Alternative Wohnformen: Tiny Houses werden immer beliebter

Sie sind klug konzipiert, haben intelligente Grundrisse, die Kosten sind überschaubar und der Ressourceneinsatz ist sparsam – das Tiny House entspricht dem Zeitgeist. Knapp jede vierte Person in Deutschland könnte sich vorstellen, auf engstem Raum zu wohnen. Das zeigt eine aktuelle Studie im Auftrag von Interhyp.

Das Interesse an winzigen Häusern nimmt zu. In einer repräsentativen Umfrage von Interhyp sagten 23 Prozent der rund 2.000 befragten Deutschen, sie seien an einem Tiny House interessiert – noch vor zwei Jahren sprachen sich nur 13 Prozent für das Wohnen in den Minihäusern aus.

"Wir sehen in unserer Umfrage, dass das Interesse an Tiny Houses stärker gestiegen ist als das Interesse für andere alternative Wohnformen", sagt Mirjam Mohr, Vorständin für das Privatkundengeschäft der Interhyp AG. Für Baumhäuser können sich 14 Prozent der Umfrageteilnehmer erwärmen, vor zwei Jahren waren es noch elf Prozent. Fünf Prozent mehr Deutsche als 2019 können sich vorstellen, in ein Hausboot zu ziehen – insgesamt sind es nun 34 Prozent. Ökologische Standards wollen knapp die Hälfte aller Befragten (47 Prozent), 2019 waren es 43 Prozent.

Umfrage: Was spricht für ein Tiny House?

In den USA sind Tiny Houses längst etabliert. Großen Zulauf erhielt Wohnform laut Interhyp nach der Finanzkrise 2007/2008, als viele Hauseigentümer überschuldet waren, ihre Häuser aufgeben mussten und der Umzug in ein Tiny House die einzige finanzierbare Alternative darstellte. Kostengründe sind es auch in Deutschland, die den Trend befeuern. Während die Preise für herkömmliche Wohnimmobilien kontinuierlich steigen, liegen die Kosten für ein Tiny House in einem überblickbaren Rahmen von etwa 30.000 bis 80.000 Euro je nach Ausstattung und Materialkosten, erklärt Mohr.

Mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Befragten verbindet geringe Baukosten und sparsames Wohnen mit dem Tiny House. Weniger Zeitaufwand für Putzen und Aufräumen attestieren 41 Prozent dem kleinen Haus, rund ein Drittel (31 Prozent) schätzt das nachhaltige Wohnen, etwas weniger (28 Prozent) die innovative Wohnform und knapp ein Viertel der Befragten (22 Prozent) die Mobilität. Nur ein Drittel der Leute kann sich nicht vorstellen, in so einem Kleinsthaus zu wohnen.

So wird ein Tiny House finanziert?

Eine klassische Baufinanzierung ist laut Interhyp für ein Tiny House nicht zwingend. Ein Konsumentenkredit reiche, ohne dass Eigenkapital eingebracht oder eine grundpfandrechtliche Besicherung abgeschlossen werden müsse. Allerdings sei dann der Zins etwas teurer: "Der effektive Jahreszinssatz für eine Tiny-House-Finanzierung liegt aktuell bei rund 2,7 Prozent", schreibt der Baufinanzierer.

Bei größeren und teureren Minihäusern, etwa im Bereich von 100.000 Euro, die gebaut und fest mit dem eigenen Grundstück verbunden sind, sei prinzipiell auch eine klassische Baufinanzierung möglich. Dafür ist eine grundpfandrechtliche Besicherung nötig. Zudem seien Mindestwohnflächen zu beachten, die bei vielen Banken bei 30 oder 40 Quadratmetern liegen, berichtet Interhyp.

Die Umfrage wurde im Auftrag von Interhyp im Oktober 2021 durchgeführt. Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2.089 Personen teilnahmen. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.


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Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Neubau