15-Minuten-Stadt bis Subtopia: Der moderne Makler denkt hybrid

Kurze Wege, innovative Wohnlösungen – das Konzept der "15-Minuten-Stadt" ist gefragt bei Immobilienkäufern. Konträr dazu erlebt das Dorf ein Comeback. In der Vorstadt entsteht "Subtopia" als Hotspot. Das Wohnen der Zukunft wird hybrid sein, wie eine Studie zeigt. Makler werden eine neue Rolle haben.

Drei zentrale Lebensräume werden den Haus- und Wohnungsmarkt in Deutschland in den kommenden zehn Jahren prägen: Die segmentierte "15-Minuten-Stadt", die aufstrebende "Progressive Provinz" und der neue Sehnsuchtsort "Subtopia" in den Speckgürteln der Großstädte. Das ist ein Fazit der Trendstudie "Hybrid Homes: Wohnen in hybriden Welten", in der das Zukunftsinstitut im Auftrag von McMakler drei zentrale Lebensräume analysiert hat, die das Wohnen der Zukunft maßgeblich prägen werden.

Die fortschreitende Segmentierung von Städten und die Diversifizierung von Land und Speckgürtel wird der Studie zufolge auch die Rolle des Maklers verändern: Quartiere, Kieze, Nachbarschaften und digitales Know-how werden zum Detailwissen gehören. Die Sehnsucht nach den eigenen vier Wänden wird auch in den nächsten zehn Jahren Bestand haben. Und hybride Räume finden sich zunehmend in allen Lagen.

Wohnen in der Stadt: Nachbarschaft und kurze Wege

Der Traum vom Eigenheim in der Stadt werde zum Gemeinschafts(t)raum und erfordere neue, intelligente Wohnlösungen, heißt es in der Studie. Neu gestaltete Quartiere, Kieze und Nachbarschaften werden zu zentralen Bezugspunkten und tragen zu einer "Verdörflichung" der Stadt bei. In der "15-Minuten-Stadt" bietet jedes Viertel Nahversorgung, Freizeitangebote und Bildung in einem Radius von einer Viertelstunde zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Die kurzen Wege sparen Zeit, die Städter anderweitig investieren können.

Weil Käufer von Eigentumswohnungen oder Häusern in der Stadt im Gegensatz zu Mietern zumeist langfristig bleiben wollten, werde ein harmonisches Zusammenleben mit den Bewohnenden des Viertels umso wichtiger, so die Studienautoren: 64 Prozent der Großstädter wünschen sich einen engeren Kontakt zur Nachbarschaft. Ein alternatives Verständnis von Nachbarschaftlichkeit wird laut Studie in den "Vertical Villages" ausgelebt: Extravagante Wohntürme mit einem smarten Mischnutzungskonzept, guter Nahversorgungsinfrastruktur und idealer Verkehrsanbindung. Auch Mixed-Use- und Co-Living-Quartiere sind im Kommen. In der Stadt werden insbesondere Käufer fündig, die nach Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen suchen.

"Progressive Provinz": Zukunftslabor für soziale Innovation

Immobilienkäufer weichen vermehrt in die sogenannten Speckgürtel der Metropolen aus. Dörfer und ländliche Regionen werden in den kommenden Jahren ein Comeback erleben, schreiben die Studienautoren: Progressive Großstädter werden ihr urbanes Mindset – von der Kaffeerösterei bis zum Yoga-Studio – in die Provinz transferieren und treiben so die "Verstädterung" des Landes voran. Die "Progressive Provinz" werde zum Zukunftslabor für soziale Innovation und neue Formen des Wohnens und Zusammenlebens im Einklang mit Digitalität und Natur.

Periphere Räume und das ländliche Umland der Städte haben in den nächsten zehn Jahren die Chance, von der Wohnraumknappheit und der Verkehrsüberlastung in den Großstädten zu profitieren. Dazu muss den Analysten zufolge aber erst in die eigene Infrastruktur investiert werden: Potenzielle Immobilienkäufer erwarten auch in der Vorstadt effektive Verkehrsanbindungen oder ein vielfältiges Angebot an Restaurants, Einzelhandel und Freizeitmöglichkeiten. Statt einem einzelnen, verdichteten Stadtzentrum wird es laut Studie in Zukunft viele kleinere, miteinander verbundene Mini-Städte geben, die alle angesagt sein werden.

Vorstadt: "Best of all Worlds" taugt auch als Investment

Die Vorstadt wandelt sich gerade zum neuen Hotspot. Für alle, die sich nicht zwischen Großstadttrubel und Landidylle entscheiden können, entsteht laut Studie bis zum Jahr 2030 ein neuer Sehnsuchtsort: "Subtopia". Hier wird das Beste aus Stadt und Land vereint. Die urbanen Peripherien vereinen die Vorzüge von Stadt und Land und eröffnen dadurch neue Zukunftsräume für Wohneigentum.

