Bürovermietung: Nachfrageboom bei Flexible Offices erwartet

Es herrscht gähnende Leere in vielen deutschen Büros – auch die Betreiber sogenannter Flexible Offices sind durch die Corona-Krise unter großen Druck geraten. Doch die Branche ist optimistisch: Workthere und Savills prognostizieren gar eine Rekordnachfrage nach den Arbeitsplätzen auf Zeit.

Die Dynamik am Markt für Flexible Offices war vor Ausbruch der Corona-Pandemie geprägt von Expansionen von Anbietern weltweit – vor allem in den "Big Seven" Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart – und einer beschleunigten Nachfrage. Der Markt wurde von den Lockdowns hart getroffen.

Eine Untersuchung von Workthere, der auf Flex-Offices spezialisierten Vermittlungsplattform von Savills, zeigt, dass die Auftragsauslastung Ende November 2020 bei 65 Prozent lag; vor der Pandemie im ersten Quartal 2020 waren es noch 79 Prozent. Die Einschränkungen wegen Corona haben zu einer verstärkten Unsicherheit unter den Mietern von flexiblen Arbeitsplätzen geführt, und die wird laut Cal Lee, Global Head von Workthere, voraussichtlich noch in den ersten Monaten 2021 zu spüren sein.

Trend 2021: Nachfragerekord bei flexiblen Büros?

Für die kommenden Monate erwartet Workthere bestenfalls einen leichten Anstieg der Nachfrage nach Tagespässen für flexible Büros und Besprechungsräume. Diese Nachfrage wird dem Sektor im ersten Quartal 2021 zwar einen leichten Aufschwung bescheren – generell werden sich Unternehmen den Experten zufolge zunächst eher nach großen Büroflächen umsehen, die eine Einhaltung des Mindestabstands garantieren.

Im Laufe der zweiten Jahreshälfte 2021 erwartet Workthere eine Rekordnachfrage nach Flexible Offices. "Es gibt eine große Anzahl von Unternehmen, die ihre Verträge in den letzten neun Monaten nicht erneuert haben, aber darauf warten, zurückzukehren", erklärt Lee. Viele Nutzer wollten sich nicht mehr auf unflexible Mietverträge und Fixkosten einlassen. Auch Firmen, die weiterhin an klassischen Büroräumen festhalten wollten, würden zunehmend ergänzend auf flexible Büroflächen setzen.

Workthere geht davon aus, dass die Mietpreise in den Innenstädten der Metropolen in der ersten Jahreshälfte fallen könnten, weil einige Betreiber ihre Kunden mit Zugeständnissen bei der Miete an sich binden wollen, um im Wettbewerb bestehen zu können. "Diese Entwicklung wird sich voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte bei steigender Nachfrage und geringerem Angebot umkehren", meint Lee. Er erwartet, dass sich die Preise bis Ende des Jahres erholen.

Flexible-Office-Betreiber entdecken Einzelhandelsflächen und Hotels für sich

Als krisenresilienter haben sich Flexible Offices in den urbanen Randlagen erwiesen: Eine Umfrage von Workthere im Oktober 2020 ergab, dass die weltweite Nachfrage nach Flexible Workspaces in den städtischen Randlagen 26 Prozent der Gesamtnachfrage verantwortete. Der Grund: Immer mehr Unternehmen verfolgen eine Strategie, die den Mitarbeitern ermöglicht, dort zu arbeiten, wo es ihnen am besten passt.

Auch sogenannte On-Demand-Angebote werden beliebter: Laut Workthere hat ein Pilotprojekt eines der größtes Flexible-Workspace-Anbieter weltweit, "Wework", für die Buchung von Arbeitsplätzen nur bei Bedarf bewiesen, dass diese Modelle erfolgreich sein können. "Immer mehr Betreiber haben damit begonnen, flexiblere Buchungspakete, zum Beispiel für Tagespässe, anzubieten. Sie reagieren damit auf die sich verändernden Bedürfnisse kleinerer Unternehmen und Einzelpersonen", sagt Lee.

Workthere prognostiziert außerdem, dass sich die Produktpalette weiter diversifizieren wird: Demnach entdecken immer mehr Vermieter den Markt für sich, die auch neue Ideen einbringen. So werden etwa leerstehende Einzelhandelsflächen für Flexible Offices nutzbar gemacht oder Lobbys und Bars von Hotels zu Arbeitsplätzen umfunktioniert. Das sehen Workthere und Savills als weiteren Indikator für die anhaltende Relevanz des Sektors.

JLL: Bis 2030 ein Drittel der Büroflächen flexibel genutzt

Die Auswirkungen von Covid-19 werden die Flexible-Office-Space-Branche deutlich verändern, jedoch nicht zu einem nachhaltigen Nachfragerückgang führen. Zu diesem Schluss kommt auch die JLL-Studie "The impact of COVID-19 on flexible space". Der Bedarf wird demnach auch nach der Pandemie weiter wachsen, da Unternehmen und Investoren mit einem zunehmenden Wunsch nach Flexibilität seitens der Mitarbeiter konfrontiert werden. Die JLL-Studie kommt daher zu dem Fazit, dass bis 2030 rund 30 Prozent aller Büroflächen flexibel genutzt werden.

Großen Einfluss auf die künftige Entwicklung der Branche werden JLL zufolge die Bürostrategien der Unternehmen nach der Corona-Pandemie haben: Wer Liquidität sichern und Rücklagen schonen wolle, werde langfristige Mietverpflichtungen eher meiden und sich für flexible Mietverträge entscheiden, heißt es bei JLL.

Der Immobilienkonzern Dic Asset setzt ungeachtet des corona-bedingten Trends zum Homeoffice und der Prognosen zum Markt für flexible Arbeitsplätze weiter auf den Ankauf und Verkauf von Büroimmobilien. Für das laufende Jahr plant Dic Asset nach eigenen Angaben mit Deals in Höhe von eineinhalb bis 2,2 Milliarden Euro, nach zweieinhalb Milliarden Euro im Corona-Jahr.


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