Flexible Office Spaces bieten einige Vorteile für Investoren und Eigentümer: So sind attraktive Renditen und Mietverträge möglich, und die Nachfrage steigt. Doch der Trend hat auch Grenzen, meinen Experten eines Round Tables. Laut Knight Frank ist davon aber vorerst nichts zu spüren: 69 Prozent der global tätigen Unternehmen wollen die Nutzung von flexiblen Flächen und Coworking erhöhen. Vor allem Tech-Firmen sind auf dem Vormarsch – und Berlin steht ganz oben auf der Liste.

Vor allem die Nachfrage des Technologiesektors wird weltweit die Vermietungsmärkte entscheidend mitbestimmen, lautet ein Ergebnis des aktuellen "Tech City Index" des Immobilienberaters Knight Frank. Unternehmen werden sich zunehmend dort ansiedeln, wo innovative Technologien und kreative Talente zusammenkommen, um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Vor diesem Hintergrund hat Knight Frank die 15 wichtigsten Technologiestädte der Welt ermittelt und Berlin auf Platz elf gesetzt.

Die 15 wichtigsten Technologiestädte der Welt

  1. San Francisco
  2. London
  3. Singapur
  4. New York
  5. Boston
  6. Los Angeles
  7. Amsterdam
  8. Tokio
  9. Zürich
  10. Seoul
  11. Berlin
  12. Paris
  13. Stockholm
  14. Sydney
  15. Toronto

Die deutsche Hauptstadt steht demnach ganz oben auf der Liste potenzieller Standorte für diejenigen, die Zugang zu Spezialisten suchen, die in den kommenden fünf Jahren die nächste Technologiewelle vorantreiben und implementieren werden.

"Es ist nicht verwunderlich, dass Berlin unter den wichtigsten Technologiestädten an Position elf weltweit steht." Ole Sauer, Managing Partner von Knight Frank in Berlin

Die Branche hat dem Marktforschungsbericht zufolge bereits in den vergangenen drei Jahren den Berliner Immobilienmarkt entscheidend beeinflusst: Die Tech-Industrie prägt schon heute klar definierte Entwicklungsgebiete – etwa die stark nachgefragte Mikrolage Mediaspree. Dazu kommt laut Sauer das stetige Wachstum der Startup-Szene.

"Ich bin mir sicher, dass Berlin das Potenzial für eine Position in den Top 6 hat und dies nicht erst in fünf Jahren, was die ungebremst starke Nachfrage von Tech-Unternehmen zeigt." Ole Sauer, Managing Partner von Knight Frank in Berlin

Auch die wachsende Startup-Szene befeuert die Nachfrage nach Flexible Spaces.

Frankfurt als Tech-Hub auf einem guten Weg

Laut Knight Frank ist auch Frankfurt als internationaler FinTech-Standort auf einem guten Weg. Die bisher bankenlastige und durch Finanzdienstleister und Berater geprägte Metropole öffnet sich zunehmend für moderne Arbeitswelten. Das zeigt sich laut Knight Frank auch an den großflächigen Anmietungen der bereits etablierten Coworking-Unternehmen, deren Flächen stark von Tech-Unternehmen nachgefragt werden.

"Aus unserer Sicht wird Frankfurt zukünftig auch aufgrund seiner zentralen Lage in Europa und seiner Internationalität mehr und mehr als Digital Hub in den Fokus rücken." Lukas Kasperczyk, Managing Partner bei Knight Frank in Frankfurt

In München ist vor allem die IT- und Telekommunikationsbranche zu Hause. Hinzu kommen renommierte Universitäten und attraktive Arbeitgeber – "damit gilt München weiterhin als einer der bedeutendsten deutschen Tech-Hubs", ergänzt Daniel Czibulas, Managing Director bei Knight Frank in München.

Beim Wachstum von Coworking-Flächen auf dem deutschen Büroimmobilienmarkt ist derzeit kein Ende in Sicht. Insbesondere in den Metropolen ist die Nachfrage nach flexiblen Arbeitsplatzlösungen anhaltend stark.

Round-Table: Coworking-Nachfrage und Grenzen des Trends 

Zu diesem Schluss kam auch der Berliner Round-Table zum Thema "Coworking – kurzweiliger Trend oder Arbeitsform der Zukunft?", an dem Karsten Jungk (Geschäftsführer und Partner bei Wüest Partner Deutschland), Daniel Grimm (Development Director Germany der International Workplace Group IWG, zu der die Coworking-Marken Regus und Spaces gehören), Dr. Matthias Mittermeier (Managing Partner der Commodus Real Estate Capital GmbH) und Ken Kuhnke (Leiter Vermietungsmanagement der HIH Real Estate GmbH) teilgenommen haben.

Die Experten stützten sich auf eine Studie von JLL, laut der es alleine in den deutschen Top 7 (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart) aktuell rund 764.000 Quadratmeter Flexible Office Spaces an rund 500 Standorten gibt.

"Bei tendenziell kürzeren Mietvertragslaufzeiten am Büromarkt hat die längerfristige Vermietung an Coworking-Betreiber einen stabilisierenden Effekt." Dr. Matthias Mittermeier, Managing Partner der Commodus Real Estate Capital GmbH

Darüber hinaus übernähmen Coworking-Center eine wichtige Pufferfunktion bei zyklischen und unternehmensstrategischen Nachfrageschwankungen.

