02.12.2015 | Studie

DIW: Trotz stark steigender Preise keine flächendeckende Blasenbildung

Kleinere Universitätsstädte wie Tübingen sind besonders betroffen
Bild: Bürger- und Verkehrsverein Tübingen

Die Preise für Wohnimmobilien in deutschen Großstädten haben seit 2009 zugelegt um rund 33 Prozent bei Neubauten und um 32 Prozent bei Bestandsimmobilien. Gleichzeitig stiegen aber auch die Mieten: Sie legten um 22 Prozent bei der Erstvermietung und um 21 Prozent bei der Wiedervermietung zu. Von einer generellen Blasenbildung in deutschen Großstädten könne daher noch keine Rede sein. Das ist Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). 

Die Preisentwicklung biete aber in kleineren Universitätsstädten Anlass zur Sorge, eine flächendeckende Blasenbildung gebe es jedoch auch in diesem Segment nicht.


Gefahr spekulativer Preisblasen in lokalen Zentren

Spekulative Blasen entstehen, wenn die Preisentwicklung von der Ertragsentwicklung entkoppelt ist und vor allem von der Erwartung immer weiter steigender Immobilienpreise bestimmt wird. Ähneln sich die Muster der Miet- und Preisentwicklung nicht, ist Spekulation wahrscheinlich.

Die Studienautoren haben neun Städte ausgemacht, auf die dies bei den Bestandswohnungen zutreffen könnte. Mit Ausnahme Potsdams liegen sie alle in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Zu ihnen gehören Ingolstadt, Regensburg und Friedrichshafen. Mit München ist nur ein einziger Markt von internationaler Bedeutung unter ihnen.

Weitaus größer ist die Zahl von Städten, in denen die Gefahr von Spekulationsblasen im vergleichsweise kleinen Neubausegment besteht: Hier wurden 28 Standorte ausgemacht, in denen diese wahrscheinlich sind. Dazu zählen die international bedeutsamen Städte Hamburg und Köln und mit Karlsruhe, Hannover, Dortmund und Nürnberg auch Städte von nationaler Bedeutung.

Besonders stark betroffen sind Städte von regionaler Wichtigkeit wie die kleineren Universitätsstädte Tübingen, Freiburg, Gießen, Osnabrück und Regensburg.

Kreditvergabe in Deutschland hat kräftig angezogen

Im internationalen Vergleich ist die derzeitige Immobilienpreisentwicklung in Deutschland nach wie vor wenig auffällig. Die Preissteigerungen fielen in Irland, Großbritannien, Spanien und den USA deutlich höher aus.

Derzeit ist aber eine drastische Ausweitung der Kreditvergabe in Deutschland zu beobachten. Angesichts der immer weiter gesunkenen Zinsen ist das dem DIW zufolge zwar nachvollziehbar, ein derart sprunghafter Anstieg wie zuletzt sei allerdings außergewöhnlich. Ein unmittelbarer politischer Handlungsbedarf bestehe aber erst, wenn sich der Trend der expansiven Kreditvergabe verfestigen sollte.

Schlagworte zum Thema:  Immobilienwirtschaft, Immobilienblase

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