EU-Standards zur Nachhaltigkeitsberichterstattung

Um die Nachhaltigkeitsberichterstattung vergleichbarer auszugestalten plant die EU eigene Standards zu erlassen, die über delegierte Rechtsakte unmittelbar beachtensnötig für die Unternehmen sind.

Standardisierung

Im Kommissionsvorschlag zur CSRD ist eine Ermächtigung der Europäischen Kommission vorgesehen, EU-Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung mittels delegierter Rechtsakte zu erlassen, um die inhaltlichen Berichtspflichten weiter zu konkretisieren. Hierfür plant die Europäische Kommission auf Standards der European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) zurückzugreifen, die von dieser entwickelt werden sollen.

Bis zum 31. Oktober 2022 soll auf Basis weiterer Arbeiten der EFRAG ein erster delegierter Rechtsakt durch die Europäische Kommission erlassen werden. Dieser delegierte Rechtsakt soll dann mindestens alle drei Jahre einer kritischen Durchsicht unterzogen werden. Ein zweiter delegierter Rechtsakt zu ergänzenden Nachhaltigkeitsaspekten und sektorspezifischen Informationen soll dann bis zum 31. Oktober 2023 erlassen werden. Angesichts der Berichtspflicht kapitalmarktorientierter KMU ab dem 1. Januar 2026 soll die Europäische Kommission bis zum 31. Oktober 2023 ebenso KMU-Standards mittels eines delegierten Rechtsakts erlassen.

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Als Voraussetzung für eine Anerkennung der besagten Standards werden Mindestqualitätskriterien, zu erfassende Inhalte und zu berücksichtigende EU-Vorgaben definiert. Vor allem mit dem Erfordernis der Konnektivität der Berichtsanforderungen mit anderen EU-Vorgaben – wie etwa die Taxonomie-Verordnung oder die Offenlegungs-Verordnung  – begründet die Europäische Kommission die Notwendigkeit eigener EU-Nachhaltigkeitsstandards. Die im Kommissionvorschlag enthaltene Regelung kommt im Ergebnis einem inhaltlich noch sehr vage gehaltenen Endorsement-Verfahren für diese Standards gleich.

Ungeachtet dessen nimmt die Europäische Kommission in der Entwurfsfassung der CSRD auch Bezug auf bereits existierende, globale Standards bzw. Rahmenwerke zur Nachhaltigkeitsberichterstattung; zudem werden die Bestrebungen der IFRS Foundation, eigene globale Nachhaltigkeitsstandards zu entwickeln, zumindest erwähnt. Um eine unnötige regulatorische Fragmentierung der Unternehmensberichterstattung – insbesondere für weltweit agierende Unternehmen – zu vermeiden, sollen die von der EFRAG entwickelten Standards in möglichst enger Abstimmung zu den genannten internationalen Verlautbarungen stehen.

Gem. Kommissionsvorschlag sollen die noch zu entwickelnden Standards der EU zur Nachhaltigkeitsberichterstattung

  • verständlich („understandable“),
  • relevant („relevant“),
  • repräsentativ („representative“),
  • nachprüfbar („verifiable“) sowie
  • vergleichbar („comparable“)

sein und dazu führen, dass Nachhaltigkeitsinformationen in getreuer Art und Weise offengelegt werden („represented in a faithful manner“). In Bezug auf die Berichtsinhalte, welche die Standards abdecken sollen, gibt die Europäische Kommission im Entwurf zur CSRD die Themenbereiche „Environmental“, „Social“ und „Governance“ (ESG) wie folgt vor:

  • Environmental mit Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel, Wasser und Meeresressourcen, Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft, Umweltverschmutzung sowie Biodiversität und Ökosysteme, was deckungsgleich mit den sechs Umweltzielen des Art. 9 der Taxonomie-Verordnung ist;
  • Social mit Gleichberechtigung (z.B. Gender, Personen mit Behinderung), Arbeitsbedingungen (z.B. Sicherheit, Vergütung, Dialog, Work-Life-Balance) sowie Menschenrechte, Grundrechte und demokratische Prinzipien;
  • Governance mit Rolle der Organe (insbesondere hinsichtlich Nachhaltigkeitsfaktoren), Geschäftspraktiken und -kultur, Anti-Korruption, Politisches Engagement (inkl. Lobby-Aktivitäten) und Beziehungen zu Geschäftspartnern.

Praxis-Tipp: Beteiligung an Standardsetzungsprozess

Es erscheint auch gerade angesichts der Zeitknappheit notwendig, den Standardsetzungsprozess intensiv zu begleiten und ggf. über die Interessenverbände hier einzugreifen, damit die Sicht der diese Standards später anzuwendenden Unternehmen nicht zu kurz kommt. Gerade in diesen Themenbereichen sind derzeit starke Lobbyinteressen vieler NGOs vertreten, die die Unternehmensverbände teilweise stark in die Defensive gedrängt haben. Auch wenn das beabsichtigte Ziel sicher grundsätzlich von den allermeisten Unternehmen geteilt wird und auch schon sehr viele nachhaltig unterwegs sind, müssen die Standards letztlich aber auch umsetzbar sein, ohne sich aufgrund unklarer Regelungen in Sanktionsrisiken ausgesetzt zu sehen.

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