24.03.2015 | Top-Thema Tax Accounting: Integrierte Steuerbuchführung im Mittelstand

Unterschiede zwischen Handels- und Steuerbilanz

Kapitel
Berechnung der latenten Steuern: Vom Timing-Konzept zum Temporary-Konzept
Bild: Haufe Online Redaktion

Für die Differenzen, die sich aus der handelsrechtlichen und steuerrechtlichen Bilanzierung ergeben, sind nach § 274 HGB in der Handelsbilanz latente Steuern zu bilden. Dabei ist es unerheblich, ob sich die Unterschiede aus den unterschiedlichen Bewertungsvorschriften oder aufgrund von unterschiedlichen Ansatzkriterien in Handels- und Steuerbilanz ergeben.

Durch BilMoG wurde die Berechnung der latenten Steuern vom sog. Gewinn- und Verlustrechnung basierten Timing-Konzept hin zum sog. bilanzorientierten Temporary-Konzept verändert. Beim Timing-Konzept wurden die latenten Steuern durch Gegenüberstellung des aus der Gewinn-und Verlustrechnung abgeleiteten Handels- und Steuerbilanzergebnisses errechnet.

Seit dem Jahr 2009 werden alle Vermögensgegenstände, Rechnungsabgrenzungsposten sowie Schulden der Handelsbilanz den steuerlichen Wertansätzen gegenübergestellt und so die Differenzen ermittelt.

Bildung von passiven und aktiven latenten Steuern

Ist dabei der handelsbilanzielle Wertansatz eines Vermögensgegenstands (einer Schuld) höher (niedriger) als der korrespondierende Steuerbilanzwert, sind demnach passive latente Steuern zu bilden. Ist der handelsbilanzielle Wertansatz eines Vermögensgegenstands (einer Schuld) niedriger (höher) als der Steuerbilanzwert sind entsprechend aktive latente Steuern zu bilden.

Passivierungspflichten und Wahlrechte

Damit sind die zu bildenden latenten Steuern auch eine abhängige Größe, die man mit den unterschiedlichen Wahlrechten zum Ansatz und Bewertung von steuerlichen Wirtschaftsgütern (Vermögenswerten) und Schulden beeinflussen kann. Ein sich insgesamt ergebender Aktivüberhang kann gem. § 274 Abs. 1 Satz 2 HGB als aktive latente Steuern in der Bilanz angesetzt werden (Wahlrecht), für die passiven latenten Steuern besteht eine Passivierungspflicht. Weiterhin ist es nach § 274 Abs. 1 Satz 3 HGB möglich, die aktiven und passiven latenten Steuern zu verrechnen oder unverrechnet auszuweisen. Die Ausübung dieses Ausweiswahlrechts unterliegt dem Gebot der Stetigkeit.

Praxis-Hinweis: Typische Unterschiede in der Steuer- und Handelsbilanz ergeben sich aus:

  • Abschreibung bei voraussichtlich dauerhaften Wertminderungen des Anlagevermögens
  • Unterschiedliche Abschreibungsdauer für Geschäfts- und Firmenwerte in der Handels- und Steuerbilanz
  • Steuerliches Wertaufholungsgebot für Geschäfts- oder Firmenwerte
  • Bewertungsvereinfachungsverfahren der Vorräte
  • Abzinsungsgebot und Berücksichtigung von zukünftigen Preis- und Kostensteigerungen bei der Rückstellungsberechnung nach Handelsrecht
  • Berücksichtigung von zukünftigen Gehalts- und Rententrends bei Pensionsrückstellungen
  • Ansatz von Drohverlustrückstellungen in der Handelsbilanz
  • Ansatzwahlrecht für selbst erstellte immaterielle Vermögensgegenstände im Anlagevermögen in der Handelsbilanz

Alle Informationen zum Thema "Jahresabschluss" finden Sie auf dieser Themenseite.

Schlagworte zum Thema:  Handelsbilanz, Steuerbilanz, Latente Steuern, Tax Accounting, BilMoG, E-Bilanz, Mittelstand, Wertminderung dauernde

Aktuell

Meistgelesen