IW-Köln: Junge Menschen können kaum noch Wohneigentum bilden

Wohnungseigentümer werden immer älter: Jüngere Menschen ziehen weniger in die eigenen vier Wände, bei Rentnern steigt die Quote indes an. Das zeigt eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln im Auftrag der Bausparkasse Schwäbisch Hall.

Die Verschiebung der Altersgruppen bezeichnen die Studienautoren als "besonders auffällig". Bei den 25 bis 34-Jährigen und den 35- bis 44-Jährigen ist die Quote der Wohnungseigentümer zwischen 2010 und 2017 um fünf Prozentpunkte gefallen, bei den über 65-Jährigen dagegen um fünf Prozentpunkte gestiegen. In der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen lebten 2017 noch zwölf Prozent im Eigentum, bei den 35- bis 44-Jährigen 38 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil in der Gruppe der 65- bis 74-Jährigen auf 58 Prozent.

Immer mehr Kapital nötig

"Faktisch finden junge Haushalte, die dann auch entsprechend mehr Zeit für die Rückzahlung ihrer Kredite hätten, kaum noch Zugang zum Wohneigentumsmarkt", heißt es in der Untersuchung. Ein wesentlicher Grund sei der gestiegene Kapitalbedarf zum Zeitpunkt des Kaufs.

Wohneigentumsquote nach Alter des Haushaltsvorstands

Wohneigentumsquote nach Alter des Haushaltsvorstands
Anteil der im selbstgenutzten Wohneigentum lebenden Haushalte an allen Haushalten

Laut der Untersuchung sind auch insgesamt weniger Menschen in den vergangenen Jahren aus einer Mietwohnung in die eigenen vier Wände gezogen. Lag die Zahl der sogenannten Ersterwerber in den Jahren 1998 bis 2002 noch bei durchschnittlich rund 700.000 Haushalten jährlich, waren es in den Jahren 2013 bis 2017 nur noch rund 450.000 Haushalte und 2016 und 2017 sogar weniger als 400.000 pro Jahr.

Eigentumsquote stagniert seit 2010

Die Wohneigentumsquote stagniert nach Angaben der Studie im siebten Jahr in Folge: Seit 2010 liege sie unverändert bei 45 Prozent. Und das, obwohl unter anderem aufgrund der Niedrigzinsphase das eigene Zuhause aktuell besonders attraktiv ist. Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist laut der Studie der gestiegene Kapitalbedarf zum Zeitpunkt des Erwerbs. Während die laufende Belastung aus Zins und Tilgung aufgrund der gefallenen Zinsen und vor allem bei ausreichender Zeit zur Tilgung für die meisten Haushalte tragbar sei, übersteige der Kapitalbedarf zu Anfang die Ersparnisse bei weitem.

"Da sich die Erwerbsnebenkosten und der Eigenkapitalbedarf nach den in den letzten Jahren vielerorts gestiegenen Kaufpreisen bemessen, müssen Haushalte heute deutlich mehr Kapital gespart haben als früher – mancherorts mehr als 50 Prozent als noch vor fünf Jahren." Michael Voigtländer, Autor der Studie

Das treffe in erster Linie junge Haushalte, die angesichts der niedrigen Zinsen wenig Geld ansparen konnten.

Rentner und Selbständige liegen vorn

Verschiebungen gab es laut der Untersuchung auch bei der beruflichen Stellung der Wohnungseigentümer. Rentner sowie Selbständige und Freiberufler konnten in den letzten fünf Jahren mehr Wohneigentum bilden, bei Arbeitern, Angestellten, Arbeitslosen, Auszubildenden und auch Beamten ging der Trend hingegen in die andere Richtung. Die Wohneigentumsquote der Selbständigen und Freiberufler liegt mit 58 Prozent inzwischen über der der Beamten mit 56 Prozent.

Erwerbsstatus hat kaum Einfluss

Angestiegen ist das Haushaltseinkommen derer, die aus einer Mietwohnung in eine eigene Immobilie umziehen: Lag es 2010 noch bei durchschnittlich 3.000 Euro netto, waren es 2017 schon knapp 4.000 Euro. Keinen großen Einfluss hat indes der Erwerbsstatus: Die Wohneigentumsquote liegt jeweils zwischen 45 und 47 Prozent, egal ob der Haushaltsvorstand voll erwerbstätig ist, einer Teilzeitbeschäftigung nachgeht, unregelmäßig arbeitet oder nicht erwerbstätig ist. Hier überlagern andere Charakteristika die Statistik.

IW: Politik muss handeln

Im europaweiten Vergleich liegt Deutschland bei der Eigentumsquote laut der Studie auf dem vorletzten Rang - nur in der Schweiz lebten mehr Haushalte zur Miete. Besonders hoch ist der Anteil der Haushalte im eigenen Heim in Baden-Württemberg mit 54,4 Prozent, gefolgt von Niedersachsen mit 54 Prozent. In den ostdeutschen Bundesländern blieb die Wohneigentumsquote in allen Bundesländern unter dem gesamtdeutschen Durchschnitt. Am niedrigsten ist die Quote in Berlin mit 18 Prozent.

Um die Eigentumsquote zu steigern, sollte die Politik verstärkt Ideen aus dem Ausland aufgreifen, heißt es in der Untersuchung. Diese seien oft sehr effektiv, belasteten aber - anders als etwa das Baukindergeld - die öffentlichen Haushalte deutlich weniger.


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Schlagworte zum Thema:  Wohnungseigentum, Marktanalyse