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10.03.2014 | Serie Kolumne Talent Management

Wie Talente schon früh Strategiekompetenz entwickeln

Serienelemente
Talentmanagement-Experte Martin Claßen
Bild: Claßen

Stellenanzeigen wimmeln von Anforderungen an die "Soft Skills" der Kandidaten. Besonders häufig darunter: die Strategiekompetenz. Kolumnist Martin Claßen zeigt heute, wie Talente schon (sehr) früh, genau diese Kompetenz erlernen - ein prominentes Beispiel inklusive.

Zu den höchsten Gütern der besonders Guten gehört Strategiekompetenz. In Stellenprofilen steht kein Begriff häufiger, das Wörtchen Empathie vielleicht ausgenommen. Nun ist das mit der Strategiekompetenz so eine Sache. Viele reklamieren sie für sich und diffamieren andere mit deren strategischer Abstinenz. Denn die Fähigkeit zum weiten Vorauszielen, Vorausdenken, Vorausplanen ist in den vom Tagesgeschäft gefluteten Unternehmen alles andere als leicht.

In den heiligen Gral wahrer Strategen wird jedoch nur eine sehr kleine Kaste von Menschen einer Organisation eingelassen. Die auf alle Unheiligen herablassend niederschaut. An einer solchen Aura ist nicht mehr zu kratzen. Dies wäre Frevel.

Frühkindliche Sozialisation statt langjähriger Strategieschmieden

Vergessen Sie Strategieschmieden wie Harvard, McKinsey & Co. mit ihren anmaßenden Veredelungszeremonien – das kommt viel zu spät im Lebenszyklus wahrere Meister. Strategiekompetenz wird entweder qua Geburt vererbt oder entsteht in frühkindlicher Sozialisation. Ein gutes Beispiel für diesen zweiten Zugang ist unsere Bundeskanzlerin. Bei ihr gab es von klein auf erhebliche motorische Entwicklungsstörungen. Selbst mit drei Jahren konnte sie noch nicht richtig laufen. Treppen waren ihr ein fast unüberwindbarer Berg. Gibt sie selber zu, Angela Merkel bezeichnete sich mal als „kleiner Bewegungsidiot“.

Ihr Biograph Gerd Langguth konkretisiert dies: „Diese Mühen mit dem Gehen führten dazu, dass sie später nicht selten den drei Jahre jüngeren Bruder losschickte, wenn sie etwas haben wollte, während sie hinter den Gittern des Laufstalls der Dinge harrte, die da kommen sollten, oder dass sie noch im Alter von zwölf Jahren jeden selbst zu machenden Gang penibel im Voraus plante, damit sie ja nicht ein- der zweimal zu viel eine Treppe bezwingen musste“. Das ist echte Strategiekompetenz, die bis heute nachwirkt. Man muss nur „Laufstall“ durch Bundeskanzleramt und „jüngerer Bruder“ durch Parteifreund oder Bundesminister ersetzen.

Kurzer Sprössling-Check

Haben Sie Kinder? Sind Ihre Kinder tendenziell eher faule Wesen? Führt diese Faulheit zur Rückdelegation von Aufgaben an Sie als Elternteil? Wenn Sie dreimal mit „Ja!“ antworten können Sie sehr froh sein. Das sind klare Indizien für strategische Kompetenz (und taktisches Geschick) Ihres Nachwuchs bereits in frühen Jahren.

Solche Talente mögen heute anstrengend sein. In der ökonomischen Welt von Morgen werden sie sehr begehrt sein.

Martin Claßen hat 2010 das Beratungsunternehmen People Consulting gegründet. Talentmanagement gehört zu einem seiner fünf Fokusbereiche in der HR-Beratung.

Haufe Online Redaktion

Talent Management, Strategie, Soft Skills, Personalentwicklung, Recruiting, Mitarbeiterbindung

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