Berufsbildungsbericht

Sorgenkind duale Berufsausbildung


Zimmermann erklärt

Die duale Berufsausbildung in Deutschland galt früher als Vorbild, heute kann sie als Sorgenkind eingestuft werden. 2025 haben die Azubi-Zahlen und die angebotenen Ausbildungsstellen weiter abgenommen, bei den unversorgten Azubi-Bewerberinnen und -Bewerbern gab es jedoch einen neuen Höchststand.

Im längeren Zeitvergleich ist die Zahl der Auszubildenden in Deutschland deutlich zurückgegangen. 2024 absolvierten rund 1,22 Millionen Menschen eine Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf. 2010 waren es noch 1,51 Millionen Azubis. Diese Entwicklung ist laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) auf demografiebedingt sinkende Schulabgängerzahlen, aber auch auf den Trend zu höheren Schulabschlüssen und infolgedessen mehr Studienanfängern zurückzuführen. Auch die Coronapandemie hatte für Einbußen in der dualen Berufsausbildung gesorgt. Davon hatte sich der Ausbildungsmarkt bis 2023 etwas erholt. Seitdem gehen die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge jedoch wieder bergab.

Weniger Ausbildungsverträge, deutlich weniger Ausbildungsstellen

Nach den aktuellen Erhebungen des BIBB zum Berufsbildungsbericht wurden am 30. September 2025 rund 476.000 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge gezählt. Das waren 10.300 weniger als 2024 (minus 2,1 Prozent). Die Zahl der betrieblichen Verträge ist sogar um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Die Zahl der außerbetrieblichen Verträge dagegen stieg um 12,3 Prozent.

Rückgänge gab es erneut beim Ausbildungsangebot. Hier fiel das Minus in diesem Jahr sogar ziemlich deutlich aus: Bundesweit wurden 530.300 Ausbildungsstellen angeboten. Das waren 25.300 Stellen weniger als im Vorjahr (minus 4,6 Prozent). Besonders stark war der Rückgang im betrieblichen Ausbildungsangebot (ohne überwiegend öffentlich finanzierte Ausbildungsstellen). Dieses lag bei 515.300 Ausbildungsplätzen und damit 5,0 Prozent unter dem Vorjahr.

Erweiterte Nachfrage nach Ausbildungsplätzen steigt leicht an

Die Nachfrage nach einer Ausbildungsstelle errechnet sich aus der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge zuzüglich der Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) gemeldeten Personen, die noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind. Nach der traditionellen Definition lag die Nachfrage 2025 bei 515.800 Personen. Das sind 1.600 weniger als 2024 (minus 0,3 Prozent). Nach der erweiterten Definition, die auch Bewerberinnen und Bewerber mit Alternative und weiterem Vermittlungswunsch einbezieht, ist sie auf 560.300 gestiegen (plus 0,7 Prozent).

Mehr Ausbildungsplatzsuchende als unbesetzte Stellen

Am 30. September 2025 waren noch 39.900 Bewerberinnen und Bewerber unversorgt. Das ist ein neuer Höchststand seit 2009. Verglichen mit dem Vorjahr ist die Zahl der Unversorgten um 8.700 gestiegen (plus 28 Prozent).

Auch die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber mit Alternative und weiterem Vermittlungswunsch in Ausbildung lag mit 44.500 über dem Vorjahresniveau (plus 13,4 Prozent). Insgesamt waren somit 84.400 Bewerberinnen und Bewerber auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle und wünschten eine entsprechende Vermittlung durch die BA. Das sind 14.000 mehr als im Vorjahr.

Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen ist 2025 erneut gesunken. Sie ging um 15.000 (minus 21,6 Prozent) zurück. Somit wies die Statistik der BA zum 30. September 2025 mehr noch suchende Bewerberinnen und Bewerber als unbesetzte Stellen aus.

Ausbildungsangebot und -nachfrage schwierig zusammenzubringen

Nach wie vor ist es laut Berufsbildungsbericht schwierig, Ausbildungsangebot und -nachfrage zusammenzuführen. Während der Anteil unbesetzter Stellen am Gesamtangebot wieder leicht gesunken ist, fiel der Anteil der noch suchenden Bewerberinnen und Bewerber an der Gesamtnachfrage höher aus. Dabei gibt es erhebliche Unterschiede zwischen Berufen und Regionen. Besonders hoch ist die Zahl der unversorgten Ausbildungsplatzsuchenden in Nordrhein-Westfalen.

Diese Berufswünsche von Azubis werden selten erfüllt

Die Berufswünsche, die nicht erfüllt werden konnten, wurden von Mediengstalter/in Bild und Ton, Sport- und Fitnesskaufmann/-frau, Mediengestalter/in Digital und Print, Gestalter/in für visuelles Marketing und Tierpfleger/in angeführt (jeweils 40 bis 50 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber fanden keinen Platz). Die Ausbildungswünsche für Kaufleute im E-Commerce, Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, Fachkräfte für Schutz und Sicherheit, Kaufleute für Marketingkommunikation und Floristen/innen konnten bei rund einem Drittel der Suchenden nicht erfüllt werden.

Diese Ausbildungsberufe sind wenig begehrt

Die Liste der Berufe, in denen besonders viele Ausbildungsplätze unbesetzt blieben, wird vor allem von Handwerksberufen bestimmt: Ausbildungen zum/zur Klempner/in, Rohrleitungsbauer/in, Beton- und Stahlbetonbauer/in, Fleischer/in und Glaser/in konnten in über 30 bis 40 Prozent der Fälle nicht besetzt werden. Bei Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk, Steinmetz/in, Kaufmann/-frau im Einzelhandel, Hörakustiker/in oder Gerüstbauer/in blieben 25 bis 30 Prozent der angebotenen Ausbildungsplätze offen.


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