Duale Ausbildung

Trendwende auf dem Ausbildungsmarkt


Zwei junge Maenner, einer asiatisch, sitzen aussen auf Fenstersim

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt spitzt sich zu. Immer weniger angehende Azubis können zwischen mehreren Angeboten wählen. Zudem scheint das Azubi-Recruiting für viele Betriebe an Bedeutung verloren zu haben: Nur 39 Prozent informieren in ihren Stellenanzeigen darüber, wie die Ausbildung abläuft.

Einen deutlichen Trend zum Arbeitgebermarkt in der dualen Ausbildung stellt die aktuelle Studie "Azubi-Recruiting-Trends" des U-Form Verlags und des Ausbildungsportals Aubi-Plus fest. Dafür wurden in diesem Jahr über 9.500 Schülerinnen, Schüler, dual Studierende und Azubis sowie mehr als 2.000 Ausbildungsverantwortliche befragt.

Schon im Vorjahr zeichnete sich eine Trendwende ab: 2025 war die Zahl der Azubis, die mehr als ein Angebot für einen Ausbildungsplatz erhielten, auf unter 50 Prozent gesunken. In diesem Jahr berichten nur noch drei von zehn Befragten, dass sie zwei Angebote oder mehr vorliegen haben. Das ist die niedrigste Zahl seit der ersten Messung im Jahr 2014.

Dennoch bieten die Zahlen keinen Anlass zur Entwarnung: Jeder dritte Ausbildungsbetrieb gibt an, nicht alle Ausbildungsplätze besetzen zu können.

Ausbildungsmarkt: Infolücken in Stellenanzeigen

Ist das geänderte Machtverhältnis auf dem Ausbildungsmarkt ein Grund, weshalb Ausbildungsunternehmen in Stellenanzeigen wenig konkret werden? Nur 43 Prozent der Betriebe informieren dort zu den Perspektiven nach der Ausbildung, nur 39 informieren über den Ablauf der Ausbildung und nur 46 Prozent geben die Ausbildungsvergütung als konkreten Betrag an.

Die Befragung macht darüber hinaus deutlich, dass die Ausbildungsbetriebe den in ihren Stellenanzeigen veröffentlichten Anforderungskatalog nicht ernstnehmen. Nur sechs Prozent der Befragten sagen, dass sie ausschließlich diejenigen Bewerberinnen und Bewerber einladen, die von fünf genannten Kriterien vier oder fünf erfüllen. 65 Prozent der Betriebe stimmen dem Statement zu: "Der Gesamteindruck ist uns wichtiger als die Anzahl der erfüllten Anforderungen."

Die Ausbildungsplatzsuchenden legen dagegen deutlich strengere Maßstäbe an: Insgesamt 37 Prozent würden sich nur dann bewerben, wenn sie vier oder fünf von fünf Anforderungen erfüllen. Das gilt vor allem für die weiblichen Befragten. Männliche Bewerber sind viel eher bereit, sich zu bewerben, auch wenn sie die Anforderungen nur zum geringen Teil erfüllen.

Was Azubis wollen – und Betriebe bieten

Ein Ungleichgewicht gibt es auch bei den von den Azubis gewünschten Benefits und den Angeboten der Unternehmen sowie den im Ausbildungsmarketing kommunizierten Extras. Eine höhere Ausbildungsvergütung als allgemein üblich wirkt auf 88 Prozent der Jugendlichen als wichtiges Argument für einen Arbeitgeber. Aber nur 35 Prozent der Unternehmen bieten diese an und kommunizieren sie auch. Weitere 23 Prozent zahlen eine höhere Vergütung, sprechen aber nicht aktiv darüber – lassen also wichtige Chancen im Azubimarketing ungenutzt.

Noch größer ist die Lücke bei Prämien für bestandene Abschlussprüfungen: 80 Prozent der Azubis finden sie attraktiv – aber nur 15 Prozent der Unternehmen zahlen sie und kommunizieren das auch. 23 Prozent zahlen zwar Prämien, aber kommunizieren nichts dazu.

