Prüfung mit begrenzter Sicherheit

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung muss auch als Teil des Lageberichts lediglich einer Prüfung mit begrenzter Sicherheit (limited assurance) vom Abschlussprüfer unterzogen werden. Der Aufsichtsrat hat nach § 171 AktG jedoch vollständig zu prüfen.

Derzeit kann die nichtfinanzielle Erklärung inhaltlich freiwillig durch den Abschlussprüfer geprüft werden (der Aufsichtsrat hat allerdings auch bislang schon nach § 171 AktG inhaltlich zu prüfen). Gemäß § 317 Abs. 2 Satz 4 HGB ist bislang lediglich das Vorhandensein der nichtfinanziellen (Konzern-) Erklärung oder des gesonderte nichtfinanziellen (Konzern-)Berichts durch den Abschlussprüfer zu bestätigen.

Limited Assurance und Reasonable Assurance

Mit dem Vorschlag zur neuen CSRD wird allerdings die Forderung einer auch inhaltlichen Prüfung erhoben, die allerdings zunächst nur mit begrenzter Sicherheit (Limited Assurance) nötig ist. Doch auch diese Forderung ist anspruchsvoll und bedarf einiger Vorlaufzeit für die Unternehmen, um denselben Reifegrade von finanziellen und nicht-finanziellen Daten (jetzt Nachhaltigkeitsdaten) mittelfristig sicherzustellen. Auch hier müssen erst noch Prüfungsstandards auf Basis der noch zu beschließenden EU-Nachhaltigkeitsberichterstattungsstandards entwickelt werden, wofür die geplanten Zeiträume deutlich zu eng erscheinen. Zudem müssen die (insbesondere neu) betroffenen Unternehmen sowie auch die Prüfungsinstitutionen ausreichend Zeit haben, um geeignete Prozesse und Strukturen etc. einzuführen, um den regulatorischen Anforderungen adäquat entsprechen zu können.

Längerfristig betrachtet dürfte es sich außerdem für die Aussagekraft des Lageberichts und der Nachhaltigkeitsinformationen auf Dauer als unpraktikabel erweisen, wenn innerhalb eines Berichtsinstrumentes zwei verschiedene Prüfungsniveaus (limited und reasonable Assurance) Anwendung finden. Somit dürfte der jetzige Vorschlag ein geeigneter Zwischenschritt sein, um die geplante Anpassung der Anforderungen an die Nachhaltigkeitsdaten auf das Niveau einer reasonable Assurance zu erreichen. Final sollte jedoch sowohl bei den Berichts- wie auch bei den Prüfungsstandards sich die integrierte Sichtweise durchsetzen, damit auch die Konnektivitäten und Interdependenzen der Determinanten des Unternehmenswertes in entscheidungsrelevanter und verlässlicher Form kommuniziert werden können.

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Praxis-Tipp: Glaubwürdigkeit durch eine umfangreichere inhaltliche Prüfung untermauern

Eine umfangreichere inhaltliche Prüfung mit höherem Sicherheitsniveau kann vorgenommen werden, um die Glaubwürdigkeit der eigenen Berichterstattung zu steigern und sich so ggf. von anderen Unternehmen bei den Adressaten zu differenzieren.

Sanktionen

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung soll in die handelsrechtlichen Sanktionierungsregelungen integriert werden. Die EU Kommission schlägt nur vor, dass die Mitgliedstaaten alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass diese Sanktionen durchgesetzt werden und diese wirksam, verhältnismäßig und abschreckend sind. Bei konkreten Verstößen gegen die Nachhaltigkeitsberichterstattung sehen die Mitgliedstaaten mindestens die folgenden Verwaltungsmaßnahmen und Sanktionen vor:

(a) eine öffentliche Erklärung mit Angabe der natürlichen oder juristischen Person mit Identifikation der Verantwortlichen und der Art des Verstoßes;

(b) eine Anordnung, nach der die natürliche Person oder die verantwortliche juristische Person das Verhalten unterbinden muss und jede Wiederholung von diesem Verhalten zu unterlassen hat;

(c) Ordnungsgelder.

Wichtig: Striktere Ahndung von Ordnungswidrigkeiten

Mit dem Gesetz werden alle Ordnungswidrigkeiten im Zusammenhang mit Jahresabschluss, Lagebericht und nichtfinanzieller Erklärung erheblich intensiver geahndet als bisher!