Rz. 93

Stand: EL 132 – ET: 12/2022

Die ungekürzte Vorsorgepauschale und damit der allgemeine Lohnsteuertarif – die allgemeine Lohnsteuertabelle – ist nur bei einem GesGf anzuwenden, der einen Beitragsanteil zur GRV zu entrichten hat (§ 39b Abs 2 Satz 5 Nr 3, Abs 4 EStG). Andere GesGf, die nicht in der GRV pflichtversichert sind, erhalten die "gekürzte" > Vorsorgepauschale Rz 28, 29 (vgl BMF vom 26.11.2013, BStBl 2013 I, 1532); der LSt-Abzug ist deshalb nach dem besonderen > Lohnsteuertarif Rz 15 ff – der besonderen Lohnsteuertabelle – vorzunehmen.

 

Rz. 94

Stand: EL 132 – ET: 12/2022

Der GesGf muss ggf persönlich für nicht einbehaltene LSt und andere Steuerabzugsbeträge haften (§ 69 AO; zu Einzelheiten > Haftung für Lohnsteuer Rz 155 ff).

 

Rz. 95

Stand: EL 132 – ET: 12/2022

Die im Haftungswege nacherhobenen Beträge kann der GesGf idR als > Werbungskosten abziehen, wenn die Haftung auf einer Pflichtverletzung als Gf beruht. Sogar Zahlungen, die der GesGf aufgrund eines gegen ihn wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung Dritter ergangenen Haftungsbescheids leistet, können WK sein (BFH 205, 56 = BStBl 2004 II, 641). Hat die Pflichtverletzung den GesGf persönlich bereichert oder hat er Angehörigen pflichtwidrig auf Kosten der Gesellschaft Vorteile verschafft, handelt es sich um nicht abziehbare Aufwendungen für die > Lebensführung. Vgl OFD Düsseldorf vom 29.10.1992, DB 1992, 2592 = DStR 1992, 1725; außerdem EFG 1993, 713. Keine WK des GesGf sind ferner Hinterziehungszinsen wegen einer Steuerverkürzung zu Gunsten der GmbH (BFH/NV 1993, 644).

 

Rz. 96

Stand: EL 132 – ET: 12/2022

Schuldzinsen für einen Kredit zur Finanzierung der Anteile an der Gesellschaft sind beim GesGf grundsätzlich WK bei den Einkünften aus Kapitalvermögen (vgl zB BFH 139, 257 = BStBl 1984 II, 29). Die WK sind aber bei Ermittlung der Kapitaleinkünfte nur mit dem Sparer-Pauschbetrag abziehbar (§ 20 Abs 9 EStG; > Abgeltungsteuer Rz 1); anders auf Antrag – vgl § 32d Abs 2 Nr 3 Sätze 1 und 2 EStG.

 

Rz. 97

Stand: EL 132 – ET: 12/2022

Forderungsverzicht: Der Verzicht des Gesellschafters auf Forderungen gegen die KapGes (zB Gehalt, Tantieme, Pensionsanspruch, Darlehen) führt zu einer die > Einkünfte nicht mindernden verdeckten Einlage in Höhe des Teilwerts der Forderung, wenn – wie idR – der Verzicht durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst ist (vgl BFH/NV 1998, 826; BFH 183, 187 = BStBl 1998 II, 307); er führt damit nicht zu WK bei den Einkünften aus § 19 EStG. Zum Verzicht auf eine zugesagte Pension > Rz 77. Zum > Zufluss von Arbeitslohn Rz 24, wenn der GesGf auf Lohn verzichtet; außerdem vgl BFH 232, 501 = BStBl 2014 II, 493. Ebenso, wenn der Gf der KapGes als Gesellschafter beitritt, um seinen Arbeitsplatz zu erhalten (EFG 1999, 885). Ebenso, wenn der mit 20 % beteiligte GesGf einen Verlust der KapGes übernimmt (BFH 169, 148 = BStBl 1993 II, 111) oder > Schadensersatz an die GmbH leistet, um deren Zusammenbruch abzuwenden (BFH 56, 27 = BStBl 1952 III, 12; vgl auch BFH 130, 491 = BStBl 1980 II, 639) oder aus einer Bürgschaft für die KapGes in Anspruch genommen worden ist (BFH/NV 1990, 23; BFH 164, 431 = BStBl 1991 II, 758; BFH/NV 1993, 645; 2007, 1655 [ebenso zur Übernahme von Schulden der Gesellschaft]; EFG 2000, 554; EFG 2001, 632; 970 [zu einem mit 10 % beteiligten Gesellschafter]; EFG 2003, 1298; anders – WK iSv § 19 EStG – EFG 2012, 1136 [zu einem mit 8,7 % beteiligten GesGf]; anders auch BFH 251, 429 = BStBl 2016 II, 305; > Bürgschaft Rz 2). Zum abstrakten Schuldanerkenntnis vgl BFH/NV 2006, 33. Nachträgliche Anschaffungskosten für die Beteiligung sind Leistungen aufgrund einer vom GesGf unentgeltlich übernommenen Bürgschaft auch dann, wenn sich die KapGes in einer Krise befunden hat und die Leistungen aufgrund der Bürgschaft deshalb den Nachschuss von Eigenkapital ersetzen sollte (BFH 189, 383 = BStBl 1999 II, 817). Der Ausfall eines in der Krise der KapGes gewährten Darlehens führt ebenso nicht zu WK beim GesGf (EFG 2005, 1535). Zum Abzug von WK beim Verzicht auf ein > Darlehen Rz 80 vgl aber BFH 232, 86 = BStBl 2012 II, 24; EFG 2013, 1113 – NZB als unzulässig verworfen, BFH-Beschluss vom 29.07.2013 – VI B 11/13, nicht dokumentiert. Zur steuerlichen Behandlung der Wertminderung eines der KapGes von einem wesentlich beteiligten Gesellschafter (§ 17 EStG) in einer Krisensituation gewährten Darlehens vgl BMF vom 07.06.2022, BStBl 2022 I, 897. Ebenso zu AK kann führen, wenn eine dem GesGf nahestehende Person auf eine Forderung gegen die KapGes verzichtet. Wegen anderer Fälle > Schadensersatz Rz 32. Zur Tilgung von Geschäftsschulden durch den GesGf vgl BFH/NV 2007, 1655; ergänzend > Außergewöhnliche Belastungen Rz 75 Gesellschafter-Geschäftsführer.

 

Rz. 98

Stand: EL 132 – ET: 12/2022

Besteht gegen den GesGf ein Anspruch auf Rückzahlung einer nicht geschuldeten Vergütung, gehören dazu auch die abgeführten Steuerabzugsbeträge (BGH vom 26.11.2007 – II ZR 161/06, DB 2008, 50). Verzichtet die KapGes auf die Geltendmachung etwaiger Ansprüche auf > Schadensersatz, füh...

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