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Der Darstellung nichtfinanzieller Faktoren wird mehr Bedeutung zugemessen. Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

In Zukunft ist zum einen eine nichtfinanzielle Erklärung im bzw. zusammen mit dem Lagebericht oder alternativ auf der Internetseite des Unternehmens zu veröffentlichen. Zum anderen erfolgt ebenfalls bereits für das Geschäftsjahr 2017 eine Ausweitung der Erklärung der Unternehmensführung um weitere Diversitätsangaben.

Die Unternehmensberichterstattung befindet sich in einem Umbruch. Die Tendenz geht dabei weg von der reinen finanziellen Abbildung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage hin zu Darstellung von nichtfinanziellen Faktoren. Schon bisher haben große Kapitalgesellschaften im Lagebericht über die bedeutsamsten nichtfinanzielle Leistungsindikatoren, wie Informationen über Umwelt- und Arbeitnehmerbelange, zu berichten, soweit dies für das Verständnis des Geschäftsverlaufs oder der Lage von Bedeutung sind (§ 289 Abs. 3 HGB). Diese gesetzliche Vorgabe ist in den letzten Jahren zunehmend um Nachhaltigkeitsberichterstattungen auf freiwilliger Basis ergänzt worden, wobei als Stichworte hierzu nur stellvertretend das Framework des International Integrated Reporting Councils (IIRC) und der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) zu nennen sind. Auf diesen Zug ist auch die EU aufgesprungen, indem im November 2014 die RL 2014/95/EU (sog. CSR-Richtlinie) verabschiedet wurde, die eine weitere Ausweitung der pflichtmäßigen Publizität nichtfinanzieller Informationen fordert. Konkret wurde die Bilanzrichtlinie 2013/34/EU geändert und eine Umsetzung von den Mitgliedstaaten bis zum 6.12.2016 gefordert, damit die Berichte pflichtgemäß erstmals für das Geschäftsjahr 2017 von den Unternehmen veröffentlicht werden müssen. Der deutsche Gesetzgeber hat diese Frist nun zwar etwas überzogen, dennoch erfolgte nun die Umsetzung im HGB.

Mehr Gewicht auf Nachhaltigkeit

Als Begründung für die Ausweitung der Berichterstattung über nichtfinanzielle Sachverhalte verweist der europäische Richtliniengeber insbesondere auf das gesunkene Vertrauen des Kapitalmarkts in die Publizitätsqualität von Unternehmen des öffentlichen Interesses (Public Interest Entities – PIEs) (ABlEU Nr. L 330 vom 15.11.2014). Hierbei wird eine neben einer Ausweitung der Corporate Governance-Berichterstattung zur Diversitätspolitik mit der nichtfinanziellen Erklärung der Umfang der Pflichtpublizität zu Nachhaltigkeitsaspekten deutlich vergrößert, wobei eine Abgrenzung überaus schwierig erscheint. Bislang wird von großen Kapitalgesellschaften mit § 289 Abs. 3 HGB gefordert, die wesentlichen nichtfinanziellen Leistungsindikatoren, wie Umwelt- und Arbeitnehmerbelange, im Lagebericht darzustellen, was analog für den Konzernlagebericht gilt. Die Erweiterung der Berichtspflichten hinsichtlich der ökologischen und gesellschaftlichen Aspekte des betrieblichen Handelns führt für die betroffenen Unternehmen nach dem Regierungsentwurf (BT-Drs. 18/9982, S. 37) insgesamt zu einem jährlichen Mehraufwand von bis zu 11,4 Mio. EUR und zu einem einmaligen Umstellungsaufwand von bis zu 38,7 Mio. EUR wobei die Nutzung des Wahlrechts diese Kosten um ca. 10 % reduzieren könnte.

Flexibilität durch Mitgliedstaatenwahlrecht

Aus Flexibilitätsaspekten beinhaltet die CSR-Richtlinie allerdings zahlreiche Mitgliedsstaatenwahlrechte, welche insbesondere den Ausweis und die Prüfung der nichtfinanziellen Erklärung betreffen. Das Ausweiswahlrecht eröffnet die Möglichkeit, die nichtfinanzielle Erklärung entweder innerhalb des (Konzern-)Lageberichts oder im Rahmen eines eigenständigen CSR- oder integrierten Berichts zu veröffentlichen, was der Gesetzgeber mit § 289b Abs. 3 HGB an die deutschen Unternehmen weitergibt. Des Weiteren sieht die Bundesregierung vor, die nichtfinanzielle Erklärung pflichtgemäß nur einer formellen Prüfung durch den Abschlussprüfer zu unterziehen (§ 317 Abs. 2 Satz 4 HGB), was Konflikte mit der Abgrenzung zu den auch inhaltlich prüfungspflichtigen nichtfinanziellen Leistungsindikatoren im Lagebericht aufwirft. Wenngleich diese Mitgliedstaatenwahlrechte eine flexible Transformation der Vorgaben der EU-Richtlinie in nationales Recht ermöglichen, wird dadurch unionsweit die Vergleichbarkeit des nachhaltigkeitsrelevanten Publizitätsverhaltens bestimmter großer Unternehmen geschmälert.

Schlagworte zum Thema:  CSR, Berichterstattung, Lagebericht

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