Neues Kreditprogramm in Thüringen

Wer leerstehende Häuser kauft, kriegt bis zu 150.000 Euro


Thüringen bekämpft Leerstand mit neuen Eigenheim-Krediten

Wohnungsleerstand ist in Thüringen ein Problem – wer ein Eigenheim kauft und modernisiert wird jetzt mit zinsvergünstigten Krediten gefördert. Für einzelne Vorhaben gibt es bis zu 150.000 Euro. Die Grunderwerbsteuer wurde schon gesenkt.

Den Traum von den eigenen vier Wänden sollen sich Thüringer möglichst auch mit leerstehenden Immobilien im Land verwirklichen. Das ist das Ziel des neuen Kreditprogramms "Eigenheim Plus", das Steffen Schütz, Minister für Digitales und Infrastruktur, am 13.8.2025 in Erfurt vorgestellt hat. So schlage das Ministerium mehrere Fliegen mit einer Klappe, sagte der BSW-Politiker.

Nicht nur der Erwerb von Wohneigentum, auch die Sanierung und Nutzung von Bestandsimmobilien könne so attraktiver werden. Gerade der ländliche Raum berge großes Potenzial, leerstehende Bestandsimmobilien in bezahlbaren Wohnraum zu verwandeln.

Zinsvergünstigte Kredite gegen Wohnungsleerstand

Immobilienkäufer beantragen die Kredite bei ihrer Hausbank. Die Thüringer Aufbaubank (TAB) finanziert dabei die vergünstigten Zinssätze. Einzelne Vorhaben werden mit bis zu 150.000 Euro gefördert. Insgesamt stellt die TAB in dem Programm 1,2 Millionen Euro zur Verfügung. Möglich sei damit ein Kreditvolumen von bis zu 30 Millionen Euro, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums. 

Schütz erhofft sich durch das Programm auch eine Belebung in der Baubranche. Dass es bei "Eigenheim Plus" speziell um die Belebung von Leerstand gehe, sei wichtig, weil es auch nachhaltig sei und weil damit nicht weiter neue Flächen versiegelt würden. Die Kombination mit anderen Fördermitteln und weiteren Ergänzungskrediten ist möglich.

Thüringen hatte sich Ende 2023 nach einem Streit auf die Senkung der Grunderwerbsteuer von 6,5 auf fünf Prozent ab dem 1.1.2024 geeinigt. Außerdem werden bei Erstkäufern von selbstgenutztem Wohneigentum bis zu 25.000 Euro von der Steuer freigestellt.

Wissenschaftler für Senkung der Grunderwerbsteuer

Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) hatte in der Wahlkampfphase 2023 angekündigt, dass er die Grunderwerbsteuer auf den Kauf der ersten Wohnimmobilie zur privaten Nutzung erlassen wolle. Nötig sei ein "Teuerstopp gegen den Teuerschock beim Traum von den eigenen vier Wänden", sagte er der "Bild"-Zeitung. Hessen hat einen der höchsten Sätze in Deutschland mit sechs Prozent.

Rhein wurde im Januar 2024 im Amt bestätigt. Die Grunderwerbsteuer wurde nicht abgeschafft. Was im September 2024 kam, war das sogenannte Hessengeld, um Erstkäufer bei der Steuer zu entlasten: Die Förderung beträgt bis zu 10.000 Euro pro Käufer (maximal 20.000 Euro) und 5.000 Euro für jedes Kind unter 18 Jahren, das mit in die Immobilie einzieht. Die Förderung wird bis zur Höhe der tatsächlich gezahlten Grunderwerbsteuer gewährt und jährlich in zehn gleichen Raten ausgezahlt.

Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) ist die hohe Eigenkapitalanforderung hierzulande die größte Hürde auf dem Weg zum Immobilienkauf. Eine Absenkung der hohen Erwerbsnebenkosten durch Entlastung bei der Grunderwerbsteuer wäre nach Auffassung der Forscher geboten, um die Eintrittshürde zum Wohneigentum zu senken.

Linke fordert Landeswohnungsgesellschaft

Bis zum Jahr 2045 werden nach Schätzungen der Wohnungswirtschaft in Mitteldeutschland rund 500.000 Wohnungen weniger gebraucht als im Zensus 15.5.2022 – in Thüringen betrug die Leerstandsquote zu diesem Stichtag 7,8 Prozent. Verbände fordern deshalb schon länger politische Unterstützung, um bezahlbaren Wohnraum mit dem Fokus auf den Bestand für breite Bevölkerungsschichten langfristig zu sichern.

Das "EigenheimPlus"-Paket sei keine wirksame Lösung für den Mangel an bezahlbarem Wohnraum und die steigenden Mietkosten im Land, sagte Anja Müller, wohnungspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Thüringer Landtag.

Das Versprechen vom "Eigenheim für alle" sei ein Vorwand, sich aus dem sozialen Wohnungsbau zurückzuziehen, so der Vorwurf der Politikerin. "Es fehlen immer mehr bezahlbare Mietwohnungen und die Mietpreise explodieren." Für die kommenden Verhandlungen um den Doppelhaushalt für 2026/27 erneuerte die Linke alte Forderungen nach einer Landeswohnungsgesellschaft. Außerdem müsse das Landeswohnungsbauvermögen aufgestockt werden, so Müller. 


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dpa

Schlagworte zum Thema:  Immobilienkauf , Grunderwerbsteuer
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