21.03.2017 | Marktanalyse

Postbank-Studie: Wohnen wird teurer – Kluft zum Einkommen größer

Auch in Freiburg im Breisgau sind die Preise im Vergleich zu den Einkommen extrem hoch: 18,1 Jahreseinkommen kostet hier eine 100-Quadratmeter-Wohnung
Bild: Carlosh ⁄

In München, Deutschlands teuerster Stadt, müssen Immobilienkäufer für eine 100-Quadratmeter-Wohnung 21 durchschnittliche Pro-Kopf-Jahreseinkommen auf den Tisch legen. In Hamburg und Berlin werden mehr als 15 Jahreseinkommen fällig. Das ist ein Ergebnis des Postbank-Wohnatlas 2017. Dabei sind die Preisunterschiede zwischen den einzelnen Regionen enorm. Auch die Kluft zwischen Einkommensentwicklung und Immobilienpreisen wird immer größer.

Verglichen wurden für die Studie 402 Landkreise und kreisfreie Städte im Bundesgebiet.

Laut einer Studie der Sparda-Banken gaben die Deutschen im vergangenen Jahr im Schnitt 242.000 Euro für den Kauf eigener vier Wände aus, das entspricht etwa sechs Haushalts-Jahresnettoeinkommen und ist deutlich mehr als bei der Vorgängerstudie 2014: Damals waren es noch fünf Haushalts-Jahresnettoeinkommen (bezogen auf den Kauf eines Einfamilienhauses).

Spitzenreiter: Der Landkreis Nordfriesland noch vor München

Im Landkreis Nordfriesland müssen nach Ergebnissen der Postbank-Erhebung im Durchschnitt mehr als 23 Pro-Kopf-Jahreseinkommen für 100 Quadratmeter Wohnfläche bezahlt werden, sogar mehr als in München. Für dieses Ergebnis sei jedoch ein Sondereffekt verantwortlich: Exklusive Ferienwohnungen, besonders auf Sylt, treiben die Preise nach oben.

In Freiburg im Breisgau (18,1), im Landkreis Miesbach (17,6), in Hamburg (15,9) und Berlin (15,8) sind die Preise in Relation zu den Einkommen ebenfalls sehr hoch, wenn auch noch nicht ganz so hoch wie in München.

Die günstigsten Immobilien finden sich im Landkreis Osterode am Harz: Dort reichen 2,8 regionale Jahreseinkommen für den Kauf einer 100-Quadratmeter-Wohnung. Im Vogtlandkreis (3,1), in Wunsiedel im Fichtelgebirge (3,3) und im Kyffhäuserkreis (3,3) sind die Preise ähnlich niedrig. Bei den Städten liegen Zwickau und Goslar mit 3,6 am unteren Ende der Preisskala.

Immobilienmärkte verzeichnen starke Wachstumsraten

Seit 2012 sind die Immobilienpreise in den Städten deutlich angestiegen und haben vielerorts die Einkommensentwicklung hinter sich gelassen. Dieser Effekt ist besonders stark in Stuttgart: Während die verfügbaren Pro-Kopf-Einkommen dort zwischen 2012 und 2016 inflationsbereinigt um 2,5 Prozent gestiegen sind, schnellten die Kaufpreise um rund 53 Prozent in die Höhe.

Den zweitstärksten Anstieg bei den Preisen verzeichnet die Region Hannover: Immobilien verteuerten sich hier in diesem Zeitraum um knapp 44 Prozent, während die Menschen im Schnitt um rund zwölf Prozent besser verdienten. Auf Platz drei beim Kaufpreisanstieg liegt Köln mit rund 40 Prozent. Auch die Kölner kamen auf durchschnittlich zwölf Prozent mehr Gehalt.

Immobilienpreise koppeln sich von Löhnen und Gehältern ab

Zwar ist der Quadratmeter in München am teuersten, doch es wird auch am besten verdient. Dennoch stiegen die Kaufpreise dort schneller als die Einkommen. Auch in Hamburg koppeln sich die Immobilienpreise von den Löhnen und Gehältern ab. Das Pro-Kopf-Einkommen in der Hansestadt ist vergleichbar mit dem in Köln, Stuttgart oder Düsseldorf, die Kaufpreise für Immobilien fallen aber deutlich höher aus.

In Berlin bleiben die Einkommen ebenfalls besonders weit hinter den Immobilienpreisen zurück. Die Kaufpreise sind vergleichbar mit denen in Köln und Düsseldorf, nur wird in der Hauptstadt deutlich schlechter verdient als in den beiden Rhein-Metropolen.

Schlagworte zum Thema:  Einkommen, Immobilienpreis, Studie

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