförderten Einheiten echte Sozialwohnungen des ersten Förderwegs sind. Zehntausende Sozialwohnungen fehlten in Hamburg, tausende fielen aus der Sozialbindung.

Die Mindestbindungszeit liegt in Hamburg seit Januar 2019 bei 20 Jahren – im vergangenen Jahr sind nach Angaben der Senatsverwaltung 1.582 Wohnungen mit einer Bindung von 30 Jahren bewilligt worden. Auf Nachfrage betonte ein Sprecher der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen, dass die Stadt unter den Begriff "Sozialwohnungen“ öffentlich geförderte Wohnungen aller Förderwege subsumiert – "wobei die meisten der geförderten neuen Mietwohnungen im ersten Förderweg entstehen", so der Sprecher.

Wie wird gefördert? Erster und zweiter Förderweg

Die Hamburgische Investitions- und Förderbank (IFB Hamburg) bietet nach Angaben des Senats für Stadtentwicklung und Wohnen zwei Förderwege für den Neubau von Mietwohnungen an, den sogenannten ersten Förderweg für niedrige Haushaltseinkommen und den zweiten Förderweg für mittlere Einkommen.

Der erste Förderweg soll den Bau klassischer "echter" Sozialwohnungen sicherstellen. Das Einkommen darf maximal 45 Prozent über den im Wohnraumförderungsgesetz festgelegten Grenzen liegen. Rund 39 Prozent der Hamburger Haushalte können derzeit diesen Förderweg in Anspruch nehmen. Bei Wohnungen, die im Jahr 2019 bewilligt wurden, liegt die Anfangsmiete bei maximal 6,60 Euro pro Quadratmeter. Der Senat fördert pro Jahr zirka 2.200 Sozialwohnungen.

Der zweite Förderweg stärkt den Bau von Mietwohnungen für Haushalte mit mittleren Einkommen, damit sie wegen der steigenden Mieten und des angespannten Hamburger Wohnungsmarktes nicht aus – insbesondere – innerstädtischen Stadtteilen verdrängt werden. Das Einkommen darf maximal 65 Prozent über der Grenze im Wohnraumförderungsgesetz liegen. 49 Prozent der Hamburger können den zweiten Förderweg in Anspruch nehmen. Die monatliche Anfangsmiete liegt bei Mietwohnungen, die 2019 bewilligt wurden, bei 8,70 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Der Senat stellt hierfür jährlich Fördermittel für 800 Wohneinheiten zur Verfügung.

Preise für Mehrfamilien-Baugrundstücke steigen auch in Hamburg

Kontraproduktiv für den sozialen Wohnunsgbau dürfte sein, dass die Preise für Mehrfamilienhaus-Bauplätze im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2018 um sieben Prozent gestiegen sind, wie der aktuelle Hamburger Immobilienmarktbericht zeigt. Im Durchschnitt wurden rund 1.700 Euro pro Quadratmeter Bauwohnfläche gezahlt. Die Zahl der verkauften Bauplätze für den Geschosswohnungsbau ist um 22 Prozent gesunken.

"Diese Zahlen sind beunruhigend, weil sie verdeutlichen, dass in den kommenden Jahren die Errichtung von bezahlbarem Wohnraum deutlich schwieriger als in den vergangenen Jahren werden wird", kritiserte VNW-Chef Breitner. Vom Erwerb eines Grundstücks bis zur Schlüsselübergabe lägen drei bis vier Jahre – es zeichne sich also schon heute ein Rückgang des Wohnungsbaus in naher Zukunft ab.

Die im VNW organisierten Wohnungsunternehmen berichten seit längerem darüber, dass es schwieriger geworden ist, Grundstücke zu finden, die für den Bau bezahlbaren Wohnraums geeignet sind. Die Politik müsse deshalb bauwillige Unternehmen mehr unterstützen, so Breiter. Der Beschluss der Hamburgischen Bürgerschaft, öffentliche Grundstücke künftig vornehmlich im Wege des Erbbaurechts vergeben zu wollen, sei nicht zielführend – und schrecke Unternehmen ab.


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Schlagworte zum Thema:  Wohnungsbau, Sozialwohnung, Wohnungspolitik