Die Ausbildungslücke wächst
Weniger Ausbildungsverträge, weniger Ausbildungsangebote, aber mehr Nachfrage und mehr unversorgte Bewerberinnen und Bewerber – so lassen sich die Ergebnisse des Berufsbildungsberichts 2025 in einem Satz zusammenfassen. Etwas ausführlicher und mit konkreten Zahlen belegt heißt das: Zum 30. September 2024 wurden 486.700 abgeschlossene Ausbildungsverträge gezählt. Das waren 2.500 beziehungsweise 0,5 Prozent weniger als im Vorjahr.
Ursächlich dafür ist nicht so sehr eine rückläufige Ausbildungsbereitschaft in den Unternehmen, sondern es sind eher Rückgänge bei der schulischen Berufsausbildung. Die Zahl der betrieblichen Verträge lag mit 473.400 minimal unter dem Vorjahresniveau (minus 1.500 Verträge beziehungsweise 0,3 Prozent). Die Zahl der außerbetrieblichen Verträge ging um 1.000 beziehungsweise 7,1 Prozent auf 13.300 zurück.
Betriebliche Ausbildungsplätze gehen um 5.500 zurück
Dennoch: Nicht nur die Anzahl der abgeschlossenen Verträge, sondern auch die Zahl der angebotenen Ausbildungsstellen ging zurück. Bundesweit wurden 556.100 Ausbildungsstellen angeboten. Das Ausbildungsangebot (neu abgeschlossene Ausbildungsverträge plus unbesetzte Berufsausbildungsstellen) fiel somit 6.500 Stellen niedriger aus als im Vorjahr (minus 1,2 Prozent). Das betriebliche Ausbildungsangebot (ohne überwiegend öffentlich finanzierte Ausbildungsstellen) lag bei 542.800. Somit haben Unternehmen in Deutschland 5.500 Ausbildungsplätze weniger zu Verfügung gestellt als im Vorjahr (minus 1,0 Prozent).
Mehr Nachfrage nach dualer Berufsausbildung
Anders sieht es auf der Nachfrageseite aus. In den Vorjahren war die Nachfrage nach dualer Berufsausbildung zurückgegangen. Nun suchen zum zweiten Mal in Folge mehr junge Menschen nach Ausbildungsplätzen. 517.900 junge Menschen sahen sich 2024 nach einer Berufsausbildung um. Das sind 2.300 mehr als 2023 (plus 0,4 Prozent). Die Nachfrage nach Ausbildung errechnet sich aus der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge (realisierte Nachfrage) zuzüglich der Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Personen, die noch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle sind.
Die Probleme auf dem Ausbildungsmarkt bleiben bestehen
Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen ist 2024 nicht weiter gestiegen, sondern sank im Vergleich zum Vorjahr um 4.000 auf 69.000 (minus 5,5 Prozent). Somit wies die Statistik der Bundesagentur für Arbeit zum 30. September – anders als in den beiden Vorjahren – mehr suchende Bewerberinnen und Bewerber als unbesetzte Stellen aus. Insgesamt suchten zu diesem Stichtag immer noch 70.400 Personen nach einem Ausbildungsplatz. Das sind knapp 7.000 mehr als im Vorjahr.
Auch wenn rein rechnerisch für einen Großteil der über 70.000 Personen, die 2024 einen Ausbildungsplatz suchten, immer noch einer vorhanden gewesen wäre, weist der aktuelle Berufsbildungsbericht auf mehrere Schwächen im System duale Berufsausbildung hin: Die schwache Wirtschaftslage führt zu einer nachlassenden Arbeitskräftenachfrage und dementsprechend auch zu einem geringeren Ausbildungsangebot. Damit denken die Unternehmen jedoch zu kurz, denn das Ausscheiden von bis zu 4,5 Millionen Fachkräften aus dem Arbeitsmarkt wird sich besonders stark bei den Fachkräften mit abgeschossener Berufsausbildung bemerkbar machen. "Hinzu kommt, dass diese Entwicklung nicht durch den Eintritt junger Fachkräfte ausgeglichen werden kann, da demografisch bedingt die Anzahl angehender Fachkräfte ebenfalls rückläufig ist. Vor diesem Hintergrund gilt es, die vorhandenen Potenziale der beruflichen Bildung bestmöglich zu nutzen", so die Studienautoren.
Herausforderung: Matching von Ausbildungsangebot und -nachfrage
Als große Herausforderung gilt es weiterhin, Betriebe und junge Menschen zusammenzuführen. So blieben im Handwerk rund 19.000 und damit 18 Prozent aller betrieblichen Ausbildungsstellen unbesetzt. Im Bereich Industrie und Handel fanden sogar 42.000 der Ausbildungsplätze keine Azubis. Laut Berufsbildungsbericht nehmen die Besetzungs- und Versorgungsschwierigkeiten aufgrund regionaler, beruflicher und qualifikatorischer Unvereinbarkeiten zu: Ausbildungsbewerberinnen und -bewerber suchen zum Teil nicht in der Region, in der die Stellen ausgeschrieben sind. Berufliche Interessen und individuelle Fähigkeiten passen häufig nicht zu den angebotenen Ausbildungsstellen. Daher gilt es, Betriebe und junge Menschen entsprechend ihrer Interessen und Bedarfe zusammenzubringen.
Bessere Berufsorientierung in den Schulen gefordert
An diesem Punkt setzt auch der Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in seiner Stellungnahme zum Berufsbildungsbericht an: Zur Stärkung der Berufsbildung sowie zur Steigerung der Neuvertragszahlen seien unter anderem eine Reduktion der Passungsprobleme am Ausbildungsmarkt, eine Erhöhung des Stellenwerts der beruflichen Orientierung an allen Schulen sowie eine Förderung der Gleichwertigkeit zwischen akademischer und beruflicher Bildung erforderlich. Dementsprechend ruft er die Bundesregierung dazu auf, "die Berufsbildung im Blick zu behalten und hier deutlich spürbare Impulse zu setzen."
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