Ob als überschaubarer Wohnort oder als sichere Geldanlage – die Vorstadtimmobilie bietet den Experten zufolge einige Vorzüge. Sie ist Rückzugsort vom stressigen Alltag, bietet ein geschütztes Wohnumfeld auch für Familien und Nachbarschaften werden intensiver gepflegt als in den Großstädten. In Zeiten hoher Inflation und niedriger Zinsen geht der Trend immer noch zur Immobilie als Anlageobjekt, heißt es in der Studie. Der Kauf von Mietimmobilien sei auch künftig noch sichere Kapitalanlage. Perspektivisch werden die Vororte das Preisniveau der Innenstädte erreichen. Wer seine Immobilien in der Peripherie später verkaufen will, kann demnach mit satten Gewinnen rechnen.

Zweitwohnung im Grünen: Luxus für's Home Office

Auch Ferienhäuser erfreuen sich wachsender Beliebtheit – knapp die Hälfte der deutschen Ferienimmobilien wurde erst in den vergangenen fünf Jahren erworben, heißt es in der Studie. Die Zahl der Deutschen mit Ferienimmobilie sei im ersten Coronajahr 2020 um 21,2 Prozent auf 1,26 Millionen gestiegen. Während der Pandemie seien auch die Preise für die Objekte vor allem an der Nord- und Ostsee sowie im Alpenraum weiter in die Höhe gegangen. Auch Ferienimmobilien bieten demzufolge langfristig eine sichere Möglichkeit, Kapital anzulegen. Das sei für 43 Prozent der Deutschen einer der Hauptgründe für den Kauf.

Auch beim Home Office geht der Trend zum Zweitwohnsitz in ländlichen oder peripheren Gegenden. Der lange Weg zum Arbeitsplatz fällt weg. "Für viele stellte sich das als vielversprechendes Arbeitsmodell der Zukunft heraus. Das abgelegene Haus im Grünen verhilft zu konzentriertem Arbeiten in stressfreier Atmosphäre", so die Autoren. Auch das Tiny House im Grünen sei beliebt und werde mehrheitlich von Immobilienkäufern im Alter von Mitte 40 bis Mitte 50 nachgefragt.

Umfrage: Schnelles Internet muss (überall) sein

Ergänzend zur Trendstudie "Hybrid Homes" hat McMakler eine repräsentative Umfrage bei YouGov in Auftrag gegeben. An der Online-Umfrage nahmen rund 2.000 Personen zwischen dem 21.2.2022 und dem 22.2.2022 teil. Bei den Ansprüchen ans Wohnen wurde am häufigsten "Ruhe" genannt (61 Prozent), gefolgt von "Ärztliche Versorgung in Reichweite" (56 Prozent) und "Nähe zur Natur” (54 Prozent). Zudem erwägt knapp jeder fünfte Young Professional in Zukunft in einen Vorort oder auf das Land zu ziehen. Bei den 25- bis 34-Jährigen sagten das 17 Prozent, während 40 Prozent angaben, in der Stadt bleiben zu wollen.

Jeder vierte Umfrageteilnehmer (25 Prozent) kann sich vorstellen, einen zweiten Wohnsitz als Ferienimmobilie oder für Home Office zu nutzen. Bei den 18- bis 24-Jährigen ist es mehr als jeder Dritte (36 Prozent). Vor allem der jüngeren Generation sind nachhaltige Mobilitätsangebote und ÖNPV wichtig: In der Gruppe "18 bis 24 Jahre" gaben das 53 Prozent ab, in der Gruppe "25 bis 34 Jahre" waren es 57 Prozent. Noch wichtiger als eine gute Verkehrsanbindung ist über alle Gruppen hinweg ein schnelles Internet.

Vom Makler zum Property Partner

Die vom Zukunftsinstitut identifizierten Wohntrends erfordern neues Spezialwissen von Immobilienmaklern zu Kiez, Quartier und Nachbarschaft. Dazu kommt digitales Know-how: Big-Data-Software und Künstliche Intelligenz (KI) werden bei der Wertermittlung von Immobilien eine größere Rolle spielen, um innerhalb kürzester Zeit den Wert punktgenau für jedes Haus in einer Straße zu ermitteln.

Wodurch zeichnet sich das Viertel aus? Welche Restaurants sind in der Nähe? Ist ein Glasfaseranschluss vorhanden? Der Makler der Zukunft ist vor Ort bestens vernetzt. "Aus Immobilienmaklern werden persönliche Property Partner, die sich auszeichnen durch spezifisches Standortwissen, Sinn für Gemeinschaft sowie vielseitige und innovative Serviceangebote für die Zukunft des Immobilieneigentums", schreiben die Studienautoren. Dabei werde der persönliche Kontakt zwischen Immobilienmakler und Kunden immer wichtiger, gerade weil das Angebot von PropTechs und vollautomatisierten Immobilienportalen wächst.

McMakler-Trendstudie "Hybrid Homes": Wie wohnen wir im Jahr 2030 in Deutschland? (PDF)


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Schlagworte zum Thema:  Wohnimmobilien, Makler