In den Voralpen ist Starnberg mit 1,25 Millionen Euro besonders teuer Bild: Axel Hoffmann ⁄

Die Immobilienpreise auf dem deutschen Wohnungsmarkt werden bis Ende des Jahres noch einmal um drei bis fünf Prozent anziehen. Zu diesem Ergebnis kommt die LBS-Frühjahrsumfrage unter 600 Experten. Dabei ist der Wohnungsmarkt von enormen Preisunterschieden je nach Region geprägt: Am teuersten sind frei stehende Einfamilienhäuser in München und Starnberg mit Preisen bis zu 1,25 Millionen Euro. Beliebte Großstädte im Südwesten ziehen nach.

Grund für die anhaltende Preisdynamik ist laut LBS-Verbandsdirektor Axel Guthmann die anhaltend hohe Nachfrage nach Wohneigentum, attraktive Finanzierungsbedingungen, eine gute Einkommens- und Beschäftigungsentwicklung, aber auch die Zuwanderung.

"Die Bundesbürger müssen sich auf Preissteigerungen einstellen, die deutlich über der allgemeinen Teuerungsrate liegen", so Guthmann.

Die teuerste Stadt ist laut LBS-Immobilienpreisspiegel München, wo es mit 1,2 Millionen Euro mehr als zehnmal so teuer ist wie in manchen ostdeutschen Mittelstädten. Damit liegt der Preis noch einmal um 200.000 Euro höher als in der LBS-Frühjahrsumfrage 2016. Es folgen Stuttgart (810.000 Euro), Heidelberg und Wiesbaden (790.000 Euro), Freiburg im Breisgau (770.000 Euro) und Frankfurt am Main (745.000 Euro). Auch hier sind die Preise, wie bereits 2016 prognostiziert, noch einmal deutlich gestiegen.

Nobelvororte toppen Münchner Preise

Ebenfalls unverändert ist die Tatsache, dass Immobilien sind Objekte in attraktiven Umlandgemeinden selbst die Metropolen toppen: Der Münchner Nobelvorort Grünwald etwa weist dabei mit 1,65 Millionen Euro den absoluten Rekord auf. Und in Meerbusch bei Düsseldorf sind Immobilien mit 650.000 Euro um 150.000 Euro nach wie vor teurer als in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt selbst.

Spitzenpreise gibt es den LBS-Experten zufolge auch in Regionen mit besonders reizvoller Landschaft: In den Voralpen ist Starnberg mit 1,25 Millionen Euro besonders teuer, am Bodensee Konstanz und Lindau mit 850.000 beziehungsweise 670.000 Euro.

Ein gebrauchtes Ein- und Zweifamilienhaus kostet inzwischen in acht bayerischen Landkreisen und Städten im Schnitt rund 800.000 Euro, wie Paul Fraunholz, der Geschäftsführer der Sparkassen-Immobilienvermittlung, vor kurzem sagte.

Günstige Einfamilienhäuser im Osten Deutschlands

Der Immobilienpreisspiegel der LBS enthält auch Großstädte, bei denen relativ günstige gebrauchte Einfamilienhäuser verfügbar sind: In Leipzig, Hannover, Bremen, Dortmund und Dresden, aber auch in Berlin variieren die Preise zwischen 280.000 und 370.000 Euro. In Halle (160.000 Euro) und Magdeburg (180.000 Euro) liegen die Preise deutlich darunter.

Auch im Norden (Bremerhaven mit 140.000 Euro) und im Westen (Siegen mit 185.000 Euro) gibt es vereinzelt noch Städte mit erschwinglichem Preisniveau. In den Mittelstädten stehen Eisleben und Grimma mit jeweils 60.000 Euro am unteren Ende der Preisskala.

Auch Preise für neue Reihenhäuser steigen

Beim Neubau von Reihenhäusern sind die Preise nach Auskunft der LBS-Experten zuletzt ebenfalls gestiegen. In Westdeutschland bewegen sie sich in Groß- und Mittelstädten um 270.000 Euro, im Osten und Norden zwischen 180.000 und 220.000 Euro.

Im Süden signalisiert der auf 420.000 Euro gestiegene Durchschnittspreis vielerorts Engpässe. So kostet laut LBS-Studie ein neues Reihenhaus in München 890.000 Euro und in Starnberg 860.000 Euro. In knapp der Hälfte der Metropolen ab einer halben Million Einwohner (einschließlich Berlin) rangierten sie aber immer noch im Bereich bis zu 310.000 Euro.

Ähnliche regionale Unterschiede gibt es laut LBS-Analyse bei gebrauchten Reihenhäusern, deren Preise im Schnitt einen Preisvorteil gegenüber Neubauten von rund 23 Prozent aufweisen.

Deutliche Preissteigerungen bei neuen Eigentumswohnungen

Bei neuen Eigentumswohnungen registrieren die LBS-Experten bundesweit merklich gestiegene Preise, vor allem an touristisch interessanten Orten, in Ballungsräumen und Universitätsstädten. An der Spitze liegt hier Grünwald mit 7.900 Euro pro Quadratmeter, gefolgt von München (7.500 Euro).

Weit vor Frankfurt (5.100 Euro), Stuttgart (5.000 Euro) und Hamburg (4.975 Euro) finden sich Gauting (6.800 Euro), Gräfelfing (6.500 Euro), Planegg (6.400 Euro) und Starnberg (6.300 Euro). Bei den Halbmillionenstädten liegen die Quadratmeterpreise in Dortmund, Hannover und Dresden im Bereich von 3.000 Euro oder sogar darunter.

Große Nachfrage nach gebrauchten Eigentumswohnungen

Auch bei gebrauchten Eigentumswohnungen sind eine zunehmende Nachfrage und steigende Preise feststellbar. Der Preisunterschied zu einem Neubau mit meist höherem Standard bleibt laut LBS aber unverändert groß: Der Abschlag für eine gebrauchte Eigentumswohnung beträgt demnach im Vergleich zu Neubauten im Durchschnitt rund 40 Prozent.

In den Groß- und Mittelstädten Nord- und Ostdeutschlands liegen die Quadratmeterpreise häufig bei knapp 1.200 Euro, im Süden bei fast 2.500 Euro.

Bauland: Engpassfaktor Nummer eins

Mangelware bleibt Bauland. In den süddeutschen Groß- und Mittelstädten waren laut LBS-Experten Grundstücke mit 480 Euro pro Quadratmeter nochmals teurer als im Vorjahr und dreimal so viel wie im Norden (150 Euro) beziehungsweise fünfmal so viel wie im Osten (90 Euro).

Spitzenpreise werden in süd- und südwestdeutschen Großstädten bezahlt: In München und einigen der Umlandgemeinden kostet der Quadratmeter Bauland 1.800 Euro. Stuttgart (1.050 Euro) und Nürnberg (700 Euro) folgen. In vielen Mittelstädten und selbst in Großstädten wie Bremerhaven, Chemnitz, Cottbus und Salzgitter ist Bauland jedoch für unter 100 Euro pro Quadratmeter am Markt.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungsmarkt, Immobilienpreis

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