Frankfurt platzt aus allen Nähten und hat weiterhin hohe Zuzugsraten. Das Angebot an Wohnraum wird immer knapper.

Der Bedarf an neuem Wohnraum ist da. Frankfurt platzt aus allen Nähten und hat jährlich einen Riesenzuzug.
Klingler: Genau! Und es kann nicht sein, dass jährlich 15.000 Menschen nach Frankfurt kommen und es nur 4.500 verfügbare Einheiten gibt. Denn dann stellt sich die Frage: Wo bleiben die übrigen?

Wenn das Angebot nicht da ist, müssen diese Menschen irgendwo anders hin. Die Frage ist, wohin? An die Ränder, in kleinere Städte außerhalb? Oder sind die Menschen bereit, in der Stadt eine steigende Miete zu zahlen? Wohnraum wird durch diese zusätzliche Nachfrage knapper.

Hohe Zuzugzahlen wegen Geburtenüberschuss und Arbeitsplätzen

Schwebel: 3.000 der 15.000 Menschen sind keine Zuzüge von auswärts, sondern es sind Nettoüberschüsse an Geburten gegen über den Sterbefällen. Das ist eine neue Entwicklung, die es so in den vergangenen 20 Jahren nie gab.

Viel entscheidender ist jedoch die Frage, was die Menschen für eine Wohnung brauchen. Die Quadratmeterzahl pro Kopf der Bevölkerung ist seit den Nachkriegsjahren immer weiter angestiegen.

Ein weiteres Argument ist häufig, dass die Menschen ja nicht nach Frankfurt zu ziehen brauchen. Aber das ist nicht ganz so einfach, weil viel mit den Arbeitsplätzen zusammenhängt. Wir schaffen aktuell im Jahr 13.000 neue Jobs in Frankfurt. Der Arbeitsmarkt vor Ort ist leergefegt, wie im Übrigen in allen anderen großen deutschen Städten auch. Und dann ziehen Menschen aus ländlichen Regionen oder aus anderen Staaten eben hierher. Sie unterschreiben zuerst den Arbeitsvertrag und dann suchen sie sich eine Wohnung. Deshalb ist es auf jeden Fall Fakt, dass man Wohnraum braucht.

Dr. Westphal: Was auch logisch ist: Je mehr wir den Mietwohnungsbau regulieren, desto stärker werden private Projektentwickler und Bauherren in den Eigentumswohnungsmarkt gehen und umso weniger Mietwohnungen werden gebaut.

Immobilienpolitik durch neue Regierung bislang nicht verändert

Welche Meinung haben Sie zur Immobilienpolitik der neuen Bundesregierung?
Dr. Westphal: Da, wo wir persönlich beteiligt sind, tue ich mich schwer, konkrete Fortschritte zu sehen.

Ich glaube, die Situation hat sich nach der Bundestagswahl nicht grundlegend geändert.

Wie sieht es mit sozial geförderten Wohnungen aus?
Dr. Westphal: Wir haben aktuell in der Planung fünf Kindertagesstätten und eine Grundschule – der private Projektentwickler übernimmt inzwischen im Zuge von B-Plan-Verfahren im Wesentlichen die Infrastruktur der öffentlichen Hand. Das machen wir aber gerne.

Besser geworden ist, dass es eine große Anzahl an Programmen für geförderte Wohnungen gibt. Geld ist also genug da und guter Wille ebenfalls.

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Immobilienmarkt Frankfurt: „Wir feiern keine Party“

Kleiner und höher: Mikroapartments und Wohntürme im Aufwind

Büromarkt: Niedrige Renditen, neue Konzepte

Ein Blick in die Zukunft: Wohnen und Arbeiten neu denken​​​​​​​

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