Gutachter: Korrektur am Berliner Immobilienmarkt

Noch nie sind in Berlin so wenige Immobilien für so wenig Geld verkauft worden wie in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Betroffen sind vor allem Büros, aber auch Wohn- und Geschäftshäuser, berichtet der Gutachterausschuss für Grundstückswerte. Eigenheime werden gegen den Trend gut gehandelt.

Die Zahl der verkauften Immobilien und Grundstücke in Berlin ist im ersten Halbjahr 2020 deutlich um knapp ein Fünftel (minus 19 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Am auffälligsten war der Einbruch dabei bei den Bürohäusern (minus 53 Prozent). Doch auch Wohn- und Geschäftshäuser, die typischen Berliner Mietshäuser, wurden weniger gehandelt (minus 35 Prozent). Die Zahlen hat der Gutachterausschuss für Grundstückswerte in Berlin veröffentlicht. Berücksichtigt wurden die notariell beurkundeten Kaufverträge, die zwischen Januar und Ende Juni abgeschlossen wurden. Die Zahl der verkauften Wohn-und Geschäftshäuser belief sich im untersuchten Zeitraum auf knapp 149 (Vorjahr: 228), bei den Bürohäusern waren es 34, nach 72 im Vorjahr.

Ganz anders sieht es bei den Ein- und Zweifamilienhäusern aus: 1.236 Eigenheime wurden verkauft, das sind nur drei Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2019. Überraschenderweise gab dagegen die Zahl der verkauften Eigentumswohnungen gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 deutlicher nach, um rund ein Fünftel (minus 21 Prozent). Verkauft wurden 6.489 Eigentumswohnungen.

Preise für Miets- und Geschäftshäuser geben nach

Auch die Preise der verkauften Berliner Immobilien gaben stark nach. So brach alleine der Geldumsatz beim Handel mit Büroimmobilien um knapp 70 Prozent ein, schreiben die Gutachter. Insgesamt sank der Geldumsatz im Jahresvergleich um 43 Prozent. Eine vergleichsweise stabile Marktentwicklung sehen die Gutachter bei Ein- und Zweifamilienhäusern sowie bei Baugrundstücken für den individuellen Wohnungsbau mit einem Anstieg des Geldumsatzes von rund neun beziehungsweise 13 Prozent.

Der durchschnittliche Kaufpreis für Ein- und Zweifamilienhäuser ist um sieben Prozent, bei Neubauten um 17 Prozent gestiegen. Auch die Eigentumswohnungen sind teurer geworden: Im Schnitt sind die Preise um sechs Prozent geklettert. Bei den Wohn- und Geschäftshäusern hat der Gutachterausschuss den durchschnittlichen Kaufpreis um elf Prozent nach unten korrigiert.

Der Umsatz mit Baugrundstücken zur Bebauung mit Ein- und Zweifamilienhäusern zeigt sich den Gutachtern zufolge im Wesentlichen unbeeindruckt von den Trends des Vorjahres. Nach einem etwas stärkeren Rückgang im ersten Quartal, sind die Umsatzzahlen bis Juli um fünf Prozent zurück gegangenen. Die Preise befinden sich mit einem Plus von zehn Prozent weiter in einer Aufwärtsbewegung.

Und was bewirkt der Mietendeckel?

Nichts, sagen die Gutachter: Auswirkungen des Mietendeckels auf den Berliner Immobilienmarkt konnten sie bislang nicht nachweisen. So habe sich etwa bei einer differenzierten Betrachtung nach bezugsfreien und vermieteten Eigentumswohngen keine unterschiedliche Entwicklung gezeigt. Zudem sei bereits im vierten Quartal 2019 gegenüber den entsprechenden Vorjahreszeiträumen sowohl für vermietete als auch für bezugsfreie Eigentumswohnungen eine deutlich erkennbare Abnahme bei der Zahl der abgeschlossenen Verkäufe zu beobachten gewesen.


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