Studie: Verzögerte Fertigstellungen von Wohnungen in Berlin

Trotz des derzeit regen Wohnungsneubaus geht die Fertigstellung von Wohnungen in Berlin nur mit großer Verzögerung voran. Seit 2008 sind in der Bundeshauptstadt nur 54 Prozent aller genehmigten Wohnungen fertiggestellt worden. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Analyseunternehmen Bulwiengesa im Auftrag des BFW Landesverbands Berlin/Brandenburg e.V. erstellt hat.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich laut der Untersuchung ein Genehmigungsüberhang von rund 48.000 Wohnungen aufgebaut. Als Gründe nennt die Studie unter anderem stark verlängerte Planungs- und Genehmigungsprozesse im Wohnungsneubau, die Verknappung von Bauland sowie Investitionskosten, die sich seit 2009 verdoppelt haben. Werde ein Bebauungsplanverfahren durchgeführt, so verlängere dies die Realisierung eines Bauvorhabens zusätzlich: Den Bebauungsplänen, die 2017 festgesetzt wurden, gingen eine durchschnittliche Laufzeit von zwölf Jahren voraus. Dass genehmigte Wohnungen nicht gebaut werden, ist nicht nur ein Berliner Problem, sondern deutschlandweit zu beobachten.

Nur wenige Überhänge wegen Spekulationen

Zwar resultierten laut der Bulwiengesa-Studie rund 10 bis 20 Prozent der Genehmigungsüberhänge aus der Spekulation durch den Weiterverkauf von Grundstücken mit Baugenehmigung. Doch bedeute dies im Umkehrschluss, dass 80 Prozent des Überhangs aufgrund der oben genannten Gründe entsteht.

Vor allem geförderte Mietwohnungen fehlen

Weiter stellt die Untersuchung fest, dass in der Stadt weitaus mehr Mietwohnungen als Eigentumswohnungen errichtet werden, nämlich 70 Prozent im Vergleich zum Wohneigentumsanteil von 30 Prozent. Was die regionale Verteilung betrifft, zeigt sich, dass in den Außenbezirken Berlins die Mietwohnungen dominieren, während in der Innenstadt tendenziell mehr Eigentumswohnungen entstehen.
Rund ein Fünftel (19 Prozent) der Mietwohnungen entstehe als preisgedämpfte Wohneinheiten für Menschen mit geringem Einkommen, heißt es in der Studie. Die Zahl der geförderten Wohnungen werde weiter zunehmen. Allerdings reicht die angestrebte Menge laut der Untersuchung nicht aus. Sie müsste jährlich auf etwa 10.000 Wohnungen verdoppelt werden, um die derzeit etwa 75.000 Wohneinheiten, die bis 2027 vollständig aus der Belegungsbindung entfallen, zu ersetzen. Wohnen in Berlin ist teuer: Die Hauptstadt ist die deutsche Stadt mit dem höchsten jährlichen Mietpreisanstieg.

BFW fordert Einführung einer Förderung

Vor allem für Menschen mit mittleren Einkommen gibt es laut der Untersuchung zu wenig Wohnangebote zur Miete. Daher fordert der BFW Landesverband Berlin-Brandenburg, dringend eine Förderung einzuführen, die auch für diesen Teil der Bevölkerung Wohnungsneubau möglich macht.


„Es ist bereits fünf Minuten nach zwölf. Die Politik ist in der Pflicht, den Wohnungsneubau mit umfassenderen Maßnahmen zu fördern, zu vereinfachen und zu beschleunigen. Das vom Senat verabschiedete Handlungsprogramm kommt angesichts der anstehenden Aufgaben eher einer kosmetischen Korrektur gleich." Susanne Klabe, Geschäftsführerin des BFW Berlin/Brandenburg e.V.

Für die Studie wurden insgesamt 885 Datensätze der firmeneigenen Objektdatenbank ausgewertet. Der Untersuchungszeitraum umfasst die Jahre 2016 bis 2021.

Schlagworte zum Thema:  Baugenehmigung, Wohnungsbau