Ganz ähnliche Werte weisen Zusatzqualifikationen während der Ausbildung auf (78 Prozent der befragten Azubis wünschen sich dies) sowie eine Übernahmegarantie nach der Abschlussprüfung (77 Prozent). Die Zahl der Unternehmen, die solche Benefits anbieten, liegt im niedrigen Prozentbereich.

Ausbildungsplätze: Gesucht wird auf Google

Obwohl sich Künstliche Intelligenz (KI) mittlerweile in alle Lebensbereiche eingeschlichen hat, gerade bei der jungen Generation, suchen Interessierte einen Ausbildungsplatz vor allem per Google (69 Prozent). Der Abstand zu anderen Kanälen ist groß. Gut die Hälfte der Jugendlichen (52 Prozent) hört auf die Empfehlungen von Freunden und Familie, jeweils 44 Prozent nutzen Jobbörsen beziehungsweise die Webseiten der Ausbildungsbetriebe. Als eher zweitrangige Kanäle folgen die Agentur für Arbeit (40 Prozent), Messen (32 Prozent), Social Media und Lehrerinnen und Lehrer (jeweils 24 Prozent); erst dann folgen KI-Tools wie Chat GPT (elf Prozent). In Printmedien wie Tageszeitungen suchen nur noch fünf Prozent der Ausbildungsplatzsuchenden.

Fragt man die Zielgruppe allerdings gezielt nach dem Einsatz von KI bei der Ausbildungssuche, fällt das Ergebnis anders aus: Auf die Frage "Hast du schon Chat GPT, Gemini & Co. genutzt, um einen passenden Ausbildungsplatz zu finden?" antworten 37 Prozent mit "Ja".

KI in der Ausbildung

Auch im Ausbildungsverlauf ist KI ein Thema. 85 Prozent der Azubis haben schon einmal KI-Tools wie Chat GPT oder Gemini im Ausbildungskontext genutzt, bei 15 Prozent ist das nicht der Fall. 53 Prozent der Befragten denken "öfter" oder "manchmal", dass KI ein Thema verständlicher erklären kann als die eigenen Ausbilderinnen und Ausbilder. 74 Prozent sind überzeugt, dass KI besser erklären kann als die Lehrerinnen und Lehrer in der Berufsschule. Zudem berichten 62 Prozent der Ausbildungsverantwortlichen, dass Azubis bei Fragen zur Ausbildung lieber die KI als sie selbst fragen.

85 Prozent der Azubis schätzen sich mit Blick auf die eigene KI-Kompetenz als "sehr fit" oder "eher fit" ein. Bei den Ausbildungsverantwortlichen sind lediglich 54 Prozent der Meinung, KI-Kompetenz zu besitzen. Erst 15 Prozent der Azubis haben schon einmal an einer KI-Weiterbildung teilgenommen, bei den Ausbildern sind es immerhin 39 Prozent. 78 Prozent der Azubis trauen sich dennoch selbst am meisten im Umgang mit KI zu, den Ausbildern im Betrieb hingegen nur 14 Prozent, den Lehrern in der Berufsschule nur sieben Prozent.

Mentale Gesundheit in der Ausbildung

Ein Thema, das in der dualen Ausbildung immer mehr Raum einnimmt, ist die mentale Gesundheit der Azubis. Laut Studie war ein Viertel der Azubis schon einmal wegen einer psychischen Belastung krankgemeldet, weitere 15 Prozent wegen familiären oder privaten Problemen. Auch 85 Prozent der Ausbilder sagen, dass die eigenen Azubis stärker psychisch belastet seien als vor Corona. Als Gründe für zunehmende Fehlzeiten nennen sie am häufigsten "geringe Belastbarkeit" (34 Prozent) und "psychische Belastung/Überforderung" (29 Prozent).


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