Milliarden-Fusion: Aroundtown übernimmt Mehrheit an TLG

Kurz vor Ablauf der Anmeldefrist hat Aroundtown die Mehrheit am (Ex-)Konkurrenten TLG zusammen. Insgesamt halte man nun rund 53 Prozent der TLG-Aktien, teilte der Immobilienkonzern mit. Damit sind die Unternehmen einen Schritt weiter auf dem Weg zur Milliarden-Fusion.

Durch die Fusion entsteht laut Analysten ein möglicher Kandidat für den Dax. Bislang ist der Gewerbeimmobilienkonzern Aroundtown im MDax und TLG Immobilien im Nebenwerteindex SDax gelistet. Nach Abschluss der Übernahme würde ein europäisches "Schwergewicht" mit einem geschätzt 25 Milliarden Euro schweren Büro- und Hotelimmobilienportfolio entstehen. Der Schwerpunkt liegt in Deutschland.

Übernahme: Vorstand und Aufsichtsrat der TLG unterstützen die Offerte

Für Vorstand und Aufsichtsrat von TLG ist die Milliarden-Fusion beschlossene Sache: Die Aktionäre der TLG Immobilien sollen je Papier 3,6 Aroundtown-Aktien aus einer Kapitalerhöhung erhalten. Die Annahmefrist läuft in der Nacht zum 22. Januar aus. Bis zum 20. Januar um 14 Uhr hatten laut Unternehmensmitteilung von Aroundtwon 42,3 Prozent der TLG-Aktionäre das Übernahmeangebot angenommen. 10,41 Prozent der TLG-Papiere hielt der Konzern bereits, hinzu kommen rund 0,28 Prozent von einer Tochter aus Zypern.

Die deutlich größere Aroundtown SA hat im November das Ende Oktober angekündigte Übernahmeangebot für die TLG vorgelegt, wie es in einem "Term Sheet" über die wesentlichen Eckpunkte des möglichen Zusammenschlusses vereinbart worden war. Zudem dient der größte TLG-Aktionär, die Ouram Holding, seine Beteiligung von rund 28 Prozent an. Vorstand und Aufsichtsrat der TLG unterstützen die Offerte.

Aroundtown hat den Sitz rechtlich und steuerlich in Luxemburg und ist auch mit knapp 39 Prozent am Luxemburger Immobilienunternehmen Grand City Properties beteiligt – mit nach eigenen Angaben 85.000 Wohnungen in Europa, auch hier der Großteil davon in Deutschland. Was aus diesem Konzern wird, sobald die Fusion in "trockenen Tüchern" ist, ist noch unklar: Wohnimmobilien werden im neuen Unternehmen nicht mehr zum Kerngeschäft gehören.

Hauptsitz des neuen Unternehmens soll in Berlin sein

Das fusionierte Unternehmen aus Aroundtown und TLG soll einen neuen Namen erhalten. Operativer Hauptsitz wird Berlin, der formelle Konzernsitz weiterhin in Luxemburg sein.

Neben Einsparungen erhoffen sich die Konzerne, dass die Synergien zu einer Steigerung des operativen Ergebnisses vor Steuern von 110 bis 139 Millionen Euro pro Jahr innerhalb der ersten fünf Jahre nach der Fusion führen werden. Die Synergiepotenziale liegen laut einer Analyse des Immobilienaktienspezialisten SRC Research im operativen Geschäft, bei der Senkung von Finanzierungskosten und im Bereich der schnelleren und effizienteren Umsetzung von Developments.

Außerdem wurde festgehalten, dass die TLG das Recht haben soll, zwei von fünf Mitgliedern des Geschäftsleitungsorgans der Aroundtown zu benennen.

Fusion von TLG und Aroundtown im September in die Wege geleitet

TLG Immobilien geht auf eine Tochter der Treuhandgesellschaft zurück. 2012 hatte die Bundesregierung das Unternehmen an den US-Finanzinvestor Lone Star verkauft, der das Unternehmen 2014 an die Börse gebracht hatte. 28 Prozent der TLG-Anteile gehörten bislang der Ouram Holding des israelischen Investors Amir Dayan. Aroundtown war 2004 von Yakir Gabay (Israel) gegründet und 2015 an die Börse gebracht worden. Seit März 2018 ist das Unternehmen im MDax gelistet. Großaktionär bei Aroundtown ist Avisco.

Anfang September war die TLG zunächst mit einem Anteil von knapp zehn Prozent bei Aroundtown eingestiegen. Damit wurden die Fusionsgespräche ausgelöst. Kurz danach hatte TLG noch auf 13 Prozent erhöht und eine Ausweitung auf 15 Prozent angekündigt.


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dpa