Allerdings, so die Teilnehmer des Round Tables, äußern sich Investoren und Eigentümer zur weiteren Nachfrageentwicklung zurückhaltend. Die Menge der Anbieter lasse an manchen Standorten Kannibalisierungseffekte befürchten, wenn der prognostizierte Anstieg der Nutzer dieser Arbeitskonzepte nicht zum Flächenangebot passt.

Coworking soll die Zusammenarbeit fördern.

Vermietungsumsatz bei Coworking-Centern in den Top 7 verfünffacht

"Der Anteil der Flexible Office Spaces ist mit einem Prozent am gesamten deutschen Büromarkt noch verhältnismäßig gering, jedoch beobachten wir zurzeit eine außerordentliche Wachstumsdynamik, die Coworking zum neuen Treiber auf dem deutschen Büromarkt macht." Karsten Jungk, Geschäftsführer und Partner von Wüest und Partner Deutschland

So habe sich der jährliche Vermietungsumsatz bei professionellen Coworking-Centern in den Top-7-Städten zwischen 2016 und 2017 laut Colliers von 40.000 auf 200.000 Quadratmeter verfünffacht. Nach Einschätzung von Jungk wird sich diese Dynamik in den kommenden Jahren fortsetzen. "Aktuell befinden sich deutschlandweit etwa 60 neue Standorte mit rund 24.000 Arbeitsplätzen in Planung", so Jungk weiter: In Berlin sind es 213.000 Quadratmeter, in München 160.000 Quadratmeter und Frankfurt am Main 112.000 Quadratmeter.

"Flexibilität wird zum Kernmerkmal des Arbeitsplatzes der Zukunft. Flexible Büro- und Coworking-Lösungen sind schon lange kein kurzlebiger Trend mehr." Daniel Grimm, Development Director Germany bei IWG

Besondere Wachstumschancen sehen die Marktexperten für das Corporate Coworking, eine Form des Coworkings für etablierte Unternehmen, wobei eigene Coworking-Spaces entweder inhouse oder bei externen Anbietern angeschlossen werden. Zudem bewege sich der Trend hin zu großen Flächen ab 2.000 Quadratmetern Größe mit eigenen Eventflächen.

69 Prozent der globalen Unternehmen wollen mehr Coworking nutzen

Noch mietet demnach die Mehrheit der globalen Unternehmen Büroflächen traditionell, wie der ebenfalls von Knight Frank veröffentlichte Report "(Y)our Space" zeigt.

Zwei Drittel der von Knight Frank befragten Unternehmen gaben an, dass Coworking, betreute und flexible Büroflächen aktuell fünf Prozent oder weniger ihrer derzeitigen Bürofläche ausmachen. Nur in sieben Prozent der Unternehmen übersteigt der flexible Arbeitsbereich derzeit 20 Prozent des gesamten Arbeitsbereichs. 44 Prozent der Unternehmen wollen erreichen dass ihre Büroarbeitsflächen bis zum Jahr 2012 ein Fünftel aller Büroflächen ausmachen werden. Weitere 16 Prozent schätzten, dass innerhalb desselben Zeitraums sogar bis zur Hälfte der gesamten Büroräume weltweit flexibel gestaltet sein werden.

Insgesamt wollen mehr als zwei Drittel (69 Prozent) der globalen Unternehmen die Nutzung von Coworking-Lösungen in den kommenden drei Jahren erhöhen – 80 Prozent erwarten einen Anstieg des Anteils dieser Flächen innerhalb ihres Portfolios.

Umfeld für mehr Produktivität, Flexibilität und Zusammenarbeit

Hauptursache für den Wandel ist laut Knight Frank für 55 Prozent der Unternehmen die erhöhte Flexibilität, für elf Prozent liegt zudem der größte Vorteil darin, dass das Gemeinschaftsgefühl unter den Mitarbeitern gefördert wird. Weitere elf Prozent benannten als Hauptgrund für die Wahl von Coworking oder betreuten Flächen, dass sie eine viel schnellere Betriebsaufnahme gegenüber konventionellen Büroeinheiten ermöglichen.

Die große Mehrheit der Befragten (75 Prozent) ist überzeugt, dass die Produktivität von Mitarbeitern steigt und die Zufriedenheit durch flexible und kollaborative Mietflächenmodelle zunimmt.

"Während Betreiber von Coworking und betreuten Büroflächen in den vergangenen fünf Jahren stark gewachsen sind, vor allem durch Startups und die freie Wirtschaft, ist dies nur die Spitze des Eisbergs." Dr. Lee Elliott, Global Head of Occupier Research bei Knight Frank

Lesen Sie auch:

Coworking: Berlin könnte Deutschlands Trendsetter werden

Ranking: Berlin ist weltweit die beliebteste Stadt für die Generation Y

Flexible Büros in Europa: JLL prognostiziert jährliches Wachstum bis zu 30 Prozent

Büromieten: In Europa hängt Berlin alle Märkte ab – doch die Dynamik lässt nach

Schlagworte zum Thema:  Büroimmobilie, Innovation, Startup