Gebäude werden in Deutschland immer effizienter, unter anderem durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und der fortschreitenden Digitalisierung.
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz
Das zeigt sich auch in den Ideen junger Unternehmen wie Lumoview Building Analytics, 2019 in Köln gegründet. Mit Lasertechnik und KI analysiert das Startup innerhalb von Minuten Gebäude, entdeckt Schwachstellen wie Wärmebrücken, Feuchteschäden oder ungünstige Nutzungsprofile und bietet so eine präzise Basis für gezielte Effizienzmaßnahmen.
Synavision aus Bielefeld setzt auf einen digitalen Assistenten für Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen, der Betriebsdaten aus Gebäuden permanent mit Hilfe von KI auswertet, Fehler und Ineffizienzen automatisch erkennt und Betrieb und Verbrauch kontinuierlich optimiert.
KI-gestützte Analyse, digitale Zwillinge und vernetzte Systeme liefern damit die technologischen Voraussetzungen, um Energieeinsparungen zur Routine zu machen. Die Zahl der Tools, die Bauherren und Eigentümern mehr Transparenz über sinnvolle Maßnahmen verschaffen, wächst.
"Wer innovationsaffin ist, gewinnt dadurch immer bessere Möglichkeiten, weiter zu optimieren", sagt Johannes Kreißig, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB).
Smart Meter und digitale Datenerfassung
Dass Deutschland kein Vorreiter in puncto Energieeffizienz bei Immobilien ist, habe andere Gründe. "Bei der Digitalisierung von Gebäudedaten sind wir noch zu langsam", kritisiert Kreißig. "Wir haben keine digitale Gebäudedatenbank zur Effizienz, das ist ein echter Standortnachteil." Etwa in den Niederlanden und Schweden sei die digitale Erfassung energetischer Gebäudedaten, wie von der europäischen Richtlinie vorgeschrieben, längst Standard.
Was vor allem fehlt, ist die digitale Datenerfassung im laufenden Betrieb. Hier setzen Smart Meter an – intelligente Stromzähler, die den genauen Verbrauch in Echtzeit messen, auswerten und automatisch für Steuerungszwecke bereitstellen.
Während Italien und andere EU-Staaten bereits fast jeden Haushalt mit Smart Metern ausgerüstet haben, sind solche Geräte in Deutschland mit einem Rollout von insgesamt weniger als zehn Prozent der Haushalte (Stand 2025) noch Mangelware. Dabei werden erst mit einer soliden Datengrundlage gezielte Anpassungen und intelligente Steuerung überhaupt möglich.
Klimaneutralität und ESG-Kriterien
Die politische Zielmarke ist gesetzt: Bis spätestens 2045 soll der Gebäudesektor klimaneutral werden. Damit rückt Nachhaltigkeit und die Einhaltung von ESG-Kriterien in den unternehmerischen Alltag von Hauseigentümern und Investoren.
Bei ambitionierten Eigentümern setzt sich die Erkenntnis durch, dass energetisch rückständige Häuser an Marktwert verlieren. Doch nach wie vor dominiert im Gebäudebestand das Prinzip des Abwartens. "Solange der Energieverbrauch von der Mieterseite getragen wird, gibt es für viele Eigentümer keinen echten Grund, in bessere Technik zu investieren", kritisiert Kreißig und beschreibt damit das sogenannte Investor-Nutzer-Dilemma.
Einige Vorreiter gehen voran, während andere nur das gesetzliche Minimum erfüllen. In anderen EU- Ländern wird schärfer reguliert. In den Niederlanden zum Beispiel droht energieineffizienten Objekten ein unmittelbares Vermietungsverbot. Wer nicht modernisiert, ist faktisch vom Markt ausgeschlossen. Damit wird klar: Die Transformation passiert nicht aus Innovationslust, sondern weil gesetzliche Regulierungen und Marktlogiken den Umbau erzwingen.
Auch in Deutschland wächst der Druck. Investoren und Banken stellen Fragen: Wie hoch ist der Energieverbrauch, wie steht es um die CO2-Bilanz, wo bleiben die erneuerbare Energien? Die EU macht Tempo, setzt mit Taxonomie und Gebäuderichtlinie neue Standards. Wer verkaufen oder vermieten will, muss Kennzahlen beibringen und Nachweise führen.
Innovative Energielösungen
Mit den politischen Zielen wächst die Bedeutung innovativer Lösungen, die sich unkompliziert in den laufenden Betrieb integrieren und auch im Bestand Wirkung entfalten. Ob intelligente Sensorik für Einzelräume, automatisierte Regelungen, KI-basierte Optimierung von Energieflüssen oder digitale Plattformen für das Monitoring: Werkzeuge gibt es viele – und immer mehr davon kommen aus einem aktiven Startup-Ökosystem.
Die Entwicklung im Energiemanagement schreitet voran, doch Fortschritt entsteht erst, wenn Erkenntnisse in den Alltag überführt werden. Technologie allein genügt nicht. Es bedarf einer klaren Analyse, ehrlicher Bestandsaufnahme und konsequenter Umsetzung. Wer heute handelt, profitiert morgen von messbaren Ergebnissen und einer gestärkten Position am Markt.
>> Zur Übersicht "Die neue Ära des Energiemanagements" mit allen Kapiteln