BBSR: 20 Millionen Pendler – Wohndruck in Großstädten
Die Zahl der Pendler in Deutschland steigt laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) weiter. Im vergangenen Jahr – Stichtag 30. Juni – arbeiteten bundesweit 20,64 Millionen (Anteil von 60 Prozent) sozialversicherungspflichtig Beschäftigte außerhalb des Wohnorts. Das waren rund 50.000 mehr als 2024. Für die Auswertung nutzte das Institut Daten der Bundesagentur für Arbeit.
Gründe sind unter anderem die gute Jobsituation bei hohen Wohnkosten und Wohnungsmangel, wie insbesondere in München, aber auch in anderen deutschen Großstädten. Menschen nehmen deshalb weite Wege aus dem Umland in Kauf.
Sieben Millionen pendeln in die Großstädte
7,02 Millionen Menschen kamen im vergangenen Jahr von außerhalb zur Arbeit in eine der 80 deutschen Großstädte. Das ist laut BBSR knapp die Hälfte der dort Beschäftigten und ebenfalls rund 50.000 mehr als im Vorjahr.
München ist Pendlerhauptstadt: 461.400 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nahmen 2025 die Fahrt aus dem Umland auf sich. Es folgen Frankfurt am Main mit 422.500, Hamburg mit 402.100, Berlin mit 400.000 und Köln mit 319.900 Einpendlern.
In den fünf genannten Metropolen stieg die Zahl der Berufspendler gegenüber dem Vorjahr, heißt es in der Auswertung: in München um 3.000, in Frankfurt am Main um 6.900, in Hamburg um 5.800, in Berlin um 1.100 und in Köln um 2.900.
Wohnen und Arbeiten: Wo die weitesten Wege in Kauf genommen werden
Der durchschnittliche einfache Arbeitsweg betrug im vergangenen Jahr 17,3 Kilometer, wie das BBSR weiter mitteilt, nach 17,2 Kilometern im Vorjahr. Für 7,29 Millionen Pendler lag die Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsort bei mehr als 30 Kilometern. 4,10 Millionen legten mehr als 50 Kilometer zurück, 2,39 Millionen mehr als 100 Kilometer.
Die längsten durchschnittlichen Arbeitswege gab es im Landkreis Märkisch-Oderland (Brandenburg) mit 27,4 Kilometern und im Altmarkkreis Salzwedel (Sachsen-Anhalt) mit 27,2 Kilometern. Es folgen Landsberg am Lech (Bayern) mit 26,8 Kilometern, Pfaffenhofen an der Ilm (Bayern) mit 26,6 Kilometern sowie Ludwigslust-Parchim (Mecklenburg-Vorpommern) und die Uckermark (Brandenburg) mit jeweils 26,4 Kilometern.
Attraktiver Arbeitsmarkt, angespannter Wohnungsmarkt
"Lange Arbeitswege haben regional unterschiedliche Gründe", sagt BBSR-Experte Thomas Pütz. Im Münchner Umland führen demnach die starke Anziehungskraft des Arbeitsmarktes und der angespannte Wohnungsmarkt dazu, dass viele Beschäftigte weite Wege zur Arbeit haben. In dünn besiedelten Regionen sind die Entfernungen oft groß, weil attraktive Arbeitsmarktzentren weiter entfernt liegen. Das zeigt sich etwa in Westmecklenburg, wo sich viele Beschäftigte nach Schwerin, Lübeck oder Hamburg orientieren, und in der Altmark, von wo viele zur Arbeit nach Wolfsburg oder Magdeburg pendeln.
"Je weiter Wohnen und Arbeiten auseinanderliegen, desto wichtiger wird die Frage, wie diese Wege bewältigt werden", so Pütz. "Für Beschäftigte, die im Homeoffice arbeiten können, fällt die Entfernung zum Arbeitsort weniger ins Gewicht, weil sie den Weg nicht jeden Tag zurücklegen müssen."
Das Bundesinstitut analysiert aber nicht, wie oft die Arbeitnehmer ins Büro oder die Fabrik fahren, und auch nicht, welche Verkehrsmittel sie nutzen. Mit Blick auf Homeoffice kann die Zahl der Menschen, die tatsächlich pendeln, also niedriger liegen.
BBSR-Statistik: Pendler in Deutschland
Die BBSR-Statistik basiert auf den Wohn- und Arbeitsorten sozialversicherungspflichtig Beschäftigter zum 30.6.2025. Beschäftigte mit Wohnsitz im Ausland sind nicht enthalten. Die Zahlen geben weder Auskunft darüber, wie häufig Beschäftigte tatsächlich zu ihrem Arbeitsort fahren, noch darüber, welches Verkehrsmittel sie nutzen. Für die Auswertung nutzte das Institut Daten der Bundesagentur für Arbeit.
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