Lust am Wohnen im Speckgürtel treibt Preise in Metropol-Manier

Das Wohnen im Umland wird immer begehrter. Im Speckgürtel so mancher Metropole sind die Preise stärker gestiegen als in den Boom-Towns selbst. Im Schnitt sind Wohnimmobilien in den ländlicheren Regionen aber noch 55 Prozent günstiger als in den Großstädten, wie eine Studie zeigt.

Das Umland von Metropolen wird für Wohnungssuchende immer attraktiver, vor allem bei Familien. Noch gibt es dort mehr Wohnraum für weniger Geld: Im Durchschnitt liegen die Preise  im sogenannten Speckgürtel 55 Prozent unter denen in den Großstädten. Doch mittlerweile spiegelt sich die Entwicklung der Stadtflucht in den Immobilienpreisen wieder, haben die Sparda-Banken und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln herausgefunden.

Preise für Wohnraum in den Metropolen steigen moderater als im Umland

In Berlin, München, Köln, Hamburg und Stuttgart sind die Preise für Bestandswohnungen im Umland seit 2017 stärker gestiegen als in den Metropolen selbst. In Berlin etwa verteuerten sich Wohnungen im Umland mit knapp 22 Prozent deutlicher als in der Hauptstadt selbst (plus 17,5 Prozent). Auch in der Münchner Peripherie war der Anstieg mit rund zehn Prozent größer als in der Stadt mit sechs Prozent. Die zehn teuersten ländlichen Regionen Westdeutschlands für Wohneigentum liegen in der Metropolregion München. In Hamburger Umland stiegen die Kaufpreise um 17,5 Prozent – in der Metropole selbst nur um 15,9 Prozent. Nur in Frankfurt am Main und in Düsseldorf war der Preisauftrieb in den Städten noch stärker als im Umland.

Deutschlandweit sind die Kaufpreise für Eigentumswohnungen im hochverdichteten ländlichen Raum in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt um 66 Prozent gestiegen, heißt es in der Studie, in den Ballungsräumen um 74 Prozent und in den Kernstädten um 70 Prozent.

Pendlersaldo nimmt zu: Immer mehr Berufstätige zieht es aufs Land

Je höher die Immobilienpreise, desto eher zieht die arbeitende Bevölkerung ins Umland und pendelt. 7.220 Euro pro Quadratmeter müssen Käufer zum Beispiel im Schnitt für Wohneigentum in München ausgeben. Im Landkreis München sind es 6.314 Euro, im Landkreis Starnberg 5.939 Euro. Die bayerische Hauptstadt hat auch die teuersten Mieten mit rund 16 Euro pro Quadratmeter im Schnitt. Zum Vergleich: Bundesweit sind es rund sieben Euro.

Insbesondere die berufstätigen 30- bis 50-Jährigen zieht es der Studie zufolge aus den Städten ins Umland, was zu teilweise gewaltigen Pendlersalden führt. Besonders deutlich wird das im Landkreis Südwestpfalz, in dem fast 22.000 mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer zur Arbeitsstätte auspendeln als einpendeln. In der Regel werden um die 30 Kilometer Weg zwischen Wohnort und Arbeitsplatz in Kauf genommen.

Immobilienboom trotz und wegen Corona: Der Wunsch nach dem Eigenheim wächst

Die Coronakrise habe den Immobilienboom nicht zum Erliegen gebracht, schreiben die Studienautoren. Seit Beginn der Pandemie im März 2020 sei vor allem die Nachfrage zum Kauf von Einfamilienhäusern stark gestiegen. Auch die Suchanfragen für Mietwohnungen liegen demnach über Vorkrisenniveau, während sich die Verkäufer eher zurückhaltend verhielten. Nach dem Einbruch der Verkaufsinserate in der ersten Corona-Welle gab es keine Erholung.

Die hohen Preise in den Großstädten führen die Studienautoren vor allem auf eine zu geringe Bautätigkeit zurück. 83 Prozent beträgt die Bautätigkeit deutschlandweit im Verhältnis zum Wohnungsbaubedarf. In Köln liegt die Quote sogar unter 50 Prozent. Schlusslicht ist Speyer mit gerade einmal 21 Prozent. Der Anteil der Bevölkerung, die im städtischen Raum lebt, stieg in den vergangenen zehn Jahren hingegen im bundesweiten Schnitt von 60,6 Prozent auf 61,4 Prozent. Anders in weiten Teilen Ostdeutschlands: In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hingegen sind 40 der 50 Regionen geschrumpft.

Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), beklagte, dass die Kommunen sich oftmals  "lieber für die Ausweisung neuer Einfamilienhausgebiete statt für den Geschosswohnungsbau" stark machten und unterschätzten, "dass bezahlbares Wohnen längst zu einer nachhaltigen Alternative zu flächenfressenden Einfamilienhäusern geworden ist".

Studie: "Wohnen in Deutschland 2020: Unterschiede zwischen Stadt und Land"


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