Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / C. Darlehen an den Arbeitgeber
 

Rz. 76

Stand: EL 107 – ET: 09/2015

Auch ArbN gewähren ihrerseits dem arbeitgebenden Unternehmen Darlehen. So zB als Vorstufe des Erwerbs von >  Vermögensbeteiligungen unter Inanspruchnahme eines Steuerfreibetrags nach § 3 Nr 39 EStGMitarbeiterkapitalbeteiligung). Ferner bei der Anlage vermögenswirksamer Leistungen gemäß § 2 Abs 1 Nr 2 Buchst k 5. VermBG (vgl Abschn 4 Abs 10 VermBErl [> Anh 5.3]; > Vermögensbildung der Arbeitnehmer Rz 50).

 

Rz. 77

Stand: EL 107 – ET: 09/2015

Bei fehlender Liquidität des ArbG kann der ArbN auf Grund einer Sondervereinbarung auch einen Teil des bereits fällig gewordenen Arbeitslohns dem ArbG als Darlehen zur Verfügung stellen; zB indem Teile des Arbeitslohns gestundet werden. Aus dem Arbeitslohn gewährt der ArbN ein Darlehen aber nur, wenn ihm dieser zunächst zugeflossen und der LSt-Abzug vorgenommen worden ist. > Zufluss von Arbeitslohn Rz 5. Zum Verlust des Darlehens > Rz 80.

 

Rz. 78

Stand: EL 107 – ET: 09/2015

Gewährt ein ArbN seinem ArbG ein Darlehen, so gehört der hierfür gezahlte Zins grundsätzlich zu den Einkünften aus Kapitalvermögen (vgl zB § 20 Abs 1 Satz 1 Nr 7 EStG). Für solche Zinsen gibt es den Sparer-Pauschbetrag des § 20 Abs 9 EStG. Je nach Branche kann auch KapESt in Betracht kommen (vgl zB § 43 Abs 1 Satz 1 Nr 7 EStG). Zu Besonderheiten > Gesellschafter-Geschäftsführer von Kapitalgesellschaften Rz 3 ff (9, 9/1).

 

Rz. 79

Stand: EL 107 – ET: 09/2015

Zahlt der ArbG allerdings einen Zinssatz, der den bei Kreditinstituten üblichen Zins für vergleichbare Darlehen übersteigt, so gehört der "Überzins", den der Mitarbeiter erhält, zu dessen stpfl Arbeitslohn, der dem LSt-Abzug unterliegt und der auch beitragspflichtig in der SozVers ist (> Arbeitslohn Rz 133/1). Vergleichbar ist nur ein Zinssatz, der am Kapitalmarkt für Darlehen gleicher Größe und Laufzeit an Schuldner vergleichbarer Bonität zur gleichen Zeit erzielt wird, wenn auch andere für den Zins wesentliche Bedingungen wie zB Kündbarkeit des Darlehens vergleichbar sind. Die Zinsbedingungen für Großkunden der Banken können zum Vergleich nur herangezogen werden, wenn der ArbN selbst Großkunde ist (BFH 171, 74 = BStBl 1993 II, 687). Aus Vereinfachungsgründen behandelt die FinVerw einen solchen Überzins aber nur dann als Arbeitslohn, wenn der Zinssatz um mehr als 1 % über dem Vergleichszinssatz entsprechender Einlagen bei Kreditinstituten liegt (DB 1993, 1493). Es handelt sich insoweit um eine sog Freigrenze, dh bei Überschreiten der Grenze von 1 % (Beispiel: Zins für Betriebsangehörige = 6,5 % – Zins für betriebsfremde Kunden 4 %) gehört der gesamte Differenzbetrag (im Beispielsfall 2,5 %) und nicht etwa nur der Teil, der 1 % überschreitet, zum stpfl Arbeitslohn. Ergänzend > Bankgewerbe.

 

Rz. 80

Stand: EL 107 – ET: 09/2015

Der Verlust eines normal verzinslichen Darlehens an den ArbG kann zu WK führen, wenn es zur Sicherung des Arbeitsplatzes gegeben wurde (BFH 171, 275 = BStBl 1993 II, 663; BFH/NV 1993, 654; 2002, 1572) oder der ArbG ohne das Darlehen den ArbN nicht hätte entlohnen können (BFH 245, 33= BStBl 2014 II, 850). Voraussetzung ist, dass der ArbN das Risiko des Darlehensverlustes aus beruflichen Gründen bewusst auf sich genommen hat. Berufliche Gründe können angenommen werden, wenn ein Außenstehender – besonders eine Bank – mit Rücksicht auf die Gefährdung der Forderung das Darlehen nicht gewährt haben würde. Ist dies der Fall, kommt es nicht darauf an, ob das Darlehen unmittelbar mit der insolvenzbedrohten arbeitgebenden GmbH oder mit dem alleinigen Gesellschafter-Geschäftsführer vereinbart wurde; es ist dann nur die berufliche Veranlassung und der konkrete Verwendungszweck des Darlehens maßgebend (BFH 220, 407 = BStBl 2010 II, 48). Beteiligt sich der ArbN am arbeitgebenden Unternehmen, führt der Verlust grundsätzlich nicht zu WK bei seinen Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit (BFH 177, 472 = BStBl 1995 II, 644; BFH/NV 2006, 542); im Ergebnis ebenso BFH/NV 2005, 202 zum Darlehensverlust bei fehlgeschlagener Beteiligung an einer arbeitgebenden KG. Andererseits kann der Verlust aus einem Darlehen, dass der Gesellschafter in dieser Eigenschaft gewährt hat, zu WK führen, wenn der Verzicht auf dem gleichzeitig bestehenden Dienstverhältnis beruht (BFH 232, 86 = BStBl 2012 II, 24). Zum Verlust eines zur Arbeitsplatzsicherung gewährten Darlehens als WK vgl außerdem BFH 156, 95 = BStBl 1989 II, 382; Söffing, FR 1989, 277, sowie von Bornhaupt, FR 1989, 423. Zu weiteren Hinweisen > Bürgschaft, > Gehaltsverzicht, > Rückzahlung von Arbeitslohn, > Werbungskosten Rz 18 ff, 33 ff, 41 ff.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Hartz, ABC-Führer Lohnsteuer (Schäffer-Poeschel). Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Hartz, ABC-Führer Lohnsteuer (Schäffer-Poeschel) 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge