21.11.2016 | Pestel-Institut

Wohneigentum: In Deutschland fehlt es an Förderung – Verbändebündnis wehrt sich

Auch die typische Käufergruppe der 25- bis 45-Jährigen kann sich laut Pestel Institut immer seltener Wohneigetum leisten
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

"Vor zehn Jahren wurde die Eigenheimzulage gekappt und Wohnungspolitik wurde zur Mieterpolitik", so Matthias Günther, Vorstand des Pestel-Instituts für Systemforschung und Autor der Studie „Eigentumsbildung 2.0“. Ein Bündnis aus Bauherren- und Architektenverbänden sowie der Bau- und Immobilienwirtschaft setzt sich nun dafür ein, dass die Eigentumsquote von derzeit 45 Prozent auf 50 Prozent bis 2020 gesteigert wird.

Nun will Bundesbauministerin Dr. Barbara Hendricks die Eigenheimzulage wiederbeleben. Dem Verbändebündnis „Wohn-Perspektive Eigentum“ zufolge sollten pro Jahr mindestens 60.000 selbst genutzte Eigenheime zusätzlich gebaut werden und aus rund 340.000 Mietern Eigentümer gemacht werden. Und selbst dann gehörte Deutschland im Europa-Vergleich immer noch zu den Schlusslichtern und würde nach heutigem Stand lediglich den drittletzten Platz belegen. So sind alleine die Nebenkosten für den Immobilienkauf in Deutschland mehr als doppelt so hoch wie in den Niederlanden, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt. Viele Eigentümer leben nach Berechnung des IW günstiger als Mieter.

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sagt Michael Voigtländer, IW-Immobilienexperte. Wer Baukredite aufnehmen wolle, müsse 25 bis 30 Prozent der Kaufsumme gespart haben. Das sei zu viel für viele Haushalte.

Eine neue Studie des Pestel Instituts hat unter anderem ergeben, dass immer weniger 25- bis 45-Jährige in einer eigenen Wohnung leben. Rund 70 Prozent von ihnen seien Mieter. Die Eigentumsquote in dieser für den Wohnungskauf und Hausbau eigentlich typischen Altersgruppe sei in den vergangen Jahren deutlich zurückgegangen. Demgegenüber hat Studien zufolge mehr als jeder zweite Haushalt mit über 70-Jährigen Wohneigentum.

Nach Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat kommt für Deutschland (bezogen auf Einwohner) eine Eigentümer-Quote von insgesamt knapp 53 Prozent. In Frankreich und den Niederlanden sind es demnach mehr als 65 Prozent, in Italien knapp 75, in Spanien sogar fast 80 Prozent.

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so Günther. Im Fokus der Studie stehen auch Geringverdiener und Menschen, die in Leih- oder Zeitarbeit beschäftigt sind. Ihnen fehle heute häufig jede Perspektive auf Wohneigentum.

Die Studie sieht bei Haushalten mit einem Nettoeinkommen von 1.500 bis 2.500 Euro pro Monat großes Potenzial, Wohneigentum zu kaufen. Auf der „Wohneigentum-statt-Miete“-Liste mit den erschwinglichsten Städten stehen unter anderem Bremen, Nürnberg, Lübeck, Bochum, Darmstadt, Bamberg und Chemnitz.

Pestel: „Politische Kehrtwende pro Wohneigentum“ erforderlich

Entscheidend für eine deutliche Steigerung der Wohneigentumsquote sei, so das Pestel-Institut, dass Bund und Länder sich zu einer „politischen Kehrtwende pro Wohneigentum“ durchringen. „Mit der Abschaffung der Eigenheimzulage wurde die Förderung von Wohneigentum in Deutschland faktisch eingestellt", so Günther.

Auch die Verbände der Bau- und Immobilienwirtschaft fordern unter anderem mehr staatliche Zuschüsse zum Eigenkapital, die Senkung der Grunderwerbsteuer, mehr Baugebiete und eine besserer Verkehrsinfrastruktur im Umland der Städte. Vertreter der großen Verbände der Immobilienwirtschaft hatten vor ein paar Tagen die Zusammenarbeit mit der Regierung im Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen aufgekündigt – Grund: fehlendes Vertrauen.

Bundesbauministerin Dr. Barbara Hendricks (SPD) hatte kürzlich Eigenkapitalzuschüsse für Familien angeregt. In der CDU gibt es außerdem Pläne, das Baukindergeld wieder einzuführen. Der Mietrechtsexperte der Union im Bundestag, Jan-Marco Luczak, sprach sich auch für Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer aus.

Kernforderungen des Bündnisses „Wohn-Perspektive Eigentum“

  1. Schwellenhaushalte sollen beim Eigenkapital durch Zuschüsse unterstützt werden. Zudem muss es eine deutliche Ausweitung der Wohneigentumsprogramme der KfW geben – mit einer Erhöhung des individuellen Kreditvolumens und einer langfristigen Zinsbindung.
  2. Kein Überdrehen der Auflagen für die Immobilienfinanzierung: Die Wohnimmobilien-Kreditrichtlinie muss entschärft werden. Das angekündigte Gesetz gegen eine mögliche Überhitzung des Immobilienmarktes darf die Wohneigentumsbildung nicht ausbremsen.
  3. Bundesweite Absenkung der Grunderwerbsteuer – und Freibeträge beim Erwerb einer selbst genutzten Wohnung.
  4. Förderung der Infrastruktur in Ballungsräumen – mit einem akzeptablen Preis-Leistungs-Verhältnis. Die „Speckgürtel-Anbindung“ an Metropolen soll so gesichert werden.
  5. Eine Bauland-Offensive für Wohneigentum: Insbesondere Kommunen sollen ihre Grundstücksreserven mobilisieren.

Zum Verbändebündnis „Wohn-Perspektive Eigentum“ haben sich die Bundesarchitektenkammer (BAK), der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM), der Immobilienverband IVD und der Verband Privater Bauherren (VPB) zusammengeschlossen.

Schlagworte zum Thema:  Eigentümer, Immobilien, Hauskauf, Eigentumswohnung

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