Zinsunsicherheiten und Regulierung: Die Erwartungen der Finanzierer sinken Bild: Haufe Online Redaktion

Der Deutsche Immobilienfinanzierungsindex (DIFI) von JLL und dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sinkt im vierten Quartal 2016 gegenüber dem Vorquartal um 2,3 auf 4,4 Punkte. Das ist der niedrigste Stand seit vier Jahren. Nach dem ersten Halbjahr lag der DIFI noch bei 8,3 Punkten. Der Rückgang beruht auf pessimistischeren Erwartungen bezüglich des Finanzierungsumfelds in den kommenden sechs Monaten.

Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Einschätzungen sinkt im vierten Quartal den Untersuchungen zufolge gemittelt über alle Nutzungsarten um 5,7 auf minus 7,7 Punkte. Es ist das dritte Mal in Folge, dass die Erwartungen der Finanzierer sinken.

„Drei Viertel der Umfrageteilnehmer gehen von unveränderten Finanzierungsbedingungen im kommenden Halbjahr aus“, sagt Dr. Oliver Lerbs, Vize-Bereichsleiter für Internationale Finanzmärkte und Finanzmanagement am ZEW. Laut einer Umfrage von KPMG haben im ersten Halbjahr 2016 rund 90 Prozent der Banken in Europa ihre Aktivitäten im Bereich Immobilienfinanzierung im Vergleich zum Vorjahr konstant gehalten oder sogar ausgeweitet.

Bei der Frage der Entwicklung der Finanzierungslage in den vergangenen sechs Monaten legte der Saldo aus positiven und negativen Antworten im DIFI leicht zu: um 1,1 auf 16,4 Punkte.  Im zweiten Quartal lag der Saldo noch bei 25,5 Punkten.

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Zwar solle bei der Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie unter Federführung der Bundesministerien für Finanzen und Justiz nachgebessert werden und der angedachte Aufbau eines Einzelkreditregisters nicht vollzogen werden, aber Pläne des Bundesfinanzministeriums sorgten für Unsicherheit: Sofern die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Anzeichen für eine Überhitzung des Marktes sehe, müsse sie die Möglichkeit erhalten, die Vergabe von gewerblichen Wohnimmobilienkrediten einzuschränken, so Kreuter.

Finanzierungserwartungen sinken vor allem bei Büro und Einzelhandel

Der Rückgang der Finanzierungserwartungen im DIFI ist vorwiegend auf spürbare Verluste bei den Nutzungsarten Büro und Einzelhandel zurückzuführen. Die entsprechenden Salden sinken um 13,2 beziehungsweise 10,0 Punkte und liegen nun bei minus 13,1 beziehungsweise minus 15,6 Punkten. Bei der Einschätzung der Finanzierungslage der vergangenen sechs Monate verliert das Bürosegment nur marginal, der Saldo für den Einzelhandel liegt 4,9 Punkte unter dem dritten Quartal 2016.

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In den ersten drei Quartalen 2016 wurde Scheunemann zufolge in diesem Segment 40 Prozent weniger Investmentumsatz erzielt als im Vorjahreszeitraum. Zugewinne für Logistik und Wohnen von 3,6 beziehungsweise 6,0 Punkten führen insgesamt zu einer leichten Verbesserung des aggregierten Saldos für die Finanzierungslage. Im zweiten Quartal war bei den Einzelhandelsimmobilien der Saldo um 8,4 auf 13,3 Punkte gesunken, bei den Logistikimmobilien sogar um 13,4 auf 21,3 Punkte.

Refinanzierungsmärkte: Größte Verluste bei Immobilienaktien

Die größten Verluste bei den Refinanzierungsinstrumenten verzeichnen Immobilienaktien. Der Saldo der Lageeinschätzung sinkt um 4,8 auf 8,1 Punkte, bei der Erwartungseinschätzung rutscht er um 21,3 auf minus 14,7 Punkte ab. Pessimistischer waren die Aussichten zuletzt zum Jahresanfang im Kontext der damaligen Aktienmarktturbulenzen.

Was die Zinssätze angeht, erwarten die Umfrageteilnehmer nicht nur ein Ende fallender Zinsen, sondern auch eine Abkehr von der zuletzt beobachtbaren Seitwärtsbewegung. Dafür dürfte insbesondere der internationale Zinszusammenhang maßgeblich sein: So wird etwa die US-Notenbank Fed weiter an einer Strategie der Zinserhöhungen festhalten. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins bisher unverändert gelassen.

Noch im zweiten Quartal 2016 hatten die Aktienmärkte das größte Erwartungsplus auf Sicht von sechs Monaten verzeichnet: der entsprechende Saldo hatte im Vergleich zum ersten Quartal 2016 um 15,8 Punkte zugelegt, verharrte jedoch mit minus 11,2 Punkten im Negativbereich.

Schlagworte zum Thema:  Immobilienfinanzierung, Marktanalyse, Studie, Index

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