Aroundtown und TLG präzisieren Pläne für Milliarden-Fusion

Die Immobiliengesellschaften TLG und Aroundtown wollen zum größten Anbieter von Büroimmobilien in Europa werden. Den milliardenschweren Fusionsplan haben die Konzerne nun konkretisiert: Angekündigt wurde ein Aktientausch, firmiert werden soll unter neuem Namen, operativer Hauptsitz wird Berlin sein.

Die Aroundtown SA hat den Sitz rechtlich und steuerlich in Luxemburg. An der Börse ist das im MDax notierte Unternehmen derzeit neun Milliarden Euro wert. Die Gesellschaft ist auch mit knapp 39 Prozent an Grand City Properties beteiligt, einem Unternehmen mit einem Bestand von zirka 81.000 Wohnungen in Deutschland. Die Zentrale von TLG ist in Berlin. Das im SDax gelistete Unternehmen kommt auf eine Marktkapitalisierung von 2,8 Milliarden Euro. Beide Unternehmen sind auf Gewerbeimmobilien spezialisiert.

Die deutlich größere Aroundtown SA soll nun ein Übernahmeangebot für die Berliner TLG unterbreiten. Wie die TLG mitteilt, wurde ein rechtlich nicht verbindliches "Term Sheet" über wesentliche Eckpunkte des möglichen Zusammenschlusses der beiden Unternehmen unterzeichnet. Den Plänen zufolge soll ein freiwilliges öffentliches Angebot der Aroundtown für alle TLG-Aktien erreicht werden. Die Gegenleistung soll in Aroundtown-Aktien bestehen. Die TLG-Aktionäre sollen die Aroundtown-Papiere aus einer Kapitalerhöhung erhalten.

Außerdem wurde festgehalten, dass bei der Besetzung des Managements TLG eine wichtige Rolle eingeräumt wird. So soll zum Beispiel die TLG für den Fall, dass Aroundtown die "Halteschwelle" (50 Prozent plus eine Aktie) erreicht, den ersten Vorsitzenden des Verwaltungsrats und den Finanzvorstand (CFO) nominieren dürfen. Den Konzernchef (CEO) will Aroundtown bestimmen. Das fusionierte Unternehmen soll einen neuen Namen erhalten. Operativer Hauptsitz soll Berlin, der formelle Konzernsitz weiterhin in Luxemburg sein.

Rechtsverbindliches "Business Combination Agreement" für Ende 2019 angepeilt

Eine rechtsverbindliche Vereinbarung steht noch unter dem Vorbehalt der Einigung der Parteien nach Analyse der Synergien, einer eingehenden Buchprüfung (Due Diligence) sowie der Zustimmung durch Vorstand und Aufsichtsrat der TLG und durch den Verwaltungsrat der Aroundtown. Die Synergiepotenziale liegen laut einer Analyse des Immobilienaktienspezialisten SRC Research im operativen Geschäft, bei der Senkung von Finanzierungskosten und im Bereich der schnelleren und effizienteren Umsetzung von Developments. Das fusionierte Unternehmen besitze zudem gute Chancen, zeitnah in den Dax einzuziehen.

Die Konzerne teilten mit, dass ein "Business Combination Agreement" (BCA) und die genauen Details des Übernahmeangebots bis Ende 2019 vorliegen sollen. Das Immobilienportfolio der beiden Unternehmen käme laut einer Präsentation der TLG von September nach der Fusion auf einen Wert von knapp 24 Milliarden Euro. Damit entstünde der größte Anbieter von Büroimmobilien in Europa, heißt es in der Mitteilung. Gemessen an der Bilanzsumme würde der drittgrößte europäische Immobilienkonzern entstehen – hinter Unibail-Rodamco-Westfield und Vonovia.

Fusion von TLG und Aroundtown im September in die Wege geleitet

TLG Immobilien geht auf eine Tochter der Treuhandgesellschaft zurück. 2012 hatte die Bundesregierung das Unternehmen an den US-Finanzinvestor Lone Star verkauft, der das Unternehmen 2014 an die Börse gebracht hatte. Mittlerweile gehören knapp 30 Prozent der TLG-Anteile dem israelischen Investor Amir Dayan. Aroundtown wurde 2004 vom israelischen Milliardär Yakir Gabay gegründet und 2015 an die Börse gebracht. Seit März 2018 ist das Unternehmen im MDax gelistet.

Anfang September war die TLG zunächst mit einem Anteil von knapp zehn Prozent bei Aroundtown eingestiegen. Damit wurden die Fusionsgespräche ausgelöst. Kurz danach hatte TLG noch auf 13 Prozent erhöht, eine Ausweitung auf 15 Prozent angekündigt und teilte mit, das Bundeskartellamt habe seine Zustimmung für eine Übernahme gegeben. Großaktionär bei Aroundtown ist Avisco. Die beiden Firmen halten nach eigenen Angaben Immobilien in Deutschland und den Niederlanden mit einem Gesamtmarktwert von 25 Milliarden Euro.


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dpa