Soziale Vermieter verlangen passende Förderpolitik
Bis zum Jahr 2045 werden nach Schätzungen von Verbänden der Wohnungswirtschaft in Mitteldeutschland rund 500.000 Wohnungen weniger gebraucht als zum Zensus-Stichtag 15.5.2022. Die Prognose beruht auf Daten des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), wonach bis dahin knapp eine Million weniger Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen leben werden.
Im Zensus 2022 war Sachsen-Anhalt mit einer Leerstandsquote von 8,9 Prozent bereits Spitze in Deutschland. In Sachsen betrug die Quote 8,5 Prozent und in Thüringen 7,8 Prozent. Die Bevölkerung schrumpft nicht nur, sie ist auch älter und ärmer als der Bundesdurchschnitt.
Die vier Verbände fordern von der kommenden Bundesregierung passende politische Unterstützung, um bezahlbaren Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten in den genannten Bundesländern langfristig zu sichern – mit dem Fokus auf den Bestand. Steigende Baukosten, hohe Zinsen und wachsende Anforderungen im Klimaschutz gefährdeten die wirtschaftliche Stabilität vieler Wohnungsunternehmen. Mit den gleichen finanziellen Mitteln können immer weniger Wohnungen saniert oder neu gebaut werden.
Klimaschutz vs. bezahlbares Wohnen
"Es braucht einen engen Schulterschluss zwischen Gesellschaft, Politik und Wohnungswirtschaft, um die Transformationsprozesse in unseren Ländern auch zukunftsoptimistisch anzugehen", sagte der Direktor des Verbandes der Wohnungsgenossenschaften (VdWg) Sachsen-Anhalt, Matthias Kuplich, bei Vorstellung der politischen Forderungen am 1. April in Leipzig.
Ein neuer Praxispfad zur CO2-Reduktion könnte laut Alexander Müller, Direktor des Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (vdw) Sachsen, eine sozial gerechte und wirtschaftlich machbare Alternative zu starren Effizienzstandards bieten. Er spricht damit eine Initiative an, die von fünf Wissenschaftlern im November 2024 ins Leben gerufen wurde – und der auch Verbände der Wohnungswirtschaft beigetreten sind. Der Schwerpunkt liege dabei auf erneuerbarer Wärme und sinnvollen Sanierungen, so Müller.
Investitionen in barrierearme Wohnungen
vdw-Direktor Müller warnte auch vor einer wachsenden "grauen Wohnungsnot" – allein in Dresden (Sachsen) würden bis 2045 rund 27.400 altersgerechte, barrierearme Seniorenwohnungen fehlen. Die Baby-Boomer gehen bis 2035 komplett in Rente: Am Beispiel von Dresden wären das bis dahin rund 10.800 Menschen mehr im Ruhestand als heute – insgesamt rund 127.900. Die Verbände beriefen sich bei diesen Zahlen auf eine Analyse des Pestel-Instituts zum Seniorenwohnen. In Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt), wo laut Zensus 2022 mit zirka 12,5 Prozent die meisten Wohnungen in Deutschland leerstehen, kommen 3.500 altersgerechte Wohnungen auf 64.000 Seniorenhaushalte.
Die "graue Wohnungsnot" droht den Verbänden zufolge nicht nur in den Metropolen, sondern auch im ländlichen Raum. Familiengerechter oder generationengerechter Umbau könne eine Chance sein, Leerstand zu verhindern oder abzubauen.
Baukosten: Wirtschaftlichkeit der Mieten sichern
Die Vorständin des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG), Mirjam Philipp, forderte eine verlässliche Förderung für Neubau und Bestand: "Wir brauchen nicht nur den Erhalt unserer Wohnungsbestände, sondern auch mutigen und bezahlbaren Neubau." Mieten von 18 bis 20 Euro pro Quadratmeter seien derzeit wirtschaftlich notwendig, aber für viele Menschen unbezahlbar.
"Wir sind in Mitteldeutschland Bestandshalter und brauchen zur Portfolioerweiterung in unseren Märkten immer den Neubau. Im Moment wird aber aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen so wenig wie noch nie seit Anfang der 1990iger-Jahre gebaut", erklärte Philipp. Wirtschaftliche Bau- und Sanierungsvorgaben könnten durch eine rigorose Reduktion der Bauvorschriften und Beschleunigung von Genehmigungsverfahren Kosten sparen. Das serielle Sanieren weiter voran getrieben werden.
Serielles Sanieren: Wegweiser für Wohnungsunternehmen
Städtebauförderung für ländliche Regionen
Auch Energieversorger müssten stärker eingebunden werden, forderte Frank Emrich, Direktor beim Verband Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (vtw). Nur eine faire Lastenverteilung zwischen allen Akteuren könne die Herausforderungen am Wohnungsmarkt bewältigen.
Die Bereitstellung einer nachhaltigen Städtebau- und Wohnungsbauförderung sei dringend geboten, bestätige Jens Zillmann vom Verband der Wohnungswirtschaft (VdW) Sachsen-Anhalt. Spezifisch für ländliche Regionen seien eine gezielte Städtebauförderung und mehr finanzielle Spielräume für die Kommunen notwendig.
Die Verbände erklärten sich bereit, Verantwortung zu übernehmen – sie bräuchten dafür aber verlässliche politische Rahmenbedingungen. Doch Sozialpflichtigkeit des Eigentums habe auch ihre Grenzen, wie ein Rechtsgutachten im Auftrag des Spitzenverbands der Wohnungswirtschaft GdW zeige